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Mitteldeutschland Frauenherzen schlagen anders
Region Mitteldeutschland Frauenherzen schlagen anders
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00:00 31.01.2019
Professorin Sandra Eifert bietet die einzige Herzsprechstunde in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt für erwachsene Frauen jeden Alters an. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Spätestens seit Herbert Grönemeyers Song „Männer“ aus dem Jahre 1984 sollte man es eigentlich wissen. „Männer haben Muskeln, Männer sind furchtbar stark, Männer können alles, Männer kriegen ’n Herzinfarkt“ heißt es da. Wohlgemerkt: ironisch. Und tatsächlich stimmt das gängige Bild vom Mann, der schuftet, alles in sich hineinfrisst, nie zum Arzt geht und schließlich vom Herzinfarkt gefällt wird, eben nur zum Teil.

Professorin Sandra Eifert (49) unterhält darum am Leipziger Herzzentrum die einzige Herzsprechstunde in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt für erwachsene Frauen jeden Alters. Aus gutem Grund. „Frauen bleiben durch das Sexualhormon Östrogen zwar viele Jahre länger vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschont“, sagt die Ärztin. Wenn die Hormonproduktion nachlasse, ändere sich das aber. „Die Patientinnen kommen im Schnitt mit ihren Beschwerden einfach zehn Jahre später als die Männer. Das betrifft dann vor allem die Herzkranzgefäße.“

„Die Medizin ist am männlichen Patienten ausgerichtet“

Wer sich zur Frauensprechstunde anmeldet, leidet oft unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vorangegangenen Schwangerschaftskomplikationen, rheumatischen Erkrankungen, Auto-Immunerkrankungen, hormonabhängigen Erkrankungen oder erhält eine Hormontherapie aufgrund einer schweren Grunderkrankung, zum Beispiel bei Brustkrebs.

Um nicht missverstanden zu werden: Zwei Drittel der Herz-Kreislauf-Patienten sind dann zwar immer noch Männer, aber Frauen sterben dafür häufiger an diesen Krankheiten. Die Sterblichkeit der Frauen beim Herzinfarkt ist „in der westlichen Welt fast doppelt so hoch wie die der Männer“, unterstreicht die Medizinerin. Das liege am gesamten Verlauf der Erkrankung von den Risikofaktoren über die Symptome und die Diagnostik bis hin zur Therapie.

„Das Problem ist, dass die Medizin am männlichen Patienten ausgerichtet ist“, konstatiert Eifert. Eben auch, weil mehr Männer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. „Das führt dann dazu, dass die angewandte Diagnostik bei den Frauen manchmal nicht die Richtige ist.“ Folge: ein negatives Ergebnis. Eine Patientin, die über unklare Beschwerden klagte, wurde früher eher mal zum Psychiater überwiesen.

Die Krankheitssymptome können unterschiedlich sein. Beispiel Herzinfarkt. „Männer kennen den Druck und den Schmerz hinterm Brustbein oder in der Brusthälfte, der dann zum Arm ausstrahlt. Bei einer Frau kann es zwar genauso sein. Muss aber nicht“, hat Eifert im Laufe der Jahre erfahren. „Häufig sind es Übelkeit oder Oberbauchbeschwerden, mit denen sich der Herzinfarkt der Frau ankündigt. Die meisten Frauen wissen dann gar nicht, was los ist.“ Das führe mitunter fälschlicherweise zu einer Magenspiegelung, weil primär nicht an das Herz gedacht wird.

Auch bei den klassischen Risikofaktoren Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen und Diabetes gibt es Unterschiede. So spielt bei Frauen der Diabetes eine wichtigere Rolle bei der Entstehung der Gefäßverkalkung, bei den Männern dagegen das Rauchen und der Bluthochdruck. Schwangerschaften können weitere spezielle Risikofaktoren bei Frauen generieren: Bluthochdruck oder Diabetes bis hin zur Schwangerschaftsvergiftung. Eifert: „Jeder dieser Faktoren erhöht das Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt.“

Gleiche Medikamentendosis – unterschiedliche Wirkung

Logischerweise wirkten dann auch Medikamente unterschiedlich. „Männer und Frauen bekommen meist die gleichen Medikamente in der gleichen Dosierung. Die Zusammensetzung des Körpers ist bei Männern und Frauen aber nicht gleich. Dies betrifft neben dem Gewicht und der Größe die Muskelmasse und den Wassergehalt.“ Unter anderem dadurch und durch die Hormone würden Medikamente auch unterschiedlich verstoffwechselt.

„Häufig scheint die Quote der Nebenwirkungen bei Frauen viel höher – weil einfach die Dosis zu hoch ist.“ Die normale Dosierung richte sich eben nach dem Durchschnittsmann und sie werde bei vielen Medikamenten nicht angepasst. Hier versucht Eifert, nun gegenzusteuern.

Notfalls auch optisch. Der aus den USA bekannte „Go Red For Women“ („Zieh-etwas-Rotes-an-Tag) am morgigen 1. Februar soll auch in Leipzig genutzt werden, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Viele Mitarbeiter des Herzzentrums wollen rote T-Shirts überstreifen oder andere Accessoires in der Farbe tragen.

„Ich finde das sehr gut“, sagt Eifert, die quasi als Lady in Red an diesem Tag („selbstverständlich!“) auch in Rot erscheinen will. „Denn bisher ist das Problem in der Bevölkerung kaum bekannt.“ Frauen kümmerten sich zwar oft um die gesundheitlichen Entscheidungen der ganzen Familie: „Aber für sich selber haben sie dann häufig keine Zeit mehr“, sagt Eifert.

Von Roland Herold

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