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Mitteldeutschland Halloren will zurück in Gewinnzone – Delitzscher Schokoladenfabrik hat es schon geschafft
Region Mitteldeutschland Halloren will zurück in Gewinnzone – Delitzscher Schokoladenfabrik hat es schon geschafft
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21:16 30.08.2019
Ein Trabi mit dem Halloren-Logo erwartet die Aktionäre am Eingang der Schokoladenfabrik. Erstmals trafen sie sich nicht in der Händel-Halle oder im Zelt auf dem Parkplatz, sondern direkt in der Fabrik. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Halle

Wenn es darum geht, Halloren wieder in die Erfolgsspur zu bringen, sprüht Darren Ehlert nur so vor Ideen. Neue Geschmacksrichtungen für die Schokokugeln? Auf jeden Fall! Er habe da gerade zu Hause selbst etwas entwickelt. Mit der Ost-Marke endlich den Sprung in den Westen schaffen? Auf jeden Fall!

Ungewohnt locker plauderte der US-Amerikaner am Freitag am Rande der Hauptversammlung über seine Ideen für die Traditionsmarke. Bisher zog er als größter Anteilseignerdie Fäden eher im Hintergrund. Doch vor vier Wochen zog er überraschend selbst in den Vorstand ein. Zusammen mit Vorstandschef Ralf Wilfer, auch erst seit einem Jahr im Amt und bisher Alleinvorstand, will er jetzt als Finanzer dafür sorgen, die Firma wieder flott zu machen. „Es muss aufhören, dass wir Geld vernichten.“

2023 soll es „ein dickes Plus“ geben

Schon im kommenden Jahr soll die Firma wieder schwarze Zahlen schreiben, bekräftigte Wilfer in seiner Rede vor den Aktionären. Ziel für 2020 sei eine „schwarze Null“. 2023 solle es dann sogar „ein dickes Plus“ geben. „In drei Jahren ist das zu schaffen.“ In diesem Jahr wird zwar noch einmal ein deutliches Minus erwartet. Das werde aber schon kleiner als befürchtet ausfallen. „Im Januar war ich noch von minus 1,6 Millionen ausgegangen. Da werden wir besser sein. Wir gehen jetzt von einer bis 1,6 Millionen aus. Das geht in die richtige Richtung.“

Kein Blatt vor den Mund nahm Wilfer bei der Bilanz für das vergangene Jahr. „Das Ergebnis sieht nicht gut aus.“ Der operative Verlust lag mit knapp 2,8 Millionen Euro fast 900.000 Euro über dem eigenen Plan. Das Gros davon – 800.000 Euro – entfiel aber auf Altposten in der Bilanz, die bereinigt wurden: Kaputte Maschinen und längst verjährte Forderungen, die immer noch in der Bilanz standen. „Diese Altlasten haben wir beseitigt.“

Um sich voll auf das Kernprodukt, die Hallorenkugel, zu konzentrieren, hatte die Firma in den vergangenen beiden Jahrenalle Töchter verkauft, darunter die Delitzscher Schokoladenfabrik. Im Dezember wurde danndas Kriegsbeil mit dem ungeliebten Anteilseigner Katjes begraben. „Es gibt nun keine Ausreden mehr, warum etwas nicht klappt“, sagte Wilfer.

Festzelt auf dem Parkplatz hat ausgedient

170 Aktionäre waren zu dem Treffen gekommen, deutlich weniger als in früheren Jahren. Und erstmals fand die Versammlung direkt in der Schokoladenfa-brik statt. Bis 2016 hatte Halloren dafür immer die Händelhalle angemietet, in den beiden Jahren danach ein Festzelt auf dem eigenen Parkplatz aufgestellt. Darauf wurde dieses Mal verzichtet. Stattdessen trafen sich die Aktionäre im eng bestuhlten Café neben dem Fabrikverkauf.

Um Platz für neue Geschmacksrichtungen zu machen, wird nundas Sortiment ausgelichtet. Die Produktivität habe seit Jahresbeginn bereit um 3 bis 4 Prozent zugelegt, verkündete Wilfer. „Und das im Drei-Schicht-Betrieb. Das ist doch nicht schlecht.“ Und wieso gab es dann ab März trotzdem Kurzarbeit? Da sei es am Ende nur um einzelnen Stunden bei jedem Mitarbeiter gegangen, winkt Finanzchef Ehlert ab. Gerade mal 30.000 Euro habe man dadurch gespart.

Der neue Sparkurs kostet aber auch Jobs: Seit Jahresbeginn sank die Mitarbeiterzahl bereits von 262 auf 230. Ende 2020 werden es wohl nur noch 190 bis 200 sein, sagte Ehlert. Erreichen will er das aber ohne Kündigungen: Frei werdende Stellen werden nicht wieder besetzt, befristetet Verträge nicht verlängert. Ein pauschaler Stellenabbau sei dagegen nicht geplant.

Delitzscher Schokoladenfabrik macht wieder Gewinn

Noch schneller will Ehlert die Ex-Tochter in Delitzsch mit ihren 260 Mitarbeitern wieder in die Gewinnzone führen. Die dortige Schokoladenfabrik hatte er Hallorenvor zwei Jahren für 10 Millionen Euro abgekauft. Im vergangenen Jahr habe Delitzscher noch einmal zwei Millionen Euro Verlust gemacht. „Dieses Jahr wird Delitzscher in die schwarzen Zahlen kommen“, sagte Ehlert.

Seinen Job als Finanzvorstand in Halle sieht Ehlert, der eigentlich Investmentbanker ist, eher als Feuerwehreinsatz. „Ich will Herrn Wilfer entlasten und ihm den Rücken freihalten.“ Neben den Finanzen kümmere er sich dabei auch um Marketing und Vertrieb – aber nur befristet: „Ich bleibe, bis die Restrukturierung abgeschlossen ist und trete dann zurück.“

„Halloren-Truck“ als Vorstandsunterkunft

Den „Halloren-Truck“ auf dem Parkplatz nutzt Darren Ehlert in Halle und Delitzsch als Unterkunft . Quelle: Frank Johannsen

So lange schlägt der Manager in Halle ein recht provisorisches Quartier auf: Ehlert, der sonst mit seiner Familie in Nordrhein-Westfalen lebt, übernachtet in einem zum Wohnmobil umgebauten Lkw mit Halloren-Logo direkt auf dem Firmenparkplatz. Den „Halloren-Truck“ habe er 2018 auf eigene Kosten umbauen lassen. „Damit fahre ich jetzt auf eigene Kosten Werbung für Halloren. Und ich hab schon 40.000 Kilometer zurückgelegt.“ Auch in Delitzsch bei der Schokoladenfabrik mist er damit regelmäßig zu Gast.

Des Gehalts wegen mache er den Job zumindest nicht. Das habe er auf unterster Stufe angesetzt. „Ich bin nicht annähernd der Top-Verdiener hier. Fast alle in der Fabrik verdienen mehr als ich.“ Doch Halloren sei nun mal seine Leidenschaft geworden. „Schokolade ist ein emotionales Geschäft. Rational ist das nicht, dass ich hier so viel Zeit verbringe. Und dass ich selbst in den Vorstand gehe, erst recht nicht. Aber das ist nun mal Schokolade“

Von Frank Johannsen

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