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Mitteldeutschland Immer mehr arbeiten zusätzlich: 87.600 Sachsen haben einen zweiten Job
Region Mitteldeutschland Immer mehr arbeiten zusätzlich: 87.600 Sachsen haben einen zweiten Job
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22:17 22.02.2019
Nebenjobs wie etwa Umzugshilfe sind beliebt, weil geringfügige Beschäftigungen frei von Sozialversicherungsbeiträgen und Einkommenssteuer sind. Quelle: dpa
Leipzig

Nach Feierabend noch kellnern, Waren ausfahren oder im Büro aushelfen: Für immer mehr Menschen in Mitteldeutschland gehört die zweite Schicht zum Alltag. Die Gründe sind verschieden: Geld, Abwechslung und die starke Begünstigung von Minijobs.

Die Zahl der Mehrfachbeschäftigten ist in Sachsen innerhalb eines Jahres von 84347 auf aktuell 87602 gestiegen. Im Jahr 2004 waren es noch 55217. Auch in Thüringen gehen immer mehr Beschäftigte mehreren Jobs nach: Aktuell sind es 46000. Vor fünf Jahren waren es noch 29741.

Dies geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann hervor. Bundesweit ist demnach die Zahl der Beschäftigten mit mehreren Jobs von 3,26 Millionen im Jahr 2017 auf mehr als 3,41 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen. 2004 habe es noch 1,86 Millionen Mehrfachbeschäftigte gegeben.

Die Zahlen sind für die Zwickauerin Zimmermann ein Beleg dafür, dass das Einkommen aus einem Job für immer mehr Beschäftigte nicht ausreicht. „Der überwiegende Teil dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig.“ Zimmermann fordert deshalb die Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro die Stunde.

Bei der Landesarbeitsagentur sieht man die Entwicklung im Zusammenhang mit dem starken Anstieg der Teilzeitquote. So liegt der Teilzeitanteil bei den 1,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen bei 30,3 Prozent. Heute arbeitet also schon jeder dritte Sachse in Teilzeit, vor fünf Jahren war es noch jeder fünfte. In Thüringen liegt der Anteil bei über 27 Prozent.

Für viele Teilzeitbeschäftigte sei es lukrativ und zeitlich machbar, neben ihrem Haupterwerb noch einen Nebenjob auszuüben, heißt es. Einige Beschäftigte würden sich sicher eine Ausdehnung der Arbeitszeit wünschen, also lieber in Vollzeit arbeiten, sagt Frank Vollgold von der Landesarbeitsagentur.

Zugleich sei aber zu bedenken, dass eine Ausdehnung zu höheren Abgabelasten führen könnte und es damit zu einem geringeren Nettoeinkommen als durch die Mehrfachbeschäftigung kommen kann.

Denn 2003 seien die Verdienstgrenzen angepasst worden. Seit dem sind Nebenjobber im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung frei von Sozialversicherungsbeiträgen und Einkommenssteuer. Netto kommt dadurch mehr beim Beschäftigten an.

Mit dieser Regelung reagiere der Staat auf die sich ändernde Beschäftigungsstruktur. Die Firmen im wachsenden Dienstleistungssektor würden stark auf Nebenjobber setzen. Die meisten Zweitjobber arbeiten laut Arbeitsagentur in Büroberufen, in der Gastronomie, in der Reinigung, in Verkehrsberufen, als Verkäufer, im Lager oder in Berufen der Gebäudereinigung.

Die sächsische Linke Zimmermann fordert einen grundsätzlichen Wandel. „Minijobs müssen in sozialversicherungspflichtige existenzsichernde Beschäftigungen überführt werden.“ Auch weil für solche Jobs zumeist nicht in die Rentenkasse eingezahlt werde, sie trügen also nicht zur Alterssicherung bei.

Von Andreas Dunte

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