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Mitteldeutschland Großinvestition: Laubholz wird zu Textilien, Kosmetik und Gummi
Region Mitteldeutschland

Großinvestition in Leuna: Finnen investieren in Bioraffinerie

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16:24 07.10.2020
Über rund 600 Kilometer Rohrleitungen versorgt die Infraleuna die Firmen im Chemiepark Leuna. Jetzt baut ein finnischer Investor eine Bioraffinerie.
Über rund 600 Kilometer Rohrleitungen versorgt die Infraleuna die Firmen im Chemiepark Leuna. Jetzt baut ein finnischer Investor eine Bioraffinerie. Quelle: Wolfgang Kluge
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Leuna

Um Plastik-Flaschen, Kosmetika, Gummi oder auch Arzneimittel herzustellen, wurden bislang Grundstoffe auf Basis von Öl und Erdgas verwendet. Der finnische Papierkonzern UPM Biochemicals will das ändern und statt der fossilen nun nachwachsende Rohstoffe verarbeiten. Den Grundstein für ihre weltweit erste Bioraffinerie legten die Finnen jetzt im Chemiepark Leuna (Saalekreis). 550 Millionen Euro ist der Bau teuer. UPM-Manager Jyrki Ovasak betonte: „Unser zentrales Bestreben ist es, Innovationen für eine Zukunft ohne fossile Rohstoffe zu schaffen.“

Mit 200 Mitarbeitern sollen jährlich bis zu 220000 Tonnen Biochemikalien hergestellt werden. Das Laubholz - vorwiegend Buchenholz, das als Bauholz keine Verwendung findet - bezieht UPM aus Sägewerken und Wäldern der Region, wie der Manager sagte. UPM beschäftigt an Standorten in 13 Ländern rund 19000 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von 10 Milliarden Euro.

Das Engagement in Leuna fördere man mit 20 Millionen Euro, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Wirtschaftsminister Armin Willigmann (SPD) ergänzte: „Mit der Ansiedlung erhalten der Chemiestandort Leuna und das Mitteldeutsche Braunkohlerevier hoch attraktive Entwicklungsperspektiven.“

Die Finnen sind nicht die einzigen, die derzeit im Chemiepark investieren. Wie der Chef der Infrastruktur-Gesellschaft Infraleuna, Christof Günther, erklärte, wird seit Sommer an der Erweiterung und Modernisierung des Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes (GuD2) gearbeitet. Ziel sei es, die Leistung des Kraftwerks zu erhöhen, um die wachsende Zahl an Unternehmen mit kostengünstigen Strom und Dampf versorgen zu können. 145 Millionen Euro ist das Investitionsvolumen.Voraussichtlich 2022 soll das Kraftwerk ans Netz gehen.

Zu den Firmen, die sich in Leuna ansiedeln, gehört unter anderem der Kunststoffhersteller Topas, eine Tochter der japanischen Polyplastics-Gruppe. Die Firma will ab 2023 im Chemiepark Kunststoffgranulate fertigen, die sich leicht recyceln lassen. Topas will eine dreistellige Summe in das neue Werk stecken, heißt es.

Im Chemiepark arbeiten rund 10 000 Beschäftigten in ungefähr 100 Firmen.

Von Andreas Dunte