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Mitteldeutschland Grüne Woche: Sachsen wieder Besuchermagnet auf der Berliner Messe
Region Mitteldeutschland Grüne Woche: Sachsen wieder Besuchermagnet auf der Berliner Messe
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20:30 20.01.2020
Besuch vom sächsischen Agrarminister: Wolfram Günther (Grüne) machte am Montag bei seinem Rundgang auf der Grünen Woche in Berlin auch Station am Stand der Region Chemnitz/Zwickau. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa
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Berlin

Patrick Walter, der Chef der Schokoladenmanufaktur Choco del Sol auf Schloss Rochsburg, ist direkt aus Uganda zur Grünen Woche angereist. In der neu gestalteten Sachsen-Halle 21.b erklärt er am Montag dem neuen sächsischen Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne), dass die Manufaktur aus Mittelsachsen den Kakaobauern 25 Prozent mehr zahle als sonst auf dem Markt üblich. Das Geld werde in soziale Projekte in Afrika gesteckt. Kinderarbeit und unbezahlte Arbeit von Frauen seien tabu.

Der Minister lässt sich ein Stück edler Schokolade munden und erzählt dem Weltenbummler – zusammen mit Ehefrau Peggy war Walter 2009 per Fahrrad auf Weltreise gegangen –, dass er ebenfalls bereits in Uganda war und die Probleme der Bauern kenne. Und stolz erinnert der Minister daran, dass die weltweit erste Milchschokolade 1839 von einem Bäcker aus Leipzig geschaffen wurde. Also nicht die Schweizer haben’s erfunden.

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Erste Agrarschau für Sachsens neuen Landwirtschaftsminister

Die Grüne Woche ist die erste Agrarschau, die Günther im neuen Amt besucht. Am späten Nachmittag stattet dann auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) den 38 Ausstellern aus Sachsen einen Besuch ab. Zu den langjährigen Ausstellern zählt die Komet Gerolf Pöhle & Co. GmbH aus Großpostwitz, die für Speiseeispulver, Desserts, Kaltschalen und Backmischungen vor allem im Osten bekannt ist. Nach Eis mit Granatapfelgeschmack bringt Komet in diesem Jahr ein Karamell-Softeis mit einer Spur Salz auf den Markt, erzählt Gunter Pöhle. Die ungewohnte Geschmacksrichtung komme gut an, freut er sich.

Nur ein paar Meter weiter offeriert Renate Reisky Hochprozentiges aus der Leipziger Spirituosen Manufaktur GmbH. Gin, Absinth oder ein fruchtiger Johannisbeer-Likör finden großen Zuspruch.

Ein Besuchermagnet ist ebenfalls die Thüringen-Halle 20 mit 50 Ausstellern. Milchkönigin Luise Unger etwa stellt neue Ziegenkäse-Spezialitäten aus Altenburg vor. Ein Hingucker ist ein vier Meter hoher Kickelhahnturm, von dem es per Rutsche rasant wieder nach unten geht.

Debatte um die neue Düngemittelverordnung

Thüringens amtierender Landwirtschaftsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) ist froh, dass es in Berlin nicht nur um Gaumenfreuden, sondern auch um aktuelle Politik geht. Ein Streitpunkt ist die geplante neue Düngeverordnung. Günther plädiert in diesem Zusammenhang für eine praxisnahe, den regionalen Gegebenheiten entsprechende Regelung.

Das Problem zu hoher Nitratbelastungen des Grundwassers sei drei Jahrzehnte lang „verbummelt“ worden, ohne dass etwas Wirksames dagegen getan worden wäre. Vor allem in sogenannten „roten Gebieten“ mit besonders hohen Belastungen müsse rasch gehandelt werden. Die überhöhten Nitratbelastungen müssten dringend abgebaut werden.

Auf der anderen Seite müsse jedoch auch die Kritik von Landwirten ernst genommen werden, die sich über das Mess-System beschwerten. Gemessen würde in der Nähe von Mülldeponien, was die Werte verfälsche. In Sachsen gebe es 36 offizielle Messstellen. Es sollen weitere eingerichtet werden, so Günther an.

Sachsens Bauern wollen sich an eine Lösung beteiligen

Sachsens neuer Bauernverbandspräsident Torsten Krawczyk hegt dagegen „begründete Zweifel“ an den Mess-Ergebnissen. Er verlangt eine Neubegutachtung, um die tatsächlichen Werte festzustellen. Dem Thema würden sich die Landwirte allerdings nicht verschließen, sagt er. Zusammen mit den Landwirten sollten Lösungen gefunden werden, verspricht Günther.

Dazu gehöre das zielgenaue Ausbringen von Dünger und Gülle, die Aussaat von Zwischenfrüchten und anderes. Leider hätten auch zu geringe Niederschläge der vergangenen beiden Jahre das Problem verschärft, sagt der Minister. Anfang Januar hat sich der Grünen-Politiker fünf Stunden Zeit genommen, um mit Landwirten deren Zukunftssorgen zu besprechen. Ein Anfang sei damit gemacht, meint Krawczyk in Berlin.

Von Reinhard Zweigler