Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Insektenzählung in Sachsen: Steinhummel hat den Rüssel vorn
Region Mitteldeutschland Insektenzählung in Sachsen: Steinhummel hat den Rüssel vorn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:03 24.06.2019
Eher ungern gesehen: der Borkenkäfer. Quelle: Foto: Daniel Karmann/dpa
Anzeige
Leipzig

Steinhummel und Diestelfalter heißen bislang die Gewinner bei der diesjährigen Insektenzählung des Naturschutzbundes (Nabu). Allerdings ist erst Halbzeit. In Sachsen gab es bisher insgesamt 265 Meldungen über insgesamt 2422 beobachtete Insekten.

Dem Favoriten Steinhummel folgt beharrlich die Hainschwebfliege, die ihrerseits von der fleißigen Honigbiene auf dem dritten Platz attackiert wird. Mit dem undankbaren vierten Platz musste sich bisher der enttäuschte Asiatische Marienkäfer begnügen.

Anzeige

Enttäuschte Gesichter allerdings beim heimischen Siebenpunkt-Marienkäfer. Der schaffte es im Bundesranking wieder nicht in die Top 20. Auch die Schmetterlinge blieben unter den Erwartungen. Laut vorläufigem Auszählungsstand gingen die Schmetterlingssichtungen zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent zurück. Das zeige sich am Beispiel des weit verbreiteten Kleinen Fuchses. Obwohl es ein sehr angepasster Schmetterling ist und seine Raupe auf der Brennnessel lebt, die fast überall wächst, liegt er aktuell abgeschlagen auf Platz 43 im Ranking.

Ausnahme allerdings der Distelfalter, den Insektensommer-Teilnehmer dieses Jahr dreimal so oft gesehen haben wie 2018. Der farbenprächtige Falter ist einer der wenigen fast über den ganzen Erdball verbreiteten Schmetterlinge. Jedes Frühjahr wandern die Distelfalter aus dem Süden ein – mal sind es mehr, mal weniger.

Doch gilt das olympische Motto: Dabeisein ist alles. Und je mehr Insektenbeobachter, desto besser. „Obwohl da noch Luft nach oben ist, freuen wir uns über jeden einzelnen Teilnehmer. Wir sind schon jetzt gespannt, wie viele im August beim Insektensommer mitmachen“, sagt Bernd Heinitz. „Vor allem merken wir deutlich, dass das Thema Insekten die Menschen heute mehr beschäftigt als früher – und das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz.“

Auch im zweiten Jahr des Insektensommers erkunden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am liebsten ihre unmittelbare Umgebung. Der am weitaus häufigste Zählort ist das nähere Wohnumfeld, wie der eigene Garten oder Balkon, gefolgt vom Park, teilte der Nabu mit.

Dabei scheint es auch eine gewisse Chancenungleichheit zu geben. „Große auffällige Insekten wie die Steinhummel oder Populationen wie Ameisen sind einfacher erkennbar, daher finden sie sich unter den häufig gemeldeten Arten“, erklärt Nabu-Insektenexpertin Daniela Franzisi.

In Deutschland gibt es etwa 33 000 Insektenarten. Fast 90 Prozent aller Wild- und Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren einen drastischen Rückgang vor allem an Fluginsekten festgestellt.

Weitere Informationen: www.nabu.de

Von Roland Herold