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Mitteldeutschland Insektensterben und Trockenheit: Sachsens Brutvögel in Not
Region Mitteldeutschland Insektensterben und Trockenheit: Sachsens Brutvögel in Not
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16:58 28.01.2019
Eine Frau füttert Vögel am Tiefen See (Brandenburg). Brutvögel haben inzwischen zunehmend mit Insektenknappheit und den Folgen der Trockenheit zu kämpfen. (Archivfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Knapp 200 Vogelarten sind in Sachsen heimisch, etwa die Hälfte davon wird allerdings auf der Roten Liste für bedrohte Tierarten geführt. Einige, wie die Trauerseeschwalbe oder die Uferseeschnepfe, wurden im Freistaat seit Jahren nicht mehr gesehen und sind hierzulande praktisch ausgestorben. Zu den raren Gefiederten gehören auch berühmte Arten wie Kuckuck, Dohle, Wanderfalke, Steinkauz oder Rebhuhn. Gut möglich, dass jene zuletzt noch seltener geworden sind, denn das anhaltende Insektensterben sowie die extreme Trockenheit in Sommer und Herbst haben vielen Vogelpopulationen zu schaffen gemacht.

So litten etwa Greifvögel an der geringeren Zahl an Mäusen – Hauptnahrungsquelle für Milan, Bussard und Co. „Dadurch kam es zu Brutverlusten und Abwanderungen“, erklärt Bianca Schulz, Sprecherin des Sächsischen Umweltministeriums. Andere Arten, wie die ohnehin bedrohten Mehlschwalben, hätten zunehmend unter dem „Rückgang der Insektenbiomasse“ zu leiden. Schulz vermutet, dass auch dort die Bestände noch mehr abgenommen haben.

Grüne wollen Artenkartierung

Wolfram Günther, Fraktionschef der Grünen im Sächsischen Landtag, teilt solche Befürchtungen. Um die richtigen Konsequenzen ziehen zu können, fordert er Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) nun auf, konkrete Zahlen über den Artenbestand erheben zu lassen. „Nur mit aktuellem Wissen über die Verbreitung der einzelnen Vogelarten können Schutzmaßnahmen wirklich greifen und wir wissen, in welchen Regionen wir besonders aufpassen müssen“, sagt Günther.

Der Grünen-Politiker drängt auf eine landesweite, systematische Vogelkartierung durch die Behörden, unterstützt von Umweltverbänden und Ehrenamtlichen. Günther hat bereits im November einen entsprechenden Antrag ins Landesparlament eingebracht, in dieser Woche soll er nun diskutiert werden.

Zählung vor zehn Jahren

Zuletzt wurde solch ein Kartierungsaufwand, bei dem der gesamte Freistaat in Raster eingeteilt und akribisch Bestandsdaten für alle Vogelarten aufgenommen werden, von 2004 bis 2007 betrieben. Neuere Schätzungen gibt es zwar auch, aber diese beruhen meist auf der punktuellen Arbeit von Ehrenamtlichen – wie zum Beispiel bei der „Stunde der Wintervögel“, einer jährlichen Mitmachzählung des Naturschutzbundes (NABU). „Fachleute gehen davon aus, dass etwa alle zehn Jahre landesweite, flächendeckende Erfassungen erfolgen sollen, um Verbreitung und Bestand der europäischen Vogelarten zu aktualisieren“, sagt Günther. Nur so könnten die Maßnahmen zum Artenschutz präzisiert und darüber hinaus auch die Berichtspflicht gegenüber der EU erfüllt werden.

Im Ministerium hält man das für übertrieben und winkt bereits ab. „Eine solche Brutvogelkartierung im bisherigen Sinne ist nicht geplant“, sagte Sprecherin Schulz. Vielmehr seien inzwischen eher selektive Zählverfahren üblich – und das nicht nur in Sachsen. Als Beispiel nannte Schulz die Erfassung von häufigen Vogelarten wie Meisen und Staren entlang fester Routen. Auch eine Komplettregistrierung gehört zum Repertoire, allerdings nur in ausgewählten Vogelschutzgebieten und nicht im gesamten Freistaat. Die Daten würden dann zumindest für alle ersichtlich im Netz auf der Webseite „Artdaten-online“ aufbereitet und seien auch ausreichend, um Sachsens Pflichten gegenüber der EU zu erfüllen.

Schutz für Wiesenbrüter und Flussseeschwalben

In Folge der selektiven Zählungen seien in den vergangenen Jahren bereits einige Schutzmaßnahmen angelaufen. „Im Jahr 2016 wurde zum Beispiel ein Kompetenznetz für Wiesenbrüter wie Bekassine, Braunkehlchen und Wachtelkönig eingerichtet“, sagte Schulz. Die Bestände waren in den vergangenen Jahren teilweise dramatisch zurückgegangen. Im Erzgebirge konnten inzwischen spezielle Sitzwarten und feuchte Bodensenken für die Tiere entstehen. „Für Flussseeschwalben wurden Brutinseln oder für Wiedehopfe spezielle Brutröhren bereit gestellt“, so die Ministeriumssprecherin. Zudem sei für das bedrohte Birkhuhn ein Artenhilfsprogramm bereits in Planung.

Studie: Hälfte der Feldvögel verschwunden

Laut eines europaweiten Monitorings mit Unterstützung der EU-Kommission sind seit 1980 etwa 15 Prozent der heimischen Vogelarten vom Kontinent verschwunden. Bei den Feldvögeln, zu denen auch Braunkehlchen, Kiebitze, Feldlerchen und Rebhühner gehören, werden inzwischen sogar mehr als die Hälfte der noch vor 30 Jahre existierenden Arten vermisst. Um auf den Missstand hinzuweisen, haben NABU und Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) jüngst die Feldlerche zum „Vogel des Jahres 2019“ auserkoren.

Als einen Grund neben Insektensterben, Vogelschlag an Glasscheiben und sich ausbreitenden Vogelkrankheiten sehen Experten die über die Jahre intensivere Nutzung der Ackerbau-Flächen mit Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln.

Von Matthias Puppe / Winfried Mahr

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