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Mitteldeutschland Expertin aus Leipzig: „Viele ‎Ostdeutsche fremdeln mit Europa“
Region Mitteldeutschland Expertin aus Leipzig: „Viele ‎Ostdeutsche fremdeln mit Europa“
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12:42 27.05.2019
Die Leipziger Politologin Astrid Lorenz. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Europa-Expertin Astrid Lorenz ist angesichts des Zuspruchs für die AfD bei der Europawahl in Sachsen nicht überrascht. „Viele ‎Ostdeutsche fremdeln mit Europa, besonders in Grenznähe und auf dem Land“, sagte die Politikwissenschaftlerin.

Kritik an Russland-Sanktionen

Viele ‎Unternehmer beklagten etwa die negativen Folgen der EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland. „Diese Stimmung ist ‎in allen ostdeutschen Ländern zu beobachten, unabhängig von der Regierungskonstellation“, so Lorenz. Sie sieht darin Ähnlichkeit zum Wahlverhalten in den ostmitteleuropäischen Staaten. „Die EU wird hier oft gleichgesetzt mit ‎Brüsseler Bürokratie, unkontrollierbarer Entgrenzung und dem Wegzug junger Leute“, sagte Lorenz.

„Viele Bürger ‎sehen nicht, auf welchen Wegen die etablierten Parteien ihre Interessen in der EU vertreten.“ Lorenz hat an der Leipziger Universität die Professur für Politisches System der Bundesrepublik Deutschland/Politik in Europa inne.

AfD nicht so stark wie erwartet

Der Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig, Gunther Schnabl, bewertet die Gewinne für die AfD bei der Europawahl in Sachsen als weniger stark als erwartet. „Von daher haben sich die Wählermobilisierungskampagnen der großen Parteien in gewisser Weise auch ausgezahlt“, sagte Schnabl. Das gute Abschneiden der Grünen sei zudem ein Zeichen, dass die Partei die Klimadebatte für sich nutzen konnte.

Volksparteien ohne Lösung

Bei der Europawahl hätte sich zudem gezeigt, dass die europäischen Volksparteien keine Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme in der Union hätten. „Sie verlieren deshalb stetig an Stimmen und es gewinnen die Parteien an den Rändern“, sagte Schnabl.

Ein langsameres Wirtschaftswachstum wirke sich als erstes auf Ostdeutschland aus, da es dort weniger Vermögen und ein niedrigeres Lohnniveau gebe. „Deswegen kommt diese schleichende Krise bei den Menschen früher an“, erklärte er. Dies sei ein Grund, weshalb die Menschen dort eher für die Ränder abstimmen würden.

Von LVZ