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Mitteldeutschland Kabinett: 220 Millionen-Sofortprogramm für starkes Sachsen
Region Mitteldeutschland Kabinett: 220 Millionen-Sofortprogramm für starkes Sachsen
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13:50 26.01.2020
Die schwarz-grün-rote Koalition hat ein Sofortprogramm „Start 2020“ mit einem Volumen von 220 Millionen Euro für den Freistaat beschlossen. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil
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Oberwiesenthal

Mehr Studienplätze für Mediziner und Lehrer, Investitionen in Klimaschutz und Forschung - Sachsens neue Regierung aus CDU, Grünen und SPD hat erste konkrete Maßnahmen verabredet. Bei einer Klausur auf dem Fichtelberg in Oberwiesenthal (Erzgebirgskreis) beschloss das Kabinett am Wochenende das Sofortprogramm „Start 2020“. Dafür stehen 220 Millionen Euro zusätzlich zum aktuellen Doppelhaushalt zur Verfügung, die in rund 170 Projekte fließen sollen.

„Wir haben uns drei Überschriften vorgenommen: Bestehendes bewahren, Bewährtes bewahren, Neues wagen und mit Menschen verbinden“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Samstag. Dazu gehörten Investitionsentscheidungen in die Zukunft, damit Sachsen von neuen Technologien profitieren könne und neue Arbeitsplätze entstehen könnten.

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Es gehe auf der Basis eines soliden Doppelhaushalts um neue Akzente und Vorhaben zugunsten von starker Wirtschaft und Wohlstand, sagte Kretschmer. „Start 2020“ greife dabei viele Ideen der Bürger und Verantwortlichen in den Kommunen auf. „Das ist ein Gebot der Redlichkeit, in vielen Punkten sind Erwartungen geweckt worden, Menschen haben Vorarbeit geleistet, weil sie den Worten vertrauen“, sagte er. Das Programm muss noch vom Landtag verabschiedet werden.

Meisterbonus soll verdoppelt werden

Es sieht vor, den Meisterbonus bei erfolgreichem Abschluss auf 2000 Euro zu verdoppeln, 300 zusätzliche Studienplätze für die Lehrerausbildung zu schaffen, das Medizinstudium schnell auch in Chemnitz zu etablieren und die bestehende Medizinerausbildung weiter aufzustocken zugunsten der medizinischen Versorgung vor allem im ländlichen Raum. Zudem soll die betriebliche Ausbildung forciert, der Mittelstand stärker gefördert sowie in Forschung und Entwicklung investiert werden.

Ein Schwerpunkt dabei ist die Künstliche Intelligenz (KI), die Wirtschaft und Gesellschaft herausfordert. Der Freistaat will Vorreiter bei diesem Zukunftsthema werden und auch international an die Spitze kommen, wie Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Wir haben die besten Voraussetzungen dafür.“ Er verwies auf viele Wissenschaftler an Forschungsinstituten und Hochschulen sowie private Akteure und Unternehmen, die sich mit KI beschäftigen. In den nächsten Monaten solle eine Strategie entwickelt werden, um diese Potenziale zu vernetzen und Rahmenbedingungen für ihre Nutzung zu schaffen.

Internationale Wettbewerb ist hart

„Es ist wichtig, dass wir dieses Potenzial hier im Land behalten“, sagte Gemkow. Der internationale Wettbewerb sei hart, Sachsen müsse seine Interessen absichern und solle nicht ins Hintertreffen geraten. Die Basis dafür gebe es bereits. „Wir sind mittendrin und deutschlandweit mit an der Spitze bei dieser Entwicklung.“ Laut Gemkow steckt in dem Thema „eine Riesenchance“ und große Perspektive für die Innovations- und wirtschaftliche Entwicklung.

Das Strukturprogramm sieht zudem den Aufbau eines Zentrums für Arbeit, eine Digitalagentur sowie eine bessere Ausstattung des ÖPNV vor, wie Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sagte. 15 Millionen Euro mehr sollen etwa für den Straßenbau zur Verfügung gestellt werden. Weitere Maßnahmen betreffen den Strukturwandel in der Autoindustrie - etwa eine Kompetenzstelle zu den Zukunftsthemen Elektromobilität, intelligente Verkehrssysteme und Wasserstoff, einen Branchendialog zum Thema Neue Mobilität sowie Hilfen bei Innovation und Weiterbildung vor allem im Mittelstand.

Verluste durch den gesunkenen Holzpreis und gestiegene Kosten für die Waldarbeiten

Es gehe um Zukunftsprojekte, „die schnell greifen und nachhaltig wirken“, sagte Umweltminister Wolfram Günther (Grüne). Der Fokus für seine Partei liege auf Arten- und Klimaschutz sowie Nachhaltigkeit, wozu Maßnahmen zur Hochwasservorsorge, die Rückgewinnung von Auenflächen und die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten zugunsten regionaler Erzeuger gehörten. Über „Start 2020“ hinaus sollen weitere 52 Millionen Euro, auch mit Blick auf den Tourismus, in die Bewältigung der verheerenden Waldschäden durch Dürre und die beispiellose Borkenkäferplage fließen.

Allein gut die Hälfte gleiche Verluste durch den gesunkenen Holzpreis und gestiegene Kosten für die Waldarbeiten aus, sagte Günther. Es gehe um den Schutz mehrerer Milliarden Festmeter in staatlichem und privatem Eigentum. Es bestehe dringender Handlungsbedarf. „Die Schäden sind dramatisch, es droht, dass große Teile des Waldes ihre zentralen Funktionen verlieren.“

Kretschmer: Mit „Start 2020“ herrscht Klarheit über die Arbeit der Regierung

Im Bereich Verwaltung wird das Ausbildungszentrum für die allgemeine und Steuerverwaltung sowie Justiz und Justizvollzug ausgebaut, um den drohenden Personalmangel zu kompensieren. In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt sollen Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt eingerichtet werden.

Laut Kretschmer herrscht mit „Start 2020“ Klarheit über die Arbeit der Regierung, wobei Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe. Der Umsetzung stehe finanziell nichts im Weg, später könnten auch andere Prioritäten gesetzt werden. „Das alles zeigt, dass wir nicht nur wollen, sondern machen: aus dem Wollen wird nun ein Werden.“

Von RND/dpa

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