Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland „Gott sei Dank keine Toten“ – die Bilanz der schweren Unwetter in Sachsen
Region Mitteldeutschland

Hochwasser Sachsen: Bad Schandau besonders von Unwetter betroffen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:14 18.07.2021
Sachsens Innenminister Roland Wöller (M.) macht sich ein Bild von den Schäden in Krippen. An seiner Seite der Bürgermeister von Bad Schandau, Thomas Kunack (l.), und der Landrat im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Michael Geisler.
Sachsens Innenminister Roland Wöller (M.) macht sich ein Bild von den Schäden in Krippen. An seiner Seite der Bürgermeister von Bad Schandau, Thomas Kunack (l.), und der Landrat im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Michael Geisler. Quelle: xcitePRESS
Anzeige
Bad Schandau/Bautzen/Görlitz

 Extreme Unwetter besonders in Ostsachsen und der Sächsischen Schweiz haben am Samstag Straßen und Keller geflutet, Hänge abrutschen und Flüsse rapide anschwellen lassen. Am Sonntag hatten die Helfer vielerorts noch alle Hände voll zu tun, etwa um Straßen von Schlamm und Geröll zu befreien und umgestürzte Bäume zu beseitigen. Etliche Straßen waren weiterhin gesperrt, ebenso die Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Dečin. Nach Behördenangaben wird es auch zu Wochenbeginn Verkehrsbehinderungen geben. Die Aufnahme der Schäden dauere an, beziffern ließen sie sich noch nicht, hieß es.

Die Unwetter weckten bei Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) Erinnerungen an frühere Hochwasser im Freistaat. „Sachsen hat seit den schmerzlichen Hochwassern von 2002, 2010 und 2013 viele Abläufe angepasst und viel Erfahrungswissen gesammelt“, erklärte er. „Das ist einer der Gründe, warum an diesem Wochenende Schlimmeres verhindert werden konnte.“

Starke Unwetter haben in Ostsachsen und der Sächsischen Schweiz zu Überschwemmungen geführt. Bad Schandau und Krippen wurden teilweise überflutet.

 

In Bad Schandau machte sich am Sonntag Innenminister Roland Wöller (CDU) ein Bild von der Lage. Die Kurstadt kurz vor der tschechischen Grenze war am Samstag teilweise überflutet worden. Auch ein Zug der historischen Kirnitzschtalbahn blieb in den Wassermassen stecken. Es habe nach bisherigen Informationen der Polizei „Gott sei Dank keine Verletzten oder Toten“ gegeben, erklärte Wöller bei seinem Besuch im Ortsteil Krippen. Nun gelte es, die Aufräumarbeiten voranzutreiben sowie Straßen und die Zugstrecke Dresden-Prag wiederherzustellen.

Leipziger Klima-Experte: „Das hat es so in Deutschland bisher noch nicht gegeben“

Am Samstag waren heftige Unwetter über Teile Sachsens hinweggezogen. Nach Angaben des Landeshochwasserzentrums hat es im Einzugsgebiet der Kirnitzsch, der Sebnitz, der Polenz und der Wesenitz örtlich innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Liter pro Quadratmeter geregnet. Auch an den Oberläufen von Schwarzer Elster und Spree seien es bis zu 80 Liter pro Quadratmeter gewesen. Deswegen stiegen die Wasserstände einzelner Flüsse rapide an. So wurde etwa an der Polenz zeitweise die Warnstufe 4 erreicht, ebenso an der Neiße in Zittau.

„Mit dem Nachlassen der Niederschläge ab den Nachtstunden beruhigte sich die Lage, und die Wasserführung in den Fließgewässern fiel deutlich“, gaben die Experten am Sonntagvormittag Entwarnung an der Oberen Elbe. Am Nachmittag wurden noch an einzelnen Pegeln am Hoyerswerdaer Schwarzwasser, der Schwarzen Elster und der Lausitzer Neiße Warnstufen zwischen 1 und 3 vermeldet.

Hunderte Einsätze für die Rettungskräfte

Die Regenmassen brachten den Feuerwehren in den Regionen Hunderte Einsätze. Zeitweise waren einzelne Ortslagen laut dem Landratsamt in Pirna nicht mehr zu erreichen, die Bundesstraße 172 zwischen Pirna und Schmilka musste gesperrt werden. Auch aus Westsachsen wurde örtlich von Problemen mit überfluteten Straßen und Kellern berichtet, etwa in Oberlungwitz, Hohenstein-Ernstthal und Wüstenbrand. Teils errichteten Anwohner Blockaden, um ihre Häuser zu schützen.

Wann die Züge zwischen Bad Schandau und Dečin wieder rollen, blieb vorerst unklar. Von Zugausfällen betroffen war neben dem Nahverkehr auch die Fernverbindung Dresden-Prag. Nach Auskunft der Deutschen Bahn vom Sonntag wurde vorerst ein Busnotverkehr zwischen Dresden und Usti nad Labem eingerichtet.

Getroffen hat das Unwetter indes auch die an die Sächsische Schweiz und Oberlausitz angrenzenden Gebiete in Tschechien. Berichten tschechischer Medien und Behörden zufolge war unter anderem das Gebiet um Mikulášovice östlich von Sebnitz betroffen. Dort brach der Damm eines Teiches.

Aktuell keine Unwetter-Warnungen mehr für Sachsen

Der Deutsche Wetterdienst hatte am Samstag vor schweren Gewittern der Stufe 3 von 4 in der Region gewarnt. Die Menschen waren aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen und sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten. Derzeit besteht in vielen Teilen Sachsens keine Unwetter-Warnung mehr.

Weit mehr als 100 Tote im Westen Deutschlands

In Atem gehalten wurde die gesamte Bundesrepublik über die letzten Tage von Bildern aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Im Zusammenhang mit den schweren Unwettern sind dort nicht nur Häuser eingestürzt und ganze Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten worden, mittlerweile gibt es sogar weit über 100 Tote und noch viele Vermisste. Unweigerlich kommen Erinnerungen an die sächsischen Überschwemmungen von 2002 und 2013 hoch.

Von RND/dpa/isa/nöß/cg