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Mitteldeutschland Erst impfen, dann shoppen: In Chemnitz gibt es bereits Impfanreize
Region Mitteldeutschland

In Chemnitz gibt es bereits Impfanreize: Gutschein für Einkaufszentrum

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17:26 08.07.2021
Ein Impfling lässt sich von einem Arzt in einem Zelt vom Malteser-Hilfsdienst gegen das Coronavirus impfen.
Ein Impfling lässt sich von einem Arzt in einem Zelt vom Malteser-Hilfsdienst gegen das Coronavirus impfen. Quelle: Friso Gentsch/dpa
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Chemnitz/Berlin

Obwohl es in vielen Ländern längst genügend Corona-Vakzine gibt, gerät die Impfkampagne vielerorts ins Stottern. Es mangelt an Impfwilligen. Mit verschiedenen Impulsen versuchen Regierungen weltweit, mehr Bürgerinnen und Bürger für eine schützende Spritze gegen Covid-19 zu begeistern, zum Beispiel mit Lotterien, Flugtickets oder – im Falle der USA – mit Waffen als Belohnung. In Deutschland dagegen ist die Debatte über Impfanreize und -geschenke noch in vollem Gange.Ein Bundesland hat allerdings schon den Anfang gemacht: In Sachsen gibt es bereits Belohnungen, um die lahmenden Impfungen auf Touren zu bringen. Mit 49,1 Prozent erstmalig Geimpften ist Sachsen zurzeit bundesweites Schlusslicht. Das soll sich ändern: Einen Zehn-Euro-Einkaufsgutschein erhalten die ersten 100 Personen, die sich am Donnerstag und Freitag im Impfmobil des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) vor einem Chemnitzer Einkaufszentrum die Spritze setzen lassen. Sponsor ist das Chemnitz-Center, nicht das DRK. „Dafür hätten wir auch nicht die Mittel“, sagt DRK-Sachsen-Sprecher Kai Kranich. „Impfen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, wir suchen weitere Kooperationspartner.“ So wie den Fußball-Zweitligisten Erzgebirge Aue. Am Wochenende konnten dort 400 Fans am Stadion geimpft werden, zum zweiten Impftermin soll es noch eine Dankesgeste der Mannschaft geben.

Anreize zum Impfen: Städtebund hält Idee für „nicht zielführend“

FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus ist sicher: „Um der Ausbreitung der Delta-Variante entgegenzuwirken, gilt es, den Impffortschritt so schnell wie möglich voranzubringen.“ Sie sprach sich gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) für entsprechende Anreize aus, etwa in Freizeitparks oder Naturkundemuseen. Die Idee: Wer sich dort impfen lässt, nutzt die Attraktionen den Rest des Tages gratis.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sagte, es sei wichtig, mit den Bürgerinnen und Bürgern zu reden und ihnen ihre Ängste zu nehmen. Von Impfgeschenken distanzierte er sich jedoch: „Mit materiellen Hilfen sollte man nicht anfangen. Das wäre ungerecht gegenüber den anderen, die sich ohne solche Hilfen haben impfen lassen“, sagte Sofuoglu dem RND.

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, bezeichnete materielle Vorteile im Zusammenhang mit der Corona-Impfung darüber hinaus als „nicht zielführend“. „Allerdings können symbolische Aktionen wie die Verlosung eines Fahrrads unter geimpften Personen die Aufmerksamkeit für dieses Thema erhöhen und einen zusätzlichen Anreiz schaffen.“ Wesentlich wichtiger sei jedoch, mit guter und sachlicher Information zur Impfung und den damit verbundenen Vorteilen für Freiheit und Gesundheit zu überzeugen, sagte er dem RND.

SPD: Aufklärung statt Impfanreize

Aus der Großen Koalition kommen zum Thema Impfanreize kritische Stimmen: „Ich persönlich würde mich gegen die Einführung von Impulsen wie finanziellen Anreizen oder Impfgeschenken aussprechen“, sagt Michael Hennrich, Gesundheitspolitiker der Union, auf RND-Anfrage. Die Entscheidung, sich impfen zu lassen, liege bei den Bürgerinnen und Bürgern. Eine „wie auch immer ausgestaltete Covid-19-Impfpflicht“ werde es mit der CDU und CSU nicht geben, betonte Hennrich und verwies auf Informations- und Impfangebote, die „vielfach vorhanden“ seien.

Der Koalitionspartner sieht das ähnlich: Statt Impfanreize zu setzen, hält es die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Sabine Dittmar, für „stimmiger und auch erfolgsversprechender“, noch stärker über die Impfung aufzuklären. Die Impfstrukturen in Deutschland seien teilweise zu starr: „Wir müssen die Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation besser abholen“, forderte Dittmar und schloss sich dem Vorschlag mobiler Impfteams in Fußgängerzonen oder bei Veranstaltungen an.

Von RND/Jan Sternberg