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Mitteldeutschland Immer mehr Sachsen bewaffnen sich - Linke will mehr Kontrollen
Region Mitteldeutschland Immer mehr Sachsen bewaffnen sich - Linke will mehr Kontrollen
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06:58 18.02.2020
Ein Sportschütze mit Pistole und Revolver vor einem Waffenschrank mit drei Gewehren in einem privaten Haushalt. (Symbolbild) Quelle: dpa-Zentralbild
Dresden

Immer mehr Sachsen erwerben Waffen. So gab es Ende 2019 im Freistaat mehr als 177.000 registrierte Waffen und Waffenteile, etwa 7000 mehr als Ende 2018, erklärte Linke- Politikerin Kerstin Köditz in Auswertung mehrerer Landtagsanfragen zu diesem Thema. Fast 90 Prozent davon befinden sich in Privatbesitz und verteilen sich auf etwa 30.300 Besitzer, etwa 600 mehr als Ende 2018. Auch die Zahl waffenrechtlicher Erlaubnisse stieg im gleichen Zeitraum - von rund 47.700 auf 49.500.

99 Waffenbesitzer gehören zur rechten Szene

Anhaltend „beliebt“ seien die Kleinen Waffenscheine, die zum Führen von Schreckschusswaffen berechtigen, berichtete Köditz weiter. Deren Zahl stieg von 18.750 auf 20.169. Während generell die meisten Waffenbesitzer im Erzgebirgskreis leben, wurden besonders viele Kleine Waffenscheine in Leipzig (3101) und Dresden (2269) ausgegeben.

Auch Anhänger der rechten Szene würden wieder verstärkt an Waffen gelangen, sagte die Linke-Politikerin. Zuletzt habe man 99 Personen, die eine Waffenbesitzkarte haben, von Amts wegen der rechten Szene zugerechnet, 20 mehr als 2018. Die meisten leben im Erzgebirgskreis (19) sowie den Landkreisen Bautzen (11) und Görlitz (10).

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Wird zu wenig kontrolliert?

Hinzu kämen 18 legal bewaffnete „Reichsbürger“: „Das sind weniger als im Vorjahr (36), was aber auch an veränderten Zählweisen liegen kann. Von einer Entwaffnung der extremen Rechten kann unterm Strich jedenfalls keine Rede sein, die Zahlen sprechen eher für einen Trend hin zur Wiederbewaffnung“, so Köditz. 2019 habe man zwar 41 Waffenbesitzer, bei denen Hinweise auf eine Zugehörigkeit zur rechten Szene vorliegen, überprüft. Aber nur bei zwei Rechtsextremisten und fünf „Reichsbürgern“ seien erteilte Erlaubnisse widerrufen worden.

Köditz warf den Behörden vor, die Kontrollmöglichkeiten nicht auszuschöpfen. 2019 habe es zwar mehr als 800 Kontrollen gegeben: „Aber die Kontrolldichte ist gering, geprüft wurden weniger als drei Prozent der Waffenbesitzer – und nicht alle wurden angetroffen. In Chemnitz und Dresden sowie den Kreisen Görlitz, Mittelsachsen und Nordsachsen war die Zahl der Kontrollen nur einstellig.“

Linke fordert Regierung zum Handeln auf

„Anlässe, genauer hinzusehen, gibt es aber genug: Derzeit gelten in Sachsen mehr als 170 registrierte Schusswaffen und Waffenteile, die sich im Privatbesitz befunden haben, als gestohlen oder wurden anderweitig verloren“, betonte Köditz. Ende 2019 sei in 614 offenen Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie das Kriegswaffenkontrollgesetz ermittelt worden. In drei dieser Verfahren werde von rechtsmotivierten Taten ausgegangen, zwei der Tatverdächtigen würden zudem als „Reichsbürger“ gelten.

„Die aktuellen Daten zeigen sehr deutlich, dass die Kontrolltätigkeit in keinem vernünftigen Verhältnis zur steigenden Zahl der Waffen steht – und dass es trotz häufiger Ankündigungen aus dem Innenministerium nicht gelingt, die extreme Rechte zu entwaffnen“, sagte Köditz abschließend. Die Staatsregierung müsse endlich handeln.

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Von RND/dpa

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