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Mitteldeutschland Gamen bis der Arzt kommt
Region Mitteldeutschland Gamen bis der Arzt kommt
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11:00 09.05.2019
Viele Computerspiele bergen Suchtpotenzial. Quelle: imago/Felix Jason
Dresden

Fast 20 000 Erwerbstätige in Sachsen sind computerspielsüchtig, weitere 156 000 stark gefährdet. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport „Sucht 4.0“ vor, der am Donnerstag in Dresden vorgestellt wurde. Bei der Suche nach den Ursachen für den hohen Krankenstand im Freistaat, der mit 4,7 Prozent im Jahre 2018 auf einen historischen Höchststand seit der Jahrtausendwende schnellte, wurde erstmals auch das Thema Gaming und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt in den Fokus genommen.

Christine Enenkel, Leiterin der Landesvertretung, sagte bei der Präsentation einer ersten Studie zur Computerspielsucht bei Erwerbstätigen: „Suchtprobleme im Job sind kein Nischenthema.“ Demnach spielen 59 Prozent der Erwerbstätigen Computerspiele. 8,3 Prozent der Erwerbstätigen gelten als riskante Gamer. Das heißt: Sie zeigen ein auffälliges Nutzungsverhalten wie übermäßige Beschäftigung, Entzugserscheinungen oder auch Täuschung von Familienangehörigen. Vor allem unter den jungen Beschäftigten zwischen 18 und 29 Jahren sind laut DAK-Report riskante Computerspieler (11,6 Prozent).

Bundesweit spielt jeder vierte riskante Gamer während seiner Arbeitszeit. Bei den Computerspielsüchtigen gab dies fast jeder Zweite (47 Prozent) an. Jeder elfte Mitarbeiter mit riskantem Spielverhalten erklärte, in den letzten drei Monaten wegen des Spielens abgelenkt oder unkonzentriert bei der Arbeit gewesen zu sein. Von den Erwerbstätigen mit einer Computerspielsucht war es sogar jeder Dritte (34,1 Prozent). Weitere rund 8000 Beschäftigte im Freistaat leiden an einer Social Media Disorder, das heißt ihre Nutzung der sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram ist völlig außer Kontrolle geraten.

Das Rauchen von Zigaretten ist allerdings in Sachsen noch immer die verbreitetste Sucht, die auch die Arbeitswelt betrifft. 15,6 Prozent der Erwerbstätigen sind zigarettenabhängig. Unter den jungen Erwerbstätigen zwischen 18 und 29 Jahren gibt es mit 16,3 Prozent den geringsten Anteil. Bei den 60- bis 65-jährigen Berufstätigen raucht fast jeder Vierte (23,7 Prozent). Etwa jeder zweite Raucher raucht auch während seiner Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen.

Derzeit dampfen rund fünf Prozent der Erwerbstätigen mit einer E-Zigarette. Diese Dampfer finden sich fast ausschließlich unter Rauchern und Ex-Rauchern. Bundesweit konsumiert mit 85 Prozent die deutliche Mehrheit der Dampfer Liquid mit Nikotin. „Dampfen mit Nikotin oder Tabak führt in die Abhängigkeit, genau wie herkömmliche Zigaretten“, warnt Enenkel. „Deshalb brauchen wir endlich ein umfassendes Werbeverbot für Tabak, Zigaretten und E-Zigaretten.“

Knapp 190 000 Arbeitnehmer haben überdies einen riskanten Alkoholkonsum – knapp jeder Zehnte. 7000 Erwerbstätige sind sogar alkoholabhängig. Drei von vier Fehltagen bei Suchtproblemen sind in Sachsen auf Alkohol zurückzuführen. Bei Männern beginnt der riskante Alkoholkonsum beispielsweise bei täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläsern Bier, bei Frauen schon bei einem 0,3 Liter-Glas Bier pro Tag. Enenkel sagt: „Wir müssen hinsehen und handeln, um Betroffene nicht allein zu lassen. Ist es Genuss, Gewohnheit oder bereits Sucht?“

Mit Blick auf die Ergebnisse des Reports bietet die DAK Versicherten ab sofort ein neues präventiv ansetzendes Hilfsangebot bei Alkoholproblemen an. Betroffene können das kostenlose Online-Coaching „Vorvida“ nutzen, um ihren Alkoholkonsum zu reduzieren. Das Online-Coaching ist auf Smartphones und Tablets mobil voll nutzbar. Es kann auch über die digitale Gesundheitsplattform „Vivy“ genutzt werden.

Von Roland Herold

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