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Mitteldeutschland Historiker nennt Björn Höcke einen „rechtsradikalen Ideologen“
Region Mitteldeutschland Historiker nennt Björn Höcke einen „rechtsradikalen Ideologen“
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13:30 25.01.2019
Der Historiker Götz Aly spricht in einer Gedenkstunde im Thüringer Landtag. Quelle: dpa
Erfurt

Mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat der Historiker Götz Aly in Erfurt vor einem verzerrten Blick auf die Vergangenheit gewarnt. Es bestehe die Gefahr, dass in vielen deutschen Familien die Beteiligung der eigener Vorfahren an den nationalsozialistischen Gräueltaten beschönigt werde, sagte Aly bei einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus am Freitag im Thüringer Landtag.

Eine weitere Veranstaltung war für den Nachmittag in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar geplant. Die Stiftung der Gedenkstätte hatte zuvor betont, dass sie keine AfD-Politiker dabei haben wolle und dafür Kritik der Thüringer AfD-Fraktion geerntet.

AfD darf nicht in Gedenkstätte Buchenwald

Die Stiftung halte es für geboten, „dass Vertreter der AfD an einer Gedenkveranstaltung an diesen Orten nicht teilnehmen, solange sie sich nicht glaubhaft von den antidemokratischen, menschenrechtsfeindlichen und geschichtsrevisionistischen Positionen in ihrer Partei distanzieren“, hieß es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Stellungnahme.

Aly zählt Gauland und Höcke an

Historiker Aly kritisierte bei seiner Rede im Thüringer Landtag den Bundesvorsitzenden der rechtspopulistischen AfD, Alexander Gauland, sowie den Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke. So nannte er Höcke einen „rechtsradikalen Ideologen“. Aly zählt durch zahlreiche Werke zum Holocaust und der Geschichte des Nationalsozialismus zu den bekanntesten deutschen NS-Forschern.

Selbst Menschen, die aus sozialistischen Elternhäusern stammten, seien im Laufe des Krieges von der NS-Ideologie durchdrungen worden, sagte der Historiker im Thüringer Landtag. Auch diese Menschen seien Teil Deutschlands und der deutschen Geschichte. Das dürfe nicht vergessen werden, mahnte Aly. Es sei falsch, wenn im Gedenken an die von den Nationalsozialisten ermordeten Menschen so getan werde, als trügen dafür nur einige wenige Deutsche die Verantwortung.

Höcke und andere AfD-Landtagsabgeordnete blieben sitzen, als die anderen Gäste der Gedenkstunde die Rede des Historikers Aly stehend beklatschten.

Aufruf gegen Judenhass

Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) forderte während der Gedenkstunde, die Menschen in Deutschland müssten sich noch stärker als bislang gegen Judenhass stellen. Jeder Angriff auf einen Juden sei „ein Angriff auf uns alle“, sagte Diezel. Dass nach einer aktuellen Studie 44 Prozent der in Deutschland lebenden Juden überlegten, die Bundesrepublik zu verlassen, sei schockierend.

An diesem Sonntag ist der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Es wird der sechs Millionen ermordeter europäischer Juden gedacht, der Sinti und Roma, der Zwangsarbeiter und der vielen anderen Opfer des Nazi-Terrors.

Von LVZ