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Mitteldeutschland Gefährliches Borna-Virus verbreiteter als gedacht – Risiko-Gebiet Sachsen
Region Mitteldeutschland Gefährliches Borna-Virus verbreiteter als gedacht – Risiko-Gebiet Sachsen
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20:29 08.01.2020
Ein Patient liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses. (Archivfoto) Quelle: Kay Nietfeld/dpa
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Greifswald

Es beginnt mit Kopfschmerzen und Fieber, bald zeigen sich auch erste neurologische Störungen, vor allem Sprach- und Gehprobleme. Innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen fallen Betroffene ins Koma und sterben. So fatal der Krankheitsverlauf ist, so gering waren bisher die prognostizierten Chancen, sich mit dem sogenannten Borna-Virus (BoDV-1) zu infizieren. Lange diskutierte die Wissenschaft, ob es tatsächlich Beweise für eine Infektion beim Menschen gibt. Der gelang erst vor zwei Jahren. Nun zeigt eine neue Studie, dass es deutlich mehr Fälle von infizierten Menschen gibt, als bisher gedacht. Zu den Risikogebieten gehören vor allem Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Zumal der gefährliche Erreger seinen Namen tatsächlich aus der Kreisstadt Borna im Landkreis Leipzig hat. 1895 waren die Symptome der bis dahin als hitzige Kopfkrankheit beschrieben Infektion zwar schon bekannt – und vor allem bei einzelnen Schafen und Pferden beobachtet worden. Als dann allerdings auf einem Reitgestüt vor den Toren der Stadt gleich mehr als 100 Tiere eines Karabinier-Regimentes qualvoll verendeten, beantragte der Landtag eine Analyse des Erregers. Aus der nun viel zitierten Bornaischen Krankheit wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Borna-Virus, das bei verendeten Tieren in Teilen des Gehirns nachgewiesen werden konnte.

Feldmäuse sind Gefahrenquelle

Als bisher einzig bekannter Ausgangspunkt der Infektionen wird heute die gemeine Feldspitzmaus angesehen. „Es wird vermutet, dass Pferde und Schafe zum Beispiel beim Fressen mit der Feldspitzmaus oder ihren Ausscheidungen in Kontakt kommen. Für den Menschen sind verschiedene Übertragungswege denkbar. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich der Mensch ebenfalls über den Kontakt mit Ausscheidungen von Spitzmäusen ansteckt“, heißt es dazu aus dem Robert-Koch-Institut (RKI).

Die undatierte Aufnahme zeigt einen Anitkörpernachweis zum Borna-Virus im Gewebe. Lange war die Borna-Krankheit nur von Nutztieren bekannt. Nun bestätigen neue Nachweise: Auch beim Menschen sorgt das Virus in Deutschland für Todesfälle. Quelle: -/Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin/dpa

Eine neue Studie, die am Mittwoch bundesweit nicht nur in der Fachwelt für Aufsehen sorgte, stammt vom Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) von der Insel Riems bei Greifswald. Im Auftrag der Forschungseinrichtung wurden insgesamt 56 Todesfälle zwischen 1999 und 2019 untersucht, bei denen die Auslöser für eine Gehirnhautentzündung nicht zweifelsfrei geklärt waren. Alle Verstorbenen kamen aus Bayern, sagte FLI-Sprechern Elke Reinking gegenüber der LVZ. Bei 14 Untersuchten konnte der Borna-Virus als Auslöser diagnostiziert werden, der letzte Infizierte hatte sich erst im vergangenen Jahr angesteckt.

Katzen als Überträger zum Menschen?

Wie genau sich diese Patienten mit dem Virus infiziert hatten, ist auch nach der neuen Studie noch unklar. Viele hätten engen Kontakt zu Katzen gehabt – die möglicherweise eine Spitzmaus gefangen und mit nach Hause gebracht haben könnten, heißt es aus Greifswald. Allerdings sei das bisher nur eine Vermutung, gibt es für die These keine Beweise. Auffällig sei gewesen, dass die Betroffenen in ländlichen Regionen lebten, als Landwirte tätig waren oder Outdoor-Aktivitäten nachgingen.

Enger Kontakt mit Katzen kann gefährlich werden. (Symbolbild) Quelle: Andrea Warnecke/dpa

Konkrete Konsequenzen gibt es trotz der offenen Fragen trotzdem bereits: „Um eine bessere Datenlage zum Vorkommen der Infektion beim Menschen zu schaffen, tritt zum 1. März 2020 eine Meldepflicht in Kraft“, teilten die Forscher mit. Zudem sagt Martin Beer, Leiter der Virusdiagnostik am FLI: „Wichtig ist, dass gerade Fälle von unklarer Enzephalitis in Gebieten, in denen BoDV-1 vorkommt, auf das Virus untersucht werden.“ Aufgrund der in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern in den vergangenen Jahren bereits mehrfach diagnostizierten Borna-Krankheit bei Tieren seien Menschen in diesen Regionen besonders gefährdet.

Von Matthias Puppe

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