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Mitteldeutschland Katjes steigt bei Halloren aus – Streit mit Hauptaktionär beigelegt
Region Mitteldeutschland Katjes steigt bei Halloren aus – Streit mit Hauptaktionär beigelegt
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18:30 27.12.2018
Branchenriese Katjes hat den Appetit auf Halloren-Kugeln verloren – und zieht sich nach langem Streit aus dem Unternehmen aus Halle zurück. Quelle: Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Halle/Emmerich

Überraschungscoup bei Halloren in Halle: Der Lakritzrise Katjes begräbt das Kriegsbeil mit den beiden Haupteignern der Schokoladenfabrik – und zieht sich aus der Firma zurück. Der Elf-Prozent-Anteil, den Katjes an der Börse zusammengekauft hatte, wird an die beiden Großaktionäre verkauft, teilte Katjes-Chef Tobias Bachmüller am Donnerstag mit. Darauf habe man sich in „konstruktiven Gesprächen“ geeinigt.

„Wir freuen uns über die einvernehmliche Lösung, die wir als positiv für Halloren und seine Aktionäre ansehen,“ sagte Bachmüller laut Mitteilung. Bei Halloren zeigte man sich erfreut über die Lösung. Man könne sich jetzt endlich wieder auf das eigentliche Geschäft konzentrieren – und einfach gute Schokolade machen, sagte ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Denn Katjes hatte Halloren seit anderthalb Jahren mit Gegenanträgen und Sonderprüfungen überzogen – und am Ende sogar vor Gericht gezerrt. Diese Verfahren dürften nun beendet sein.

Katjes-Einstieg sorgte für Angst in Halle

Katjes war im Juni 2016 zur Halloren-Hauptversammlung in Halle erstmals als Anteilseigner aufgetaucht – mit damals 1,3 Prozent. Innerhalb weniger Monate wurde der Anteil dann auf 10,7 Prozent aufgestockt. In Halle sorgte das für Aufruhr: Katjes habe sich offenbar ganz gezielt an Halloren angeschlichen, hieß es. Im Unternehmen ging die Angst vor einer feindliche Übernahme um. Die aber scheiterte am Hauptaktionär Darren Ehlert, der zusammen mit seinem Geschäftsfreund Frank Illmann sogar 74 Prozent zusammenkaufte – und Illmann dann zum Aufsichtsratschef machte.

Stattdessen überzog Katjes die Schokoladenfabrik dann auf den Hauptversammlungen mit Gegenanträgen, beantragte mehrfach Sonderprüfungen – und zog dann vor Gericht, weil alle Anträge mit den Stimmen Ehlerts und Illmanns abgeschmettert wurden.

Versöhnlichere Töne schon auf Hauptversammlung

Zuletzt hatte Katjes im August eine Sonderprüfung wegen des Verkaufs der Delitzscher Schokoladenfabrik beantragt. Die hatte Halloren ein Jahr zuvor an die gemeinsame Holding von Ehlert und Illmann verkauft. Doch schon auf der Hauptversammlung Ende September trat die Katjes-Spitze dann merklich zurückhaltender auf als noch ein Jahr zuvor, als Bachmüller noch in einer Kampfkandidatur gegen Illmann für den Aufsichtsrat kandidiert hatte.

Auch Ehlert zeigte sich am Rande der Hauptversammlung versöhnlich. Spekulationen, man könne Katjes einfach aus dem Unternehmen herauskaufen, hatte das Unternehmen damals aber noch zurückgewiesen.

Gespräche liefen seit September

Offenbar hatten beiden Seiten zu diesem Zeitpunkt aber bereits mit ihren Gesprächen begonnen – die nun zur Einigung führten. Der Verkauf der Anteile sei bereits vor Weihnachten vollzogen worden, hieß es. Nähere Angaben zu der Einigung wollte ein Sprecher des Halloren-Großaktionärs auf Nachfrage aber nicht machen. Bei Katjes war am Donnerstag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Für das Herauskaufen des ungeliebten Aktionärs Katjes dürften Ehlert und Illmann aber tief in die Tasche gegriffen haben. Allein der Börsenwert des von Katjes gehaltenen Pakets hatte zuletzt bei 2,7 Millionen Euro gelegen. Bezahlt hatte die Firma für die Papiere aber deutlich mehr: Vier bis fünf Millionen Euro hatte sich der Süßwarenriese den Einstieg in Halle kosten lassen. Beobachter gehen davon aus, dass der Erlös nun noch darüber gelegen haben dürfte.

Investor kann jetzt durchregieren

Übernommen wird das Aktienpaket von der Holding Charlie Investors, die Ehlert und Illmann gemeinsam kontrollieren. Die hielt bisher schon 45 Prozent an Halloren und stockt jetzt auf 56 Prozent auf. Weitere 29 Prozent hält Illmann selbst. Zusammen kommen die beiden damit nun auf 85 Prozent – und können damit in Halle durchregieren. Bisher konnte Katjes zusammen mit den verblieben Kleinaktionären wichtige Beschlüsse, für die eine 75-Prozent-Mehrheit nötig ist, blockieren.

Weiter aufstocken wollen Ehlert und Illmann nicht. „Das ist nicht geplant“, sagte ein Sprecher. Die Kleinaktionäre, die noch 15 Prozent an Halloren halten, wolle man weiter an Bord behalten.

Von Frank Johannsen

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