Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Halles Schilder-Guerilla schlägt wieder zu
Region Mitteldeutschland Halles Schilder-Guerilla schlägt wieder zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:07 12.08.2019
Beispiele für Guerilla-Schilder in Halle. Quelle: Grafik: Patrick Moye
Halle

Längere Zeit war es ruhig um sie geworden. Doch jetzt hat sie wieder zugeschlagen: die hallesche (Straßen-)Schilder-Guerilla. In Hauptbahnhofnähe ist die jüngste Kreation des Unbekannten, der Unbekannten oder gar einer namenlosen Gruppe auszumachen. Bereits seit 2016 sorgen mit teils durchaus witzigen Zusätzen verzierte Verkehrsschilder bei manchem Hallenser für ein Schmunzeln, bei anderen für eine anschwellende Halsschlagader. Letzteres wohl vor allem bei der Stadtverwaltung.

Wer die Urheber der Guerilla-Schilder sind, ist bislang weitgehend unbekannt. Ähnliche Aktionen sind zwar auch unter anderem aus Berlin, Bielefeld oder Reutlingen bekannt, aber in dieser Häufigkeit dürfte die Saalestadt mindestens deutsche Schilder-Guerilla-Hauptstadt sein.

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ will den Urheber getroffen haben. Er soll Mitte 30 sein, im Handel arbeiten und gern Pizza essen. Eigenen Angaben zufolge hat er bislang über 900 Schilder beklebt. Nur eine Handvoll Leute soll wissen, wer er wirklich ist. Dass er aber alle in Halle bekannten Guerilla-Schilder beklebte, ist eher unwahrscheinlich – zu unterschiedlich sind Qualität, Material und Herangehensweise. Vielmehr dürfte es mindestens einen oder mehrere Nachahmer und Trittbrettfahrer geben.

Waren es zunächst vor allem verzierte Bauarbeiter-Schilder mit hinzugeklebtem Maulwurf, Kreuz oder einem Hasen, wurden später auch die Piktogramme anderer Verkehrszeichen mit Zusätzen aus zumeist schwarzer und weißer Klebefolie versehen. Zudem konnten sich Briefkästen, an denen sich das Posthorn mal eben in eine Schnecke verwandelte, und Ampeln mit Smileys über nicht ganz standardisierte Gestaltungen freuen. Die einzigen Schilder, die vor dem Unbekannten sicher sind, sind offenbar Stopp-Schilder.

Der Stadt Halle sind die Guerilla-Schilder ein Dorn im Auge. Die weist darauf hin, „dass das Bekleben und Verändern von Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen Sachbeschädigung ist“. Werden Verkehrszeichen durch Aufkleber verändert oder unkenntlich gemacht, sei zusätzlich von einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr auszugehen. „Das Entfernen entsprechender Aufkleber ist mit einem erheblichen Arbeits- und Kostenaufwand verbunden“, heißt es auf Anfrage aus der Pressestelle.

Wie viele dieser Schilder seit 2016 in der Saalestadt aufgetaucht sind, kann die Verwaltung nicht beantworten. Insgesamt entstanden der Stadt im Vorjahr „für die Reinigung und den Ersatz nach Beschädigung Kosten in Höhe von rund 89 000 Euro“. Darin enthalten sind auch viele mit Aufklebern von politischen Gruppierungen oder Sportvereinen versehene Verkehrszeichen.

Das Problem: „Oftmals hat das Bekleben von Schildern zur Folge, dass diese ausgewechselt werden müssen, weil sich die Aufkleber nicht rückstandslos entfernen lassen oder die reflektierende Beschichtung der Schilder beschädigt wird“, schreibt die Kommune in ihrer Stellungnahme. Und: Die Stadt Halle behalte sich vor, Strafanzeige zu stellen. Letzteres ist gelinde gesagt überholt oder böse formuliert glatt gelogen. Denn das Polizeirevier Halle teilt auf LVZ-Anfrage mit: „Durch die Stadt wurden im Zusammenhang mit beklebten Verkehrsschildern im Stadtgebiet mehrere Strafanzeigen gestellt.“

Aus Sicht der Polizei sei das Bekleben von Verkehrsschildern bedenklich, „da durch die aufgebrachten Aufkleber die Reflexionsflächen der Schilder verändert werden und so bei schlechten Verkehrsverhältnissen und bei Dunkelheit eine Einschränkung der Erkennbarkeit gegeben ist“.

Mindestens zwei der in den vergangenen gut drei Jahren aufgetauchten Guerilla-Schilder tragen auch das Konterfei des halleschen Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos). Wie sieht er „seine“ Schilder? Hat das eine oder andere ihm mindestens ein Schmunzeln abgenötigt? „Der Oberbürgermeister würde sich gern mit dem Künstler über eine legale Plattform austauschen“, lässt er mitteilen.

Die norditalienische Stadt Florenz geht mit der Problematik ganz anders um. Dort sorgt der französische Künstler Clet Abrahams dafür, dass bei seinen – ebenso nicht legalen – Änderungen von Straßenschildern die Hauptfunktion der Originale kaum verändert wird. Dort sind die Verkehrszeichen mittlerweile Kult und werden touristisch vermarktet.

Von Martin Pelzl

Immer mehr Schulabgänger mit Abitur in Sachsen gehen in eine duale Berufsausbildung im Handwerk statt an die Uni. Das Interesse wächst, wie der Sächsische Handwerkstag in Dresden am Montag mitteilte.

12.08.2019

André Poggenburg war jahrelang AfD-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt, verließ dann im Streit die Rechtspopulisten, um eine neue Partei zu gründen. Jetzt hat er die ADPM wieder verlassen und unterstützt erneut die AfD.

12.08.2019

Seit Wochen wird sie heiß diskutiert: Die CO2-Steuer als Mittel für mehr Klimaschutz. Doch die Teuerung würde besonders viele Berufspendler in Sachsen und Thüringen hart treffen: Experten rechnen mit Mehrbelastungen von einigen hundert Euro pro Jahr.

12.08.2019