Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Jahrhundertwinter? „Totaler Quatsch!“ Meldung aus Österreich bringt Meteorologen in Rage
Region Mitteldeutschland Jahrhundertwinter? „Totaler Quatsch!“ Meldung aus Österreich bringt Meteorologen in Rage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:48 20.09.2017
Endlich wieder langanhaltende Rodelspaß bei uns? Die Kinder im nordsächsischen Bad Düben würden sich freuen. Quelle: Steffen Brost
Leipzig

Reichlich Schnee und Frost von Anfang Dezember bis Ende März – jeder Wintersportler wird bei diesen Aussichten Luftsprünge und seine Ski startklar machen. Tatsächlich melden österreichische Medien seit Tagen, uns würde ein eiskalter Jahrhundertwinter ins Haus stehen. So rät die Kronen-Zeitung, es sei ratsam, sich rechtzeitig mit warmer Kleidung einzudecken. „Ein erster Wintereinbruch soll bereits Mitte Oktober kommen.”

Kleine Eiszeit? Britische Klimaexperten als Quelle

Auch die österreichische Wetterseite wetter.at warnt vor einem Jahrhundertwinter. Ein neuer Klimazyklus, welcher in die Erde eingetreten sei, soll dafür verantwortlich sein. Als Quelle für die angeblich bevorstehende kleine Eiszeit werden allerdings nur vage „britische Klimaexperten“ genannt.

Das bringt hiesige Meteorologen derzeit richtig in Rage. Der frühere ARD-Wettermann Jörg Kachelmann ledert per Twitter los: „Völlig sinn- und basisfreier Blödsinn. Von Deppen für Deppen. Der Rest kann weinen/lachen.“ Auch Dominik Jung vom Portalwetter.net ist bestenfalls amüsiert. „Das ist sicherlich eine schöne Geschichte und dürfte die Herzen aller Winterfans höher schlagen lassen. Leider ist es aber wissenschaftlich gesehen total unseriös“, sagt Dominik Jung vom Portal wetter.net.

„Österreicher müssen ja Wintersport-Saison ankurbeln“

Meteorologe Jung, der sich seit Jahren mit Langzeit-Klimamodellen beschäftigt und als einer der wenigen seiner Zunft auch immer wieder Sommer- oder Wintertrends prognostiziert, hält den Alarmismus der Österreicher für reichlich übertrieben. „Kein Mensch und auch kein Meteorologe weiß heute, ob wir einen Jahrhundertwinter bekommen werden oder nicht. Und mit einem neuen Klimazyklus hat das schon mal gar nichts zu tun. Klima ist etwas langfristiges und nichts wo von heute auf morgen ein Schalter umgelegt wird und siehe da wie haben einen Jahrhundertwinter“ erklärt Jung. Die Geschichten in der Kronenzeitung oder bei wetter.at seien einfach frei erfunden. „Irgendwie muss man ja die Wintersportsaison antreiben“, vermutet Jung. Motto: Wir bekommen einen Top-Winter, also bucht alle bei uns.

Selbst Königskerze sagte schon Jahrhundertwinter voraus

„Wenn es nach den Schlagzeilen der vergangenen Jahre geht, dann hätten wir fast jedes Jahr einen Jahrhundertwinter bekommen“, so Jung weiter. Allein in den letzten vier Jahren wurde dreimal ein Extrem-Winter angekündigt, der so nie kam. „Wir hatten in den vergangenen Jahres fast schon alles und jeden der einen Jahrhundertwinter vorher gesagt hat. Mal waren es russische Experten, mal britische Wissenschaftler.“ Und einmal sogar eine Königskerze – ein bayrischer Hüttenwirt wollte aus dem Blütenstand der Pflanze einen Jahrhundertwinter herausgelesen haben. Alle lagen sie gründlich daneben.

Wissenschaftlich gesehen gebe es lediglich sogenannte Klimatrends. Diese schätzen ab, ob eine Jahreszeit wärmer oder kälter, nasser oder trockener als in den Vorjahren werden könnte, erklärt Jung: „Aber auch die können niemals Extremereignisse wie einen Jahrhundertwinter erkennen.“

US-Experten: Trend deutet auf milden Winter hin

Folgt man dem Klimatrend der US-Wetterbehörde NOAA für den kommenden Winter, dann steht uns sogar eher ein zu warmer Winter bevor und ein Winter der nasser als im langjährigen Durchschnitt ausfallen könnte, also alles andere als ein Jahrhundertwinter.

„Nach echten wissenschaftlichen Berechnungen sieht es aktuell eher nach einem Winter der wärmeren Art aus“ so Jung. „Aber auch in einem Winter der letztlich „zu warm“ ausfällt kann es natürlich immer wieder einzelne Phasen mit Schnee und Eis geben. Das darf man nicht vergessen.“

Aktuell: Goldener Herbst in Leipzig bis 22 Grad

Im aktuellen Wettertrend zeigt das Pendel nun doch fürs Wochenende und die kommende Woche in Richtung Goldener Herbst. „Das haben wir dem Hoch Queena zu verdanken. Es ist ein Ableger des Azorenhochs und wird uns in den nächsten Tagen weitgehend freundliches und ruhiges Herbstwetter bringt. In den klaren Nächten müssen wir dann aber häufig mit einstelligen Nachtwerten und auch mit Bodenfrost rechnen“, so Jung.

Für die Region Leipzig heißt das: Bis Monatsende stehen sehr viele schöne Tage ins Haus! Wenn sich die Sonne durch dicke Hochnebelfelder durchsetzt, dann wird es nochmal richtig warm. Und das jeden Tag ein bisschen mehr, am Wochenende kratzen wir mit 19 Grad schon mal knapp an der 20-Grad-Marke. Montag und Dienstag ist zwar mal ein Spritzer Regen drin – dafür winken nächste Woche schon fast spätsommerliche Temperaturen von bis zu 22 Grad.

Von Olaf Majer

Bei der Bundestagswahl 2017 machen wieder viele Sachsen von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch. Die Landeswahlleitung geht von einer erneuten Zunahme aus. „Die Tendenz ist steigend“, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Belastbare Zahlen gebe es aber nicht.

20.09.2017

Das Schulsozialarbeit-Projekt „Grenzenlos“ für Flüchtlingskinder am Wiprechtgymnasium Groitzsch (Leipziger Land) hat den mit 3000 Euro dotierten Sterntalerpreis erhalten. Bei der Verleihung am Mittwoch im Landtag in Dresden lobte die Jury das Engagement der Schüler als Multiplikatoren.

20.09.2017

In Sachsen sind zur Bundestagswahl am kommenden Sonntag gut 3,5 Millionen Bürger wahlberechtigt. Die exakte Zahl liegt bei 3 354 545, wie das Statistische Landesamt in Kamenz bekanntgab. Die Wähler können in 16 Wahlkreisen ihre Stimme abgeben. Insgesamt gibt es 424 Wahlkreis-Gemeinden - Dresden und Leipzig sind auf zwei Wahlkreise aufgeteilt.

20.09.2017