Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Kein Halt mehr: 178 Bahnhöfe wurden in Sachsen stillgelegt
Region Mitteldeutschland Kein Halt mehr: 178 Bahnhöfe wurden in Sachsen stillgelegt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
20:32 15.02.2020
Der Bahnhof Neukieritzsch (Landkreis Leipzig) soll barrierefrei umgebaut werden. Unter anderem will die Bahn Aufzüge einbauen und den Tunnel unter den Gleisen erneuern. Quelle: Jens Paul Taubert
Leipzig

In Deutschland sind seit 1990 etwas mehr als 5100 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt worden – etwa rund zehn Prozent des Netzes. Nur rund 1000 Kilometer wurden neu gebaut beziehungsweise reaktiviert. Zugleich wurden auch Bahnhöfe geschlossen, weil keine Züge mehr fahren oder halten. Allein in Sachsen nahm die Deutsche Bahn (DB) seit der Wende 178 Bahnhöfe außer Betrieb. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von FDP-Abgeordneten hervor. Aktuell betreibt die Bahn noch 501 Bahnhöfe in Sachsen.

Bundeskabinett beschloss 2019 mehr Geld für Schienenausbau

„Es ist schon ein Gewinn, dass die Bahn in den kommenden Jahren nicht weitere Stationen schließen will“, sagt das sächsische FDP-Bundestagsmitglied Torsten Herbst. Einzige Ausnahmen sind die Verkehrsstationen Görlitz-Weinhübel, Kleinschirma (Kreis Mittelsachsen) und Zwenkau-Großdalzig (Kreis Leipzig). Sie sollen laut DB jeweils für einen anderen Halt in der Nähe aufgegeben werden. Im Fall der Station in Großdalzig beispielsweise soll der neue Halt Zitzschen sein.

Herbst begrüßt es, dass bundesweit über die Reaktivierung stillgelegter Strecken nachgedacht wird. Seit Jahren fordern Verkehrsverbünde ein Umdenken weg vom Auto hin zur Bahn. Anfang November 2019 hat das Bundeskabinett beschlossen, deutlich mehr Geld für den Bau und Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs auf der Schiene auszugeben. Das sei ein erfreuliches Zeichen, heißt es beim Deutschen Bahnkunden-Verband.

Lesen Sie auch: Deutsche Bahn will 1400 Menschen allein in Sachsen einstellen

Deren Vorsitzender beim Landesverband Mitteldeutschland, Ferdinand Fischer, spricht von einem Signal der Bahn in der Fläche. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt könnte durch die Reaktivierung stillgelegter Strecken, die auf der Liste des Zukunftsbündnisses Schiene des Bundesverkehrsministeriums stehen, eine Verdoppelung der Passagierzahlen erreicht werden. Insbesondere, was den Berufs-, Schüler- und Ausflugsverkehr betreffe.

Allianz pro Schiene: Stilllegungen waren Fehler

Auch bei dem Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene wird das so gesehen. „Gerade in Ostdeutschland sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Eisenbahnstrecken stillgelegt worden. Jetzt wächst das Bewusstsein dafür, dass dies ein Fehler war und wir mehr statt weniger Eisenbahn brauchen“, so Geschäftsführer Dirk Flege. Mit mehr Regionalisierungsmitteln helfe der Bund, „mit der Reaktivierung stillgelegter Strecken und modernen, ansprechenden Bahnhöfen das Angebot auf der Schiene wieder auszuweiten“. Kosten und Nutzen sollte man aber nicht außer Acht lassen, ergänzt FDP-Politiker Herbst, der die Entwicklung generell begrüßt.

Der Verkehrsexperte fordert die Bahn auf, Stationen entlang dieser Strecken vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Generell gebe es einen „enormen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf bei Bahnhöfen“. So sind, wie aus der Antwort auf die Kleine Anfrage der FDP hervorgeht, 59 Prozent aller Bahnhöfe nicht uneingeschränkt barrierefrei. Bis 2025 sollen nun 16 Stationen entsprechend umgebaut werden. So ist geplant, in Borna die Bahnsteige zu erneuern und die Station stufenfrei herzustellen. All das ist auch für die Stationen im Leipziger Stadtteil Anger-Crottendorf, in Eilenburg, Taucha und Neukieritzsch (Kreis Leipzig) vorgesehen. An weiteren 88 Stationen sind bis 2024 Modernisierungsmaßnahmen geplant.

Bautzener Bahnhof gelungenes Beispiel für Privatinvestitionen

Seit 1994 wurden 375 Empfangsgebäude der DB in Sachsen verkauft. Wie viele weiter als Bahnhof dienen, kann die DB nicht beantworten, wie Herbst sagt, der für die FDP Obmann in Verkehrsausschuss des Bundestages ist. Er wirbt aber dafür, dass sich private Investoren beteiligen. Als ein gelungenes Beispiel nennt er den Umbau des Bautzener Bahnhofs durch private Bauherren.

Weil das Gebäude marode war, hat es die DB 2014 geschlossen. „Rund acht Millionen Euro wurden durch die privaten Investoren investiert und eine erweiterte Nutzung gefunden.“ In der Eingangshalle gibt es seit Kurzem ein Reisezentrum, einen Bäcker mit Café, einen Geldautomaten und Toiletten. Neben einer Krankenkasse und dem Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien ist auch das Landratsamt neuer Mieter.

Mehr zum Thema: Jeder fünfte Fernzug in Leipzig und Dresden verspätet

Von Andreas Dunte

Seit August 2013 gibt es für Mädchen und Jungen flächendeckend den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Die Kommunen haben oft viel Geld in Betreuungseinrichtungen investieren. Doch zunehmend fehlt es an Erzieherinnen und Erziehern.

15.02.2020

Der Vorstand der Oschatzer Tafel ist seit Wochen nicht arbeitsfähig, die Banken haben dem Verein den Geldhahn zugedreht. Doch jetzt gibt es wieder Hoffnung.

14.02.2020

Am Ende entwickelten die Dinge ihre Eigendynamik: Thüringens CDU-Landesvorsitzender und Fraktionschef Mike Mohring verliert nun beide Ämter – vermutlich noch schneller als geplant.

14.02.2020