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Mitteldeutschland Ermittler durchsuchen Wohnung des Halle-Attentäters Stephan B.
Region Mitteldeutschland Ermittler durchsuchen Wohnung des Halle-Attentäters Stephan B.
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11:58 10.10.2019
Polizeieinsatz in Benndorf: Beamte durchsuchen die Wohnung der Mutter von Stephan B. Hier soll der Attentäter von Halle zehn Jahre lang gelebt haben. Quelle: Jan Sternberg
Karlsruhe/Halle

Nach den Schüssen auf eine Synagoge in Halle/Saale und dem Tod von zwei Menschen ist eine Wohnung des mutmaßlichen Täters in Benndorf im Landkreis Mansfeld-Südharz durchsucht worden. Dabei seien Beweismittel sichergestellt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Donnerstagmorgen.

Von der Durchsuchung hatte zuvor der MDR Sachsen-Anhalt berichtet. In dem 2500-Einwohner-Dorf nordwestlich von Eisleben wohnte der Mann nach LVZ-Informationen zehn Jahre lang mit seiner Mutter, zuletzt immer zurückgezogener. Er soll viel am Computer gesessen und Videospiele gespielt haben, nachdem er ein Studium abgebrochen hatte.

Die Polizei hat das Wohnhaus abgesperrt. Quelle: Jan Sternberg

Polizei sucht nach möglichen Mittätern

Der mutmaßliche Täter war zuvor offenbar nicht als Rechtsextremer aufgefallen. Geprüft werde, ob es Mittäter gegeben habe. Die Bundesanwaltschaft sieht die Tat rechtsextremistisch und antisemitisch motiviert – auch das Bekennervideo sei eindeutig antisemitisch und rechtsextremistisch.

Entsetzen nach den beiden Attentaten.

„Er hat geplant, Menschen zu töten“, so ein Ermittler. Letztlich habe er aber seinen Anschlagsplan nicht umsetzen können. Einzelheiten über den offenbar verletzten 27-jährigen Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wurden zunächst nicht bekannt. Derzeit wird das Umfeld des Mannes ermittelt.

Ermittlungen wegen Mordes und Mordversuchs

Die Bundesanwaltschaft sieht in dem Angriff eine staatsgefährdende Tat. Ermittelt wird unter anderem wegen Mordes und Mordversuchs. Übernommen hat die oberste Anklagebehörde das Ermittlungsverfahren wegen des „spezifischen staatsgefährdenden Charakters der Tat und der besonderen Bedeutung des Falles“.

Der mutmaßliche Täter war am Mittwoch bei Hohenmölsen im Burgenlandkreis festgenommen worden, als er mit einem Taxi flüchtete. Er hatte nach Angaben aus Sicherheitskreisen gegen Mittag versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Mehr als 50 Menschen hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur.

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Nachdem der Anschlagsversuch scheiterte, soll er vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. B. soll die Tat gefilmt und per Helmkamera live ins Internet übertragen haben, bevor er vom Tatort floh.

Von LVZ/dpa/nöß/jps