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Mitteldeutschland Hygiene im Restaurant: Neues Infoportal will Kunden bessere Einblicke geben
Region Mitteldeutschland Hygiene im Restaurant: Neues Infoportal will Kunden bessere Einblicke geben
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15:26 31.01.2019
Einblicke in die Küche hat man als Restaurantbesucher selten. Vertrauen ist gut, die Kontrolle des Gesundheitsamtes manchmal aber besser. Foodwatch will die Ergenisse der Tests transparenter machen. (Archivfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Wie sauber ist eigentlich die Küche im Lieblingsrestaurant oder der Lagerraum im Supermarkt an der Ecke? Antworten auf solche Fragen waren bisher nur schwer zu bekommen, Kontrollen der Gesundheitsämter sind zwar obligatorisch – Ergebnisse werden aber nur selten öffentlich. Das neue Webportal „Topf Secret“ will die Orientierung zwischen vorbildlicher Gastronomie und nachlässiger Sauberkeit nun auf einfachem Weg verbessern. Auf der Seite kann für jeden beliebigen Lebensmittelbetrieb der aktuellste Hygienebericht beim zuständigen Gesundheitsamt abgefordert werden und dieser bleibt anschließend für alle Nutzer dauerhaft online.

Das Konzept kommt an, der Run auf das Portal ist schon kurz nach dem Start groß. „Innerhalb von zwei Wochen wurden bundesweit bereits 15.000 Anträge auf Herausgabe der behördlichen Hygieneberichte für lokale Geschäfte gestellt“, sagt Sarah Häuser, Sprecherin bei Foodwatch. Der Verein hat das Portal erdacht und zusammen mit der Berliner Denkfabrik FragDenStaat technisch umgesetzt. Hunderte der bereits eingereichten Hygieneabfragen betreffen auch Restaurants, Cafés, Kioske und Supermärkte in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Allein für den Großraum Dresden gibt es bereits 118 konkrete Anträge auf Veröffentlichung, in Leipzig sind es 101, sagt Häuser.

Auskunftspflicht nach Verbrauchergesetz

In einigen Fällen hätten die Gesundheitsämter auch sofort reagiert und Hygienedaten geschickt, in den meisten stehe eine Veröffentlichung allerdings noch aus. „Wie schnell das geht, hängt von den Ämtern vor Ort ab. In München hat das zum Teil nur wenige Tage gedauert. Es ist aber auch möglich, dass Anfragen ein bis zwei Monate unbeantwortet bleiben", sagt die Foodwatch-Sprecherin. Irgendwann wird aber wohl jeder angefragte Lebenmittelbetrieb mit Hygienebericht online sein, ist sich Häuser sicher. Denn laut Verbraucherinformationsgesetz (VIG) haben Kunden einen Anspruch auf Herausgabe der Behörden-Informationen. Bisher, so bedauern die Initiatoren, sei diese Möglichkeit einfach kaum genutzt worden. Mit dem neuen Portal soll sich das nun ändern.

Foodwatch versteht sich als Lobbyist der Kunden gegenüber der Lebensmittelindustrie. Ähnlich wie Greenpeace ist Foodwatch vor allem für öffentlichkeitswirksame Aktionen bekannt, nicht selten werden dabei aber auch Initiativen angeschoben, die letztlich zur Verbesserung der Lebensmittelqualität führen. So konnte Foodwatch beispielsweise 2007 nachweisen, wie mehrere Nahrungsmittelkonzerne mit Tiermehl handelten und dadurch illegal auch Reste des Tiermehls in menschliche Nahrungsmittel gelangten. Inzwischen wurde die Genehmigungspraxis geändert.

Ziel: Hygienebericht direkt an der Eingangstür

Ähnliche Effekte erhofft sich Foodwatch auch vom neuen Portal. „’Topf Secret‘ ist eine Notwehrmaßnahme. In anderen Ländern ist es selbstverständlich, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen erfahren. Und zwar direkt vor Ort, an der Ladentür von jedem Lokal", sagt Foodwatch-Kampagnen-Chef Oliver Huizinga. In Deutschland werde eine solche Transparenz für Kunden aber bisher von der Gastro-Industrie verhindert.

Beispielhaft sei unter anderem die Praxis in Dänemark. Wer in unserem Nachbarland in ein Restaurant, ins Café oder zum Bäcker geht, wird dort generell auch über die geprüfte Sauberkeit im Laden informiert. Seit 2001 kommt ein Smilie-System zur Anwendung, durch das Kunden gleich auf den ersten Blick erkennen können, wie hoch das Thema Sauberkeit vor Ort angesiedelt ist – lachende Gesichter bedeuten gute Sauberkeit, traurige offenbaren grobe Mängel. Wer dauerhaft bei Hygiene-Inspektionen gut abschneidet erhält in Dänemark ein sogenanntes „Elite-Smiley“.

„Seit es diese Berichte an jeder Restaurant-Tür in Dänemark gibt, ist die Zahl der Beanstandungen stark zurückgegangen“, sagt Foodwatch-Sprecherin Sarah Häuser. Dagegen werde in Deutschland noch immer jeder vierte kontrollierte Lebensmittelbetrieb beanstandet, größtenteils wegen Hygienemängeln. Immer wieder sorgen auch Medienberichte über Hygiene-Probleme in Großstädten für Aufsehen. Zum Teil haben Ämter auch bereits reagiert und veröffentlichen regelmäßig Listen mit Namen von Einrichtungen, die beim Check durchgefallen sind – wie zuletzt in Erfurt oder Berlin. In Hannover und Braunschweig konnten Lebensmittelbetriebe zumindest freiwillig Kontrollergebnisse öffentlich machen. Flächendeckende und vor allem zwingende Transparenz gibt es beim Thema Sauberkeit im Lebensmittelbetrieb aber nicht.

Foodwatch und FragDenStaat fordern Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CSU) deshalb nun auf, gesetztliche Grundlagen für ein bundesweites Transparenzsystem nach dänischem Vorbild zu schaffen. Die Nutzung des Portals „Topf Secret“ soll dieses Anliegen unterstützen. "Wir wollen zeigen, dass das Interesse der Verbraucher an den Hygieneberichten groß ist und die Politik reagieren muss“, sagte Foodwatch-Sprecherin Häuser.

Das Portal im Netz: www.topf-secret.foodwatch.de

Von Matthias Puppe

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