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Mitteldeutschland Investor aus München steigt bei Korch ein
Region Mitteldeutschland Investor aus München steigt bei Korch ein
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08:09 17.07.2018
Michael Korch (li) und der Münchner Manager Felix Alber werden Geschäftspartner. Alber zieht nach Dresden und steigt zum 1. August bei Korch als kaufmännischer Geschäftsführer ein. Er bringt Geld und Know How mit und soll langfristig alleiniger Chef werden.
Michael Korch (li) und der Münchner Manager Felix Alber werden Geschäftspartner. Alber zieht nach Dresden und steigt zum 1. August bei Korch als kaufmännischer Geschäftsführer ein. Er bringt Geld und Know How mit und soll langfristig alleiniger Chef werden. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert
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Radeberg

Die Radeberger Fleisch- und Wurstwaren Korch GmbH stellt die Weichen für die Zukunft: Wie von DNN berichtet, holt sich die bisherige Eigentümerfamilie Korch nach 28 Jahren als reines Familienunternehmen neue Geldgeber und neues Know How ins Haus.

Am Montag hat das Unternehmen zunächst die rund 400 Mitarbeiter informiert und dann auch der Öffentlichkeit den neuen Anteilseigner vorgestellt. Felix Alber heißt er, ist 43 Jahre alt, studierter Betriebswirt und kommt aus München. Mit den bisherigen Chefs Michael (52) und Andrea Korch (53) wird er zunächst als gleichberechtigter Partner und Geschäftsführer das Unternehmen leiten.

Perspektivisch werde er die Mehrheit an der Firma übernehmen, wie beide Seiten am Montag vor Journalisten verkündeten. Als Minderheitseigner sitzt die SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft mit im Boot, eine Tochter der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Über die Höhe des jeweiligen Engagements bewahrten sowohl Felix Alber wie auch SIB-Chef Christian Müller Stillschweigen.

„Unser Ziel ist Wachstum und Weiterentwicklung am Standort durch Investitionen“, sagte Geschäftsführer Michael Korch. Zwei Optionen gebe es derzeit: den Bau eines neuen Werkes, um sich weiter auf die Rohschinkenproduktion zu spezialisieren, oder die Erweiterung der jetzigen Produktionsstätte für die Würstchenherstellung. Beide Investitionen schlagen mit jeweils bis zu rund 15 Millionen Euro zu Buche. „Das ist zu viel für uns“, so Korch. Da er auch frühzeitig die Nachfolge seines Unternehmens regeln wollte, schaute er sich nach einem Investor um.

Vor rund einem Jahr lernte er über Geschäftsfreunde in München Felix Alber kennen. Anders als die bisherigen Inhaber ist der gebürtige Südtiroler kein Fleischer. Erfahrung in der Lebensmittelbranche bringt er trotzdem mit: Bis Ende 2015 war er zweieinhalb Jahre lang Controller und Verpackungs-Einkäufer beim Schokoladenhersteller Rübezahl aus Baden-Württemberg, zu dem auch die Schokoladenfabrik Wergona in Wernigerode gehört. Rübezahl stellt vor allem Schoko-Osterhasen und -Weihnachtsmänner für Discounter her, ist hier sogar weltgrößter Hersteller.

Am 1. August nun wird Alber bei Korch kaufmännischer Geschäftsführer. „Es geht um Evolution und nicht um Revolution“, sagte er über seinen Einstieg. „Es handelt sich um eine langfristige Investition. Wir wollen viele Jahre gemeinsam wachsen“, so Alber. Dafür zieht er von München nach Dresden um.

Mit ihm, seinem Geld und den Mitteln der SIB soll nun unter anderem mittelfristig direkt neben der bisherigen Produktionsstätte eine neue Werkhalle gebaut werden. Ob sie dem Ausbau der Rohschinken- oder Würstchenproduktion dient, ist noch offen. Wo die größeren Wachstumschancen bestehen, müsse noch genau geprüft werden. Eine der beiden Produktionserweiterungen kommt Korch zufolge auf jeden Fall.

Er ließ durchblicken, dass er mit einem eigenen Rohschinkenwerk liebäugelt. Die Schinkenproduktion mache schon jetzt über 50 Prozent des Jahresumsatzes aus und sei ausbaufähig. Die Verlagerung in ein eigenes Werk brächte auch neue Spielräume für die Produktion in den jetzigen Räumlichkeiten, überlegte Korch laut.

Alber zufolge steht die Erweiterung des Werks in den nächsten drei bis fünf Jahren an. Zu den aktuell rund 400 Mitarbeitern – eine Hälfte in den 23 Filialen, die andere in der Produktion – kämen dann 50 Beschäftigte hinzu. Den Jahresumsatz will er von jetzt 50 Millionen in den nächsten Jahren auf 60 bis 70 Millionen Euro steigern. Das Filialnetz bleibe erhalten.

Von Silvio Kuhnert und Frank Johannsen