Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Dresden: Was wir über den Diebstahl im Grünen Gewölbe wissen
Region Mitteldeutschland Dresden: Was wir über den Diebstahl im Grünen Gewölbe wissen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:53 26.11.2019
Dieser sonnenförmige Haarschmuck aus wertvollen Diamanten in Form einer Sonne ist eines der im Dresdner Museum entwendeten Ausstellungsstücke. Quelle: Foto: Grünes Gewölbe/Polizeidirektion Dresden/dpa
Dresden

Nach dem spektakulären Jahrhundertdiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden fahndet die Polizei mit Hochdruck nach den flüchtigen Tätern. Doch die Chancen auf schnelle Aufklärung stehen alles andere als günstig. Hier ein Überblick zur aktuellen Lage:

Was wir schon wissen:

Die Tatzeit

Unbekannte waren am Montagmorgen gegen fünf Uhr in das streng gesicherte Museum eingedrungen und hatten Schmuckstücke aus dem 18. Jahrhundert mit kostbaren Diamanten und Brillanten gestohlen. Nach Angaben der Ermittler stiegen sie über eines der vergitterten Fenster des Pretiosensaales ins Residenzschloss mitten in der Altstadt ein, gingen gezielt ins Juwelenzimmer und zertrümmerten dort mit Äxten eine der Vitrinen.

Der Tatort

Das Historische Grüne Gewölbe– 1945 zu großen Teilen zerstört und bis 2006 aufwendig wiederhergestellt – ist die historische Museumssammlung der ehemaligen Schatzkammer der Wettiner Fürsten im Westteil des Dresdner Residenzschlosses. Sein Name rührt von den malachitgrün gestalteten Wänden und Säulen her. Glanzlicht des Museumsbestands ist das Juwelenzimmer mit vier Hightech-Vitrinen, in denen bisher Diamanten und Brillanten auf tiefdunkelblauer indischer Rohseide lagen.

Die Sicherheitsmängel

Die Kunstschätze im Residenzschloss galten bisher als sicher. Die Einbrecher haben am Montag an einem Seitenfenster das Metallgitter aufgeschnitten, die Scheibe zerstört und dabei wahrscheinlich den ersten Alarm ausgelöst. Das anwesende Sicherheitspersonal rief die Polizei, griff aber selbst nicht ein. Das sei so üblich sagte der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne. Das Gewaltpotenzial sei oft sehr hoch „und die Wachleute sind ja keine ausgebildeten Einzelkämpfer“. Der Täter habe mit „brachialer Gewalt“ auf die Vitrine eingeschlagen, betonte er kaufmännische Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Burghardt. Angesichts dieser Bilder habe sich der Wachmann dafür entschieden, nicht zum Tatort zu gehen, sondern die Polizei zu verständigen.

Wer die Brände gelegt hat

In einer nahegelegenen Tiefgarage war am Montagmorgen ein Audi A6 Avant ausgebrannt. Die Sonderermittler sind sicher, dass die Täter damit vom Tatort flüchteten und den Wagen dann in einer nahen Tiefgarage abfackelten. Ermittler fanden Spuren vom Tatort im Fahrzeugwrack. Zudem gehen die Kriminalisten davon aus, dass der Brand des Stromverteilerkastens in der Nähe der Augustusbrücke mit dem Einbruch in Verbindung steht. Der Verteilerkasten ist vorsätzlich in Brand gesetzt worden, woraufhin die Straßenbeleuchtung in der Umgebung des Tatortes ausfiel.

Was wir bisher nicht wissen:

Der Umfang des Schadens

Der Schaden geht in die Millionen, kann aber nicht genau beziffert werden. Selbst Museumsdirektor Dirk Syndram kennt das ganze Ausmaß des angerichteten Schadens noch nicht. Anhand von Polizeifotos konnte Syndram sehen, dass prominente Stücke der Brillant- und Diamantrosengarnitur sowie vom Brillantschmuck der Königinnen fehlen: ein Kleinod und ein Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens, die Große Brustschleife, eine Kette aus sächsischen Perlen, eine Epaulette (Schulterstück) und ein mit über 770 Diamanten besetzter Degen. Eine Bestandsaufnahme sei erst nach Ende der Spurensicherung möglich. Klar sei aber, dass viel mehr als die zehn Teile der Brillant- und Diamantgarnituren fehlen. Er vermute, „die Große Brillantschleife ist nicht mehr in Dresden“. Syndram geht davon aus, dass Profis am Werk waren, aber: „Es sieht eher so aus, dass sie reingegangen sind und so schnell gegriffen haben, was sie konnten. Da ging es wohl eher um das Glitzern als um den Sammler mit speziellem Interesse.“Die gestohlenen Diamancolliers gehörten zum Staatsschatz des 18 Jahrhunderts und seien „von unschätzbarem Wert“, sagte Marion Angermann, die Direktorin der Staatlichen Kunstsammlungen. Keines der Exponate sei versichert gewesen.

Die Identität der Täter

Bisher fehlt von den Tätern jede Spur. Eine zehnköpfige Sonderkommission namens „Epaulette“ fahndet mit Hochdruck nach den dreisten Einbrechern. Nach bisherigem Kenntnisstand waren es mindestens zwei Ganoven. Auf einem Überwachungsvideo sind die beiden zu sehen, die mit einer Axt auf die Vitrine mit den kostbarsten Stücken des Juwelenzimmers einschlagen. Wie viele den größten Juwelendiebstahl der zurückliegenden Jahrzehnte tatsächlich geplant und durchgezogen haben, ist Gegenstand laufender Ermittlungen.

Absatzchancen für das Diebesgut

Die geklauten Brillant- und Diamantgarnituren aus der Schatzkammer Augusts des Starken sind für die Diebe praktisch unverkäuflich. Die Historizität und der Erhalt der Schmuckstücke machten deren Wert aus, herausgebrochene Diamanten entwerteten sie. „Es wäre eine Dummheit, das zu machen“, sagte Syndram. Während viele Kunsthändler davon ausgehen, dass die Exponate zerlegt und umgeschliffen werden, hatte Kunsthändler Fabian Kahl gegenüber der Leipziger Volkszeitung eine andere Version. Angesichts der bekannten Details gehe er von einem Einbruch auf Bestellung aus, so der aus der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ bekannte Kunsthändler. Die Kunstschätze „verschwinden in den Schatullen irgendwelcher Sammler, die zu viel Geld haben“, so der 28-Jährige.

Nächste Besichtigungsmöglichkeiten

Das Historische Grüne Gewölbe bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. Neben der Spurensuche am Tatort muss geklärt werden, wie ein solcher Coup gelingen konnte – trotz der strengen Sicherheitsvorkehrungen. Die anderen Teile des Residenzschlosses – darunter auch das Neue grüne Gewölbe – sollen ab Mittwoch wieder öffnen.

Von Winfried Mahr

Der Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden sorgt nicht nur für Entsetzen. Neben Kritik am vermeintlichen Versagen des Sicherheitsdienstes meinen viele User auch, die Täter zu kennen. Unbekannt sind die Hinweise in der Tat nicht.

26.11.2019

Die Leipziger Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat sich in einer neuen Studie mit Depressionen bei älteren Menschen beschäftigt. Die Ergebnisse sind zum Teil verstörend. Ein Experte erklärt im LVZ-Interview, warum die Krankheit gerade bei Älteren schwieriger zu erkennen und auch lebensbedrohlicher ist.

26.11.2019

Die Juwelendiebe von Dresden haben beim spektakulären Einbruch ins Grüne Gewölbe drei Schmuckgarnituren mit fast 100 Teilen gestohlen. Der Chef des Museums spricht vom „Staatsschatz des 18. Jahrhunderts“. Der Wert der Stücke ist laut Experten unschätzbar.

25.11.2019