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Mitteldeutschland Gegen die Tristesse: Leipziger Musikerinnen und Musiker sagen „Trotzdem Yeah!“
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Gegen die Tristesse: Leipziger Musikerinnen und Musiker sagen „Trotzdem Yeah!“

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13:12 25.01.2021
Logo der "Trotzdem Yeah"-Reihe, jeden Samstag, Sonntag und Mittwoch als Stream aus der Leipziger „Barcelona“.
Logo der "Trotzdem Yeah"-Reihe, jeden Samstag, Sonntag und Mittwoch als Stream aus der Leipziger „Barcelona“. Quelle: cfm
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Leipzig

Die letzte durchtanzte Nacht ist lange her. Die Corona-Pandemie macht Angst, lässt Menschen sterben, setzt jeglicher Ausschweifung deshalb restriktive Riegel vor. Wer sich in der Vergangenheit gern von Musik bis zum Morgenrot tragen ließ, dem bleibt seit Monaten meist nur noch ein digitaler Stream als Ersatzstoff, auch als Erinnerung an die Zeit vor dem Virus: Hallo, weißt Du noch?

Digitale Angebote als letzte Bastion der Kultur wurden seit Beginn der Pandemie viele gemacht –mit DJs, Produzentinnen und Produzenten, auch mit auftretenden Bands und Orchestern. Nur selten haben die Formate allerdings längerfristig ein Publikum gefunden. Eine neue Reihe aus Leipzig versucht sich jetzt an Nachhaltigkeit und gibt der Kulturszene auch mehr als nur virtuellen Applaus. Schon der Titel ist wie ein Versprechen, nicht zu verzagen: „Trotzdem Yeah!“.

Impression aus dem Stream von „Trotzdem Yeah“. Quelle: cfm

Ein Raum für Leipziger Musik

Bereits seit Mitte November gehen für diese Form der Zuversicht an jedem Wochenende und an jedem Mittwoch in der „Barcelona“ (Gottschedstraße) die Lichter an. Dort werden nun Plattenspieler aufgebaut, Verstärker hochgefahren. Echtes Publikum gibt es natürlich nicht, dafür mehrere Kameras und einen Live-Stream. Startet die Übertragung, stehen Leipziger Künstlerinnen und Künstler an den Decks, die sonst in den Clubs der Stadt die Nächte unvergesslich machen. Jetzt harren sie meist in Wartestellung – nehmen ab und an neue Musik auf, bestücken Listen auf Spotify mit Solidarität, machen Fotos für Instagram. „Huhu, wir sind auch noch da!“ Von einem echten Raum für ihre Kreativität fehlt aber jede Spur.

In der „Barcelona“ ist das anders. Aus einem Ort der Speisen und Getränke ist nun eine Zuflucht geworden. „Wir geben Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne, die unter den aktuellen Umständen keine mehr haben. Menschen, die für das und vom Miteinander leben“, sagt Cornelia Friederike Müller. Und: „Wir machen das, weil nichts machen lähmt. Und eine triste Zukunft malt.“ Sie ist eine der Organisatorinnen der Reihe und gehört als CFM seit Jahren zur elektronischen Musikszene der Messestadt. Sie hat einst das erste female DJ-Netzwerk „Propellas“ mitbegründet, die Reihe „Elektronischer Sonntag“ über viele Jahre als Gastgeberin gestaltet und hochkarätige Klangkünstler in die Messestadt geholt. Die Situation jetzt ist aber eine besondere Herausforderung. „Es braucht ein Modell, diese Zeit zu bewältigen“, sagt CFM. Dank der Betreiberinnen hat sich in der „Barcelona“ dafür eine Heimat gefunden.

Impression aus dem Stream von „Trotzdem Yeah“. Quelle: cfm

Tickets per E-Mail

Am Modell, das sich das Orga-Team überlegt haben, sollen nun nicht nur Zuhörer, sondern auch die Musikerinnen und Musiker selbst profitieren. Im Gegensatz zu anderen Streams ist der von „Trotzdem Yeah!“ kostenpflichtig – damit auch Gagen gezahlt werden können. Tickets gibt es für drei Euro pro Abend beim Leipziger Online-Händler TixForGigs. Wer mittanzen und zuschauen will, erhält einen Link per E-Mail, der zum Portal führt. Neben dem Live-Auftritt ist das Video jeweils noch weitere 48 Stunden verfügbar, kann also im Zweifel auch an den beiden nächsten Abenden noch die Laune heben.

„Natürlich braucht das Modell die Unterstützung aller“, sagt CFM. Wenn keiner zuschaut, erhalte auch niemand etwas für seine Arbeit. Anders herum wird aber ebenso ein Schuh daraus. Insofern ist die „Trotzdem Yeah!“-Reihe ein direkter Weg, um der Leipziger Musikszene in dieser für Kunst und Kultur schweren Zeit etwas Unterstützung zukommen zu lassen.

Clubnacht, Elektronischer Sonntag und Musik-Talk

Am kommenden Samstag (30.1.) gibt es die nächste Möglichkeit. Zur Clubnacht ab 21 Uhr werden Jenny Sharp (splash!Booking) und die Leipziger Drum’n’Bass-Ikone DJ Derrick (Ulan Bator) an den Reglern erwartet. Am Sonntag (31.1.) geht es generell etwas ruhiger zu, beginnt die Übertragung auch bereits um 19 Uhr – dieses Mal Carool (d.w.y.l.) und BRKN1 (Dub Logic). Im Februar geht es an den Wochenende dann unter anderem mit Sven Tasnadi (6.2.), Molina Gosh (14.2.) sowie Malcolm & Full Contact (27.2.) weiter.

Impression aus dem Stream von „Trotzdem Yeah“. Quelle: cfm

„Die Termine sind bis Ende Februar komplett durchgeplant“, sagt die Organisatorin. Weil ohne anwesendes Publikum Musik gemacht wird, konnte die Reihe auch dem Lockdown trotzen. „Vielleicht kommt unsere Reihe ja gerade im Lockdown zur richtigen Zeit – um etwas Positives und Hoffnungsvolles zu erleben“, sagt CFM.

Das Programm im Überblick

Folgende „Trotzdem Yeah!“-Streams sind bisher geplant:

Sa 30.1. Dancefloor / Jenny Sharp (splash!Booking, Sharp Radio) + DJ Derrick (Ulan Bator)So 31.1. E-Sonntag / Carool (d.w.y.l.) + BRKN1 (Dub Logic / Höhlenkollektiv / res:cue)

Sa 6.2. Dancefloor / Sven Tasnadi (Moon Habour/Times) Dan Drastic (Moon Habour/Times) SAOU TV ( VJ-Artist)So 7.2. Der Elektronische Sonntag / TBA

Sa 13.2. Dancefloor / Spindyrella (ODL) HipHop + Zebster (WTB) & MGrey (Spitainment) / HipHop/RapSo 14.2. Der Elektronische Sonntag / Molina Ghosh (Artist) + Malo Moray & his inflatable kneeSa 20.2. Dancefloor / Judith van Waterkamp (slowereastside / G-Edit / Feat.Fem) Pokka (Kollektives Bewußtsein / Feat.Fem)So 21.2. Der Elektronische Sonntag / G-EDITSa 27.2. Dancefloor / Malcolm & Full Contact (Downtownlyrics Soundsystem) VJing TBASa 28.2. Der Elektronische Sonntag / Pina Rückert Marek Brandt aka TriPhaze Re Duction aka DJ Badshape ( Bassmaessage) 

Den Stream von „Trotzdem Yeah!“ gibt es auf: www.tixforgigs.com

Die Leipziger Volkszeitung entstützt die Kulturszene der Stadt mit der Aktion „Das ist Leipzig“.

Von Matthias Puppe