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Mitteldeutschland Helfer der Bergwacht üben im Eiskanal – schon 19 Tote in diesem Jahr
Region Mitteldeutschland Helfer der Bergwacht üben im Eiskanal – schon 19 Tote in diesem Jahr
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15:03 18.11.2019
Bergretter tragen bei einer Übung der Bergwacht eine verletzte Sportlerin aus dem Eiskanal in Altenberg. Quelle: Andreas Dunte
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Altenberg

Ein leises Wimmern ist von der Rennschlitten- und Bobbahn in Altenberg zu hören. Charis Antolovic liegt im Kreisel des Eiskanals und hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den rechten Arm. Die junge Sportlerin ist mit ihrem Schlitten verunglückt. DRK-Bergwächter eilen zur Unfallstelle und bergen die junge Frau. Hannes Biestert (20) breitet eine Wärmeschutzdecke aus, während Stephan Hartmann (24) versucht, die Verunglückte zu beruhigen. Dabei legt er ihr eine Arm-Schiene an, gefüllt mit Granulat, das sich verhärtet, wenn die Luft daraus gepumpt wird. Weitere Helfer der Bergwacht treffen im Kreisel - die zwölfte von insgesamt 17 Kurven - ein. Zu viert wird die Verunglückte auf eine Trage gehievt, zum Auto getragen und ins nächste Krankenhaus gebracht.

Opfer spielt eine DRK-Mitarbeiterin

Zum Glück nur eine Übung - das Opfer gespielt von einer DRK-Mitarbeiterin. „Bis zu 15 Unfälle pro Jahr haben wir im Enso-Eiskanal hier in Altenberg zu verzeichnen“, berichtet Hans-Peter Horna, Landesleiter Bergwacht in Sachsen. Auf der Bahn seien Profis und Anfänger unterwegs. Geschwindigkeiten von 100 und mehr Stundenkilometern sind drin. Die Kurven 13 und 14 seien die gefährlichsten. Kommt es zu Verletzungen, dann meist an Kopf, Armen und Beinen. Auch Kenner der Bahn, auf der im nächsten Jahr die Bob- und Skeleton-WM ausgetragen wird, sind vor Unfällen nicht gefeit. Erst vor Kurzem hatte sich der bekannte Altenberger Bobpilot Nico Walther beim Training auf seiner Heimbahn bei einem Sturz an der Brustwirbelsäule und der Schulter verletzt. Sein WM-Einsatz ist fraglich, so Horna, der seit Jahren das Geschehen in Altenberg verfolgt.

Zwischen 15 und 20 Prozent aller Unfälle, zu denen die DRK-Kräfte im Ost-Erzgebirge gerufen werden, ereignen sich im Eiskanal. Insgesamt seien die Bergwächter der Region bis Ende Oktober in diesem Jahr schon zu 56 Rettungs- und zwei Suchaktionen gerufen worden. Die Hälfte davon waren Unfälle von Ski- und Snowboard-Fahrern. Aber auch Unfälle mit Wanderern und vor allem Bikern nehmen zu, erzählt Horna. Und das nicht nur im Ost-Erzgebirge, sondern in ganz Sachsen.

Insgesamt rückten die sächsischen DRK-Spezialisten in diesem Jahr (bis Ende Oktober) zu 741 Einsätzen aus. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 800 und das Jahr davor 714. „Dabei hat die Wintersaison, wo die meisten Unfälle zu verzeichnen sind, noch nicht begonnen“, so Horna.

Fast doppelt so viele Opfer wie im Vorjahr

Mit insgesamt 19 Toten sei ein neuer unrühmlicher Rekord zu buchen, so Achim Schrön, Chef der Bergwacht Sächsische Schweiz. 2018 wurden zehn Todesopfer geborgen. Gerade in der bei Touristen so beliebten Sächsischen Schweiz seien die meisten tödlichen Unfälle zu beklagen. So endeten sieben Abstürze tödlich. Hinzu kommen Herzinfarkte, aber auch Suizide.

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Generell sei die Zahl der Herzkreislaufzusammenbrüche stark gestiegen, sagt Schrön. „Die Leute überschätzen sich, trauen sich auch im höheren Alter steile Anstiege zu, nehmen oft zu wenig zu trinken mit oder verlassen die kennzeichneten Wege.“ 33 Prozent aller Unfallopfer sind unter 18 Jahre. Und noch eine Zahl, präsentiert Schrön: 90 Prozent aller Unfälle passieren ohne fremde Einwirkung.

Oft erfordere die Bergung eine Vielzahl von Rettungskräften. Bislang beispiellos sei die Rettung eines Mineraliensammlers im März dieses Jahres gewesen. Der Mann war im Erzgebirge zwischen Erla und Antonsthal in einem Stollen mehrere Meter in die Tiefe gestürzt. Rund 100 ehrenamtliche Retter, darunter 27 Kräfte des DRK, waren im Einsatz, um den 40-Jährigen, der sich einen Arm gebrochen hatte, zu retten.

Bergwacht hat Nachwuchsproblem

Vor allem Nachwuchsprobleme plagen die DRK-Bergwacht in Sachsen. „Die Zahl der Unfälle und Rettungsaktionen steigt, nicht aber die unserer ehrenamtlichen Mitglieder“, so Horna. „Nur mit Hilfe einer fundierten Ausbildung sind die Helfer der Bergwacht in der Lage, verunglückten Menschen schnell und wirkungsvoll zu helfen.“ Daher durchliefen die Bergwächter am Anfang ihrer Mitgliedschaft eine zweijährige Ausbildungsphase. „Sie lernen den Umgang mit professionellem Rettungsgerät, üben aber auch die behelfsmäßige Bergrettung“, sagt der Landeschef. Wichtig sei, für die Tätigkeit „zu brennen“, denn sie sei unentgeltlich und erfordere auch Einsätze am Wochenende und nach Dienstschluss. „Und der Job ist anstrengend. Bergrettung geht nicht an der Spielekonsole“, so Horna.

Von Andreas Dunte

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