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Mitteldeutschland Görlitz will Weggezogene zurückholen
Region Mitteldeutschland Görlitz will Weggezogene zurückholen
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14:37 23.11.2019
Blick auf Görlitz Quelle: dpa
Leipzig/Görlitz

Mutter, Vater, Kind und Kegel - alle sollen sie kommen: Der Landkreis Görlitz startet eine deutschlandweite „Rückrufaktion ins Unbezahlbarland“. „Wir laden drei Familien mit Wurzeln in der Region zu einem Schnupperwochenende ein und wollen ihnen damit wieder Lust auf die Region machen“, sagt Projektkoordinator Ingo Goschütz. Interessierte können sich bis Ende Dezember für die ungewöhnliche Rückkehrer-Initiative bewerben. Auch Freunde und Verwandte sind aufgerufen, ehemalige Görlitzer für den Ausflug in die alte Heimat anzumelden, - ins unbezahlbar schöne Land.

So spaßig die Aktion klingt, so ernsthaft ist der Hintergrund. In den vergangenen 30 Jahren hätten gerade junge Menschen die Region wegen Ausbildung, Studium oder auf der Suche nach Arbeit verlassen. „Damals war alles rar, heute gibt es im Landkreis Görlitz coole Jobs, kurze Wege, Natur, Kultur, alte Freunde und vielleicht die Großeltern in der Nähe“, sagt Goschütz. Bewusst habe die Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz (ENO) den Rückruf in den Advent gelegt - wenn vielleicht ohnehin ein Besuch in der alten Heimat ansteht.

Junge Menschen verlassen den Osten

Doch wie sehen die Fakten aus? Besonders die starke Abwanderung von Menschen im erwerbsfähigen Alter hat die sächsisch-brandenburgische Lausitz stark getroffen. Seit der Wiedervereinigung verließen die Region zwischen Spree und Neiße nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung um die 270 000 Menschen - und damit ein knappes Fünftel der Bevölkerung. Der östlichste Landkreis Deutschlands muss sich dabei besonders stark gegen den Wegzug stemmen. So lebten 2001 noch rund 316 000 Männer und Frauen im Landkreis Görlitz, im Juli dieses Jahres waren es knapp 260 000.

Mehr Zuzug als Wegzug in Görlitz

Zugezogen sind im vergangenen Jahr in den Landkreis knapp 7300 Menschen, im gleichen Zeitraum verließen 6500 Görlitzer ihre Heimat. Die Rückrufaktion ist ein weiteres Puzzleteil der regionalen Imagekampagne. „Wir müssen die Leute herholen, um ihnen ein Gefühl zu vermitteln – und zeigen, dass es hier gute Arbeit für gutes Geld gibt“, sagt Goschütz. Diese Intention verbindet das ENO-Projekt mit dem bereits bekannten Probewohnen. Durch einen vierwöchigen und kostenlosen Aufenthalt in Görlitz testet die Kommune mit dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IöR), was Menschen zum Umzug bewegen könnte.

Derzeit hat der November-Durchgang seine Domizile bei der „Stadt auf Probe“ bezogen. „Die Probewohner leben immer vier Wochen parallel in drei Haushalten in Görlitz. Neben den Wohnungen stehen ihnen drei verschiedene Arbeitsräume zur Verfügung„, sagt Heike Hensel vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR). Die jüngste Auflage des Projekts hat im Januar 2019 begonnen und endet im Juni 2020. Aus rund 150 Bewerbungen wurden 54 Haushalte - Einzelpersonen, Paare, Familien, Arbeitsteams - für die Teilnahme am Projekt ausgewählt. Angesprochen wurden dieses Mal Selbstständige, Freischaffende und Kreative.

Raus aus der Großstadt

Beim Probewohnen ist indes die Zahl der teilnehmenden Rückkehrer sehr gering. „Ein größerer Anteil Menschen kennt die Stadt von früheren Aufenthalten, entweder als Tourist oder durch die Arbeit“, sagt Hensel. Teilgenommen hätten aber bereits vier Familien mit Kindern an dem Umzug auf Zeit. Nach der aktueller Planung werde es im kommenden Jahr eine weitere Familie geben, die das Leben und Arbeiten in Görlitz testen wird. Feststeht schon, dass sich bereits jetzt vier der testenden Haushalte für einen Umzug nach Görlitz entschieden haben. „Aus Gesprächen wissen wir, dass einigen Teilnehmenden tatsächlich das Leben in der Großstadt nicht mehr gefällt und sie sich deshalb nach Alternativen in kleineren Städten wie Görlitz umsehen“, sagt die IöR-Mitarbeiterin.

Auf solche Effekte setzen auch die Initiatoren der „Rückrufaktion“. Interessierte können sich dafür online anmelden und müssen drei Fragen beantworten: Warum bist Du weggegangen? Was können wir tun, damit Du zurückkommst? Wen würdest Du mitbringen? Die Informationen sollen auch dazu dienen, den potenziellen Rückkehrern schon ein Paket mit Arbeitsmöglichkeiten sowie Kultur- und Bildungsangeboten zu packen. Erste Rückmeldungen seien aus Potsdam, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Dresden und München gekommen, sagt Goschütz. Das Los wird über ihren Gast-Aufenthalt in der alten Heimat entscheiden, die vielleicht nach dem Schnupper-Wochenende irgendwann wieder zur neuen Heimat für die ganze Familie wird.

Miriam Schönbach

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