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Mitteldeutschland Gegen die Tristesse: Leipziger Musikerinnen und Musiker sagen „Trotzdem Yeah!“
Region Mitteldeutschland

Gegen die Tristesse: Leipziger Musikerinnen und Musiker sagen „Trotzdem Yeah!“

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18:48 13.12.2020
Logo der "Trotzdem Yeah"-Reihe, jeden Samstag, Sonntag und Mittwoch als Stream aus der Leipziger „Barcelona“. Quelle: cfm
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Leipzig

Die letzte durchtanzte Nacht ist lange her. Die Corona-Pandemie macht Angst, lässt Menschen sterben, setzt jeglicher Ausschweifung deshalb restriktive Riegel vor. Wer sich in der Vergangenheit gern von Musik bis zum Morgenrot tragen ließ, dem bleibt seit Monaten meist nur noch ein digitaler Stream als Ersatzstoff, auch als Erinnerung an die Zeit vor dem Virus: Hallo, weißt Du noch?

Digitale Angebote als letzte Bastion der Kultur wurden seit Beginn der Pandemie viele gemacht –mit DJs, Produzentinnen und Produzenten, auch mit auftretenden Bands und Orchestern. Nur selten haben die Formate allerdings längerfristig ein Publikum gefunden. Eine neue Reihe aus Leipzig versucht sich jetzt an Nachhaltigkeit und gibt der Kulturszene auch mehr als nur virtuellen Applaus. Schon der Titel ist wie ein Versprechen, nicht zu verzagen: „Trotzdem Yeah!“.

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Impression aus dem Stream von „Trotzdem Yeah“. Quelle: cfm

Ein Raum für Leipziger Musik

Bereits seit Mitte November gehen für diese Form der Zuversicht an jedem Wochenende und an jedem Mittwoch in der „Barcelona“ (Gottschedstraße) die Lichter an. Dort werden nun Plattenspieler aufgebaut, Verstärker hochgefahren. Echtes Publikum gibt es natürlich nicht, dafür mehrere Kameras und einen Live-Stream. Startet die Übertragung, stehen Leipziger Künstlerinnen und Künstler an den Decks, die sonst in den Clubs der Stadt die Nächte unvergesslich machen. Jetzt harren sie meist in Wartestellung – nehmen ab und an neue Musik auf, bestücken Listen auf Spotify mit Solidarität, machen Fotos für Instagram. „Huhu, wir sind auch noch da!“ Von einem echten Raum für ihre Kreativität fehlt aber jede Spur.

In der „Barcelona“ ist das anders. Aus einem Ort der Speisen und Getränke ist nun eine Zuflucht geworden. „Wir geben Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne, die unter den aktuellen Umständen keine mehr haben. Menschen, die für das und vom Miteinander leben“, sagt Cornelia Friederike Müller. Und: „Wir machen das, weil nichts machen lähmt. Und eine triste Zukunft malt.“ Sie ist eine der Organisatorinnen der Reihe und gehört als CFM seit Jahren zur elektronischen Musikszene der Messestadt. Sie hat einst das erste female DJ-Netzwerk „Propellas“ mitbegründet, die Reihe „Elektronischer Sonntag“ über viele Jahre als Gastgeberin gestaltet und hochkarätige Klangkünstler in die Messestadt geholt. Die Situation jetzt ist aber eine besondere Herausforderung. „Es braucht ein Modell, diese Zeit zu bewältigen“, sagt CFM. Dank der Betreiberinnen hat sich in der „Barcelona“ dafür eine Heimat gefunden.

Impression aus dem Stream von „Trotzdem Yeah“. Quelle: cfm

Tickets per E-Mail

Am Modell, das sich das Orga-Team überlegt haben, sollen nun nicht nur Zuhörer, sondern auch die Musikerinnen und Musiker selbst profitieren. Im Gegensatz zu anderen Streams ist der von „Trotzdem Yeah!“ kostenpflichtig – damit auch Gagen gezahlt werden können. Tickets gibt es für drei Euro pro Abend beim Leipziger Online-Händler TixForGigs. Wer mittanzen und zuschauen will, erhält einen Link per E-Mail, der zum Portal führt. Neben dem Live-Auftritt ist das Video jeweils noch weitere 48 Stunden verfügbar, kann also im Zweifel auch an den beiden nächsten Abenden noch die Laune heben.

„Natürlich braucht das Modell die Unterstützung aller“, sagt CFM. Wenn keiner zuschaut, erhalte auch niemand etwas für seine Arbeit. Anders herum wird aber ebenso ein Schuh daraus. Insofern ist die „Trotzdem Yeah!“-Reihe ein direkter Weg, um der Leipziger Musikszene in dieser für Kunst und Kultur schweren Zeit etwas Unterstützung zukommen zu lassen.

Clubnacht, Elektronischer Sonntag und Musik-Talk

An diesem Samstag gibt es die nächste Möglichkeit. Zur Clubnacht ab 21 Uhr werden Pearly Benson (Cosmic Boogie) und Morrison (BurnFire Production) an den Reglern erwartet. Am morgigen Sonntag geht es generell etwas ruhiger zu, beginnt die Übertragung auch bereits um 19 Uhr – dieses Mal mit One Take (HW Rhapsody) und Neele (G-Edit). Am nächsten Mittwoch wandelt sich der Stream ab 20.30 Uhr zum Talkformat, geht es mit wechselnden Gästen um Musik, aber auch andere Themen. Erwartet wird unter anderem Michael Ludwig vom Luru Kino (Insektenexperte der Baumwollspinnerei). Nächstes Wochenende geht es weiter mit Booga (Defrostica), CFM (Caramaba!), Anna Shimkat (Soundartist) und Shikoba (Planet Almanach).

Impression aus dem Stream von „Trotzdem Yeah“. Quelle: cfm

„Schon jetzt sind die Termine bis Anfang Februar komplett durchgeplant“, sagt die Organisatorin. Angesichts des am Freitag beschlossenen Lockdowns seien die Anfangszeiten der Übertragungen in den kommenden Wochen aber wohl unter Umständen noch veränderbar. Von einer generellen Unterbrechung der Reihe könne aber keine Rede sein. Weil ohne anwesendes Publikum gearbeitet wird, besteht dazu auch keine Notwendigkeit. „Vielleicht kommt unsere Reihe ja gerade im Lockdown zur richtigen Zeit – um etwas Positives und Hoffnungsvolles zu erleben“, sagt CFM.

Das Programm im Überblick

Folgende „Trotzdem Yeah!“-Streams sind bereits geplant:

Sa 12.12. Dancefloor / Pearly Benson (Cosmic Boogie) + Morrison (BurnFire Productions), So 13.12. Elektronischer Sonntag / One Take (HW Rhapsody, BAU) + Neele (DRIVE, G-Edit, IfZ),  Mi 16.12. Musik & Talk / TBA + Michael Ludwig (Luru, Lepidopterist), Sa 19.12. D&B Dancefloor / Booga (Defrostatica) + CFM (Yeah!), So 20.12. Elektronischer Sonntag / Anna Schimkat (Soundartist) + Shikoba (Planet Almanach),  Mi 23.12. Musik & Talk / Romy Gottschalk (Locally Happy) + Stephanie Schmidt (Entrepreneurin) Luigi Andrea Ramazzotti (dreampop), --- Sa 26.12. X-Mas 2. FeiertagSo 27.12. Elektronischer Sonntag / Tadpole (Tellerrand Musik),  Mi 30.12. Musik & Tanz / Frank Patitz (Swing & Ride) + DJ Greta (Caramba!Rec) Swing / Lindyhop,  Sa 2.1. Dancefloor / Lucille du Basse (diamonds&pearls) + Dessau Bambaataa (Scheußlich Süper Disko), So 3.1. E-Sonntag / ALX & Ave FM (Bassmeassage),  Mi 6.1. Music & Talk / Tobias Lampelzammer / Kontrabass (KAP Modern),Sa 9.1. Dancefloor / INPUT Crew (IFZ) DJ Team Building Maßnahme (aka Cleo SNK & DJ Babaesk), So 10.1. E-Sonntag / Map.ache (Kann/Giegling) + Anna Malysz (nice 4 what, G-Edit, Drive), Mi 13.1. Music & Talk / Susanne Kim (Regisseurin) + D´dread (Silent Film DJ), Sa 16.1. Dancefloor / Filburt (O*rs), So 17.1. E-Sonntag / Mix Mup (Mikrodisko, TTT), Mi 20.1. Music & Talk / TBASa 23.1. Dancefloor / Lumiere Bleue > le_go + Jaqueline Boom Boom & The Mirror Of Itself (aka schick´a`delic), So 24.1. E-Sonntag / TBAMi 27.1. Music & Talk / TBASa 30.1. Dancefloor / Jenny Sharp (splash!Booking, Sharp Radio) + DJ Derrick (Ulan Bator), So 31.1. E-Sonntag / Carool (d.w.y.l.),

Sa 13.2. Dancefloor / Spindyrella ( tba / HipHop) + Zebster & MGrey (tba / HipHop/Rap)

Den Stream von „Trotzdem Yeah!“ gibt es auf: www.tixforgigs.com

Die Leipziger Volkszeitung entstützt die Kulturszene der Stadt mit der Aktion „Das ist Leipzig.

Von Matthias Puppe