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Mitteldeutschland Impfungen, Schnelltests, Technik: Sachsens Lehrerverband übt scharfe Kritik an Landespolitik
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Impfungen, Schnelltests, Technik: Sachsens Lehrerverband übt scharfe Kritik an Landespolitik

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17:03 21.03.2021
Der Sächsische Lehrerverband stellt in einem offenen Brief klare Forderungen an die Landespolitik, um den Unterricht in Schulen für alle sicherer zu machen. (Symbolbild)
Der Sächsische Lehrerverband stellt in einem offenen Brief klare Forderungen an die Landespolitik, um den Unterricht in Schulen für alle sicherer zu machen. (Symbolbild) Quelle: Ronny Hartmann/dpa
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Dresden/Leipzig

Der Unmut scheint groß zu sein: Der Sächsische Lehrerverband (SLV) übt in einem offenen Brief scharfe Kritik an Kultus- und Sozialministerium sowie dem Landesamt für Schule und Bildung. Kern der Vorwürfe ist die Forderung nach mehr Sicherheit an den Schulen in der Corona-Pandemie. Gefordert werden an erster Stelle „kurzfristige Impfangebote für alle Beschäftigten aller Schularten“, gefolgt von einer „ausnahmslosen Umsetzung der Testpflicht“ auch in den Klassen 1 bis 4.

Letzteres ist verknüpft mit dem Aufruf, keine Selbsttests von Schülerinnen und Schülern zu Hause zuzulassen, da dies die Maßnahme aufweichen würde. Testverweigerer, so heißt es weiter, sollten sich selbst um den versäumten Lernstoff kümmern, „wie das auch erkrankte Schüler tun“. Derer gibt es einige: In den vergangenen Wochen wurden mehr als 163.000 Schülerinnen und Schüler getestet, rund 3400 weigerten sich. Für die wie für die rund 25 Verweigerer in der Lehrerschaft hat Jens Weichelt, Landesvorsitzender der SLV, „kein Verständnis. Auch die Lehrerinnen und Lehrer müssen ihren Teil beitragen.“

Keine „unhaltbaren Ankündigungen“ mehr

Die öffentliche Kommunikation der beiden Ministerien kritisiert der Lehrerverband ebenfalls scharf. So solle das Kultusministerium (SMK) „unhaltbare Ankündigungen in den Medien“ unterlassen und im gleichen Atemzug den Schulen mehr Vorlauf zur Umsetzung von Maßnahmen geben. Beispielhaft dafür: Der Präsenzunterricht mit Testpflicht sollte in Sachsen am vergangenen Montag starten, erst am Mittwoch jedoch standen die Tests zur Verfügung.

Ein weiteres Problem aus Sicht des SLV: Ein vom Kultusministerium erstellter „Erwartungshorizont für die Gestaltung der häuslichen Lernzeit“ schüre den Eindruck, „Lehrkräfte hätten ein Jahr lang das häusliche Lernen unzureichend betreut und nun eine Anleitung nötig“. Der Lehrerverband fordert deshalb, dass sich das SMK „in der Öffentlichkeit vor die Lehrkräfte“ stelle. Damit verbunden ist die Forderung nach einer besseren technischen Ausstattung: Dienstcomputer müssten schneller beschafft, digitale Lernplattformen störungsfrei, sicher und verlässlich gemacht werden.

Viele Anfeindungen wegen Schnelltestpflicht

In dem offenen Brief taucht des Weiteren die Forderung auf, Lehrkräfte vor Anfeindungen zu schützen. Diese habe zunächst in Bezug auf die Gestaltung des Fernunterrichts gegeben, sagt Jens Weichelt. In der vergangenen Woche habe es dann weitere Auseinandersetzungen mit Eltern und Schülern gegeben, die sich den Schnelltests verweigerten. „Da gab es einige haarsträubende Anfeindungen. Wir erwarten, dass klare Kante gezeigt und die Testpflicht nicht aufgeweicht wird“, so Weichelt.

Jene Testpflicht ist in mehreren Landkreisen mittlerweile jedoch wieder – zumindest vorläufig – obsolet: Aufgrund der steigenden Sieben-Tage-Inzidenz müssen Schulen wieder vermehrt zum Distanzunterricht zurückkehren, etwa in Nordsachsen. „Wir wollen natürlich, dass der Unterricht an den Schulen so lange wie möglich stattfinden kann“, sagt Jens Weichelt dazu. Dafür brauche es jedoch klare, nachvollziehbare Regeln und deren Durchsetzung, unter anderem auch der Blick auf die Inzidenz, sowie effektive Maßnahmen, konkret Impfungen und Tests. Dann sei vernünftiger Präsenzunterricht auch unter Pandemiebedingungen möglich. Und doch wird Weichelt nicht müde zu betonen: „Der Gesundheitsschutz muss gewährleistet sein.“

Von CN