Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Mordverdächtiger im Fall „Maddie“ beschäftigt Richter in Leipzig
Region Mitteldeutschland Mordverdächtiger im Fall „Maddie“ beschäftigt Richter in Leipzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:39 04.06.2020
Kate und Gerry McCann mit einem Foto ihrer vermissten Tochter Maddie (Archivbild). Quelle: John Stillwell/PA Wire/dpa
Anzeige
Leipzig/Karlsruhe

Der deutsche Tatverdächtige im Fall „Maddie“ hat eine aktuelle Haftstrafe fast zu zwei Dritteln verbüßt und stand damit kurz vor der Entscheidung über eine mögliche Freilassung auf Bewährung. Das geht aus zwei Beschlüssen des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 21. April hervor (Az. 6 StR 41/20). Bei den Strafrichtern der Leipziger BGH-Außenstelle ist die Revision des 43-Jährigen in einem anderen Strafverfahren anhängig. Dabei geht es um die Vergewaltigung einer damals 72-jährigen US-Amerikanerin in Portugal im Jahr 2005.

Das Landgericht Braunschweig hatte den Deutschen deshalb am 16. Dezember unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Anzeige

„Maddie“-Verdächtiger sitzt in Kiel in Haft

Derzeit sitzt der Mann in Kiel eine alte Haftstrafe ab, die das Amtsgericht Niebüll bereits 2011 gegen ihn verhängt hatte. Dabei ging es um Handel mit Betäubungsmitteln. Parallel ist wegen der Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet.

Blick auf die Justizvollzugsanstalt Kiel: Hier verbüßt der 43-Jährige derzeit eine Haftstrafe. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Von der BGH-Entscheidung wäre mit abhängig, ob diese U-Haft Bestand hat und damit nahtlos die verbüßte Haftstrafe ablöst. Weil es bei der Revision rechtlich um die Vollstreckung eines europäischen Haftbefehls geht, hat der BGH das Verfahren ausgesetzt und dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgelegt. Das geht aus den veröffentlichten Beschlüssen hervor.

Rechnerisch hätte der Mann demnach am 7. Juni zwei Drittel seiner Haft verbüßt. Ein Gericht müsste dann entscheiden, ob er weiter im Gefängnis bleibt. Aufgrund dieses Termins hatte der BGH den EuGH um eine Entscheidung im Eilverfahren gebeten. Diese scheint im Moment noch auszustehen.

„Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist“

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig geht inzwischen davon aus, dass die vor rund 13 Jahren in Portugal verschwundene dreijährige Madeleine „Maddie“ McCann tot ist. Die Ermittlungen gegen den 43-Jährigen würden daher wegen Mordverdachts geführt. „Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist“, sagte der Sprecher der Behörde, Hans Christian Wolters, am Donnerstag vor Journalisten in Braunschweig.

Mehr zum Thema: Seit 2007 vermisst – Ermittlungen gegen Deutschen im Fall “Maddie” McCann

Von LVZ

Anzeige