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Mitteldeutschland Extremsportler klettert auf die Spitze des City-Hochhauses
Region Mitteldeutschland Extremsportler klettert auf die Spitze des City-Hochhauses
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08:00 25.01.2018
Beängstigend schön: Das City-Hochhaus von oben, fotografiert von der Spitze der Antenne in 155 Metern Höhe.
Beängstigend schön: Das City-Hochhaus von oben, fotografiert von der Spitze der Antenne in 155 Metern Höhe. Quelle: André Kempner / Sir_lih
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Leipzig

Diese Aktion ist wirklich nicht zum Nachahmen empfohlen: Ein junger Mann steht auf einer frei in den Himmel aufragenden Leiter – in 155 Meter Höhe. Sein Blick fällt in eine beängstigend tiefe Schlucht. Unter ihm liegt das Dachgeschoss des in seiner Form an ein aufgeschlagenes Buch erinnernden City-Hochhauses. Er hat es an die Spitze von Leipzigs höchstem Bauwerk geschafft.

Entstanden ist das Bild vor zweieinhalb Wochen. Geschossen hat es ein 19-jähriger Extremsportler aus Kassel. Der junge Mann, der sich im Internet nur Sir_lih nennt, ist Roofer, Anhänger eines Extremsports, bei dem die Akteure ohne Sicherung auf hohe Bauwerke steigen und sich selbst fotografieren. „Ich kletterte mit etwas Adrenalin die Leiter bis an die Spitze. Bis dahin hatte ich mich kein einziges Mal umgedreht“, erzählt er. „Oben angekommen, drehte ich mich um und sah einen unbeschreiblichen Ausblick. Ein Gefühl der unendichen Freiheit ging in mir auf.“

Whats up Leipzig?! w/ @urban.nasa

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Ist man eigentlich lebensmüde, wenn man so eine waghalsige Aktion startet? „Ohne das körperliche Vertrauen würde ich niemals so weit gehen“, sagt er. „Ich bin mir bei allem, was ich klettere, 100 Prozent sicher und kann genau meine Fähigkeiten einschätzen. Natürlich ist ein klarer Kopf von größter Priorität.“ Und was motiviert ihn zu solchem Nervenkitzel? „Ich klettere in die Höhe, um einen Moment der Freiheit genießen zu können.“ Dies gebe ihm die „Möglichkeit, Orte und Aussichten zu sehen, die unbeschreiblich einzigartig und besonders sind“.

Zwischen Instagram-Likes und Hausfriedesnsbruch

Seit zwei Jahren ist Sir_lih in der Roofing-Szene unterwegs. Angefangen hat er vor fünf Jahren mit Parkour und Freerunning, zwei Trendsportarten, bei denen es darum geht, sich möglichst akrobatisch und effizient im urbanen oder natürlichen Raum fortzubewegen. Sir_lih: „Da die beiden Hobbys viele Gemeinsamkeiten haben, konnte ich mein erlerntes Körpergefühl auf das Roofing übertragen. Durch das Roofen habe ich besonders meine Höhenangst überwunden und gleichzeitig sehr viel Sicherheit beim Klettern gewonnen.“

Mittlerweile kennt er alle Höhen seiner Heimatstadt Kassel, sucht nach immer neuen Herausforderungen. Er hat den Kölner Dom bezwungen, hat Hochhäuser in London und 200-Meter-Funkmasten bestiegen. Als nächstes geht es nach Benidorm (Spanien) und in die chinesischen Roofer-Paradiese Hong Kong, Shenzen und Shanghai. So spektakulär die Aktionen sind und so schön es wohl wäre, den Ruhm wie jeder andere Sportler in der Öffentlichkeit zu genießen: Die Roofing-Szene agiert nur in der Anonymität. Denn ihre Aktionen sind illegal, erfüllen den Straftatbestand des Hausfriedensbruchs.

Ihre Anerkennung holen sich die Extremsportler in den sozialen Netzwerken, wo sie die Bilder ihrer atemberaubenden Aktionen veröffentlichen. Sir_lih’s Instagram-Profil zählt mittlerweile gut 2400 Abonnenten. Allein sein Bild vom City-Hochhaus bekam bislang mehr als 600 Likes.  

K. S.