Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Einstige DDR-Marken werben in Berlin um Kunden
Region Mitteldeutschland Einstige DDR-Marken werben in Berlin um Kunden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:15 05.04.2019
Dicht an dicht aufgereiht präsentieren sich die DDR-Klassiker auf der Ostproduktemesse in Berlin. Quelle: Foto: Christoph Soeder/dpa
Berlin

Auf der Ostpro-Messe in Berlin können Nostalgiker an diesem Wochenende wieder in Erinnerungen schwelgen. Mehr als 100 Firmen aus den neuen Ländern präsentieren sich bis Sonntag auf der größten Verkaufsschau für Ostprodukte, die am Freitag ihre Tore öffnete. Schon seit 1991 lockt die Ostpro zweimal im Jahr in die Hauptstadt, inzwischen gibt es auch Ableger in Erfurt, Dresden und Cottbus. Viele Hersteller bekannter DDR-Marken überlebten die Wende nicht, manche wie das Waschmittel Spee kommen inzwischen aus dem Westen. Doch einige der Klassiger halten sich bis heute. Wie stehen diese Ostprodukte 30 Jahre nach dem Mauerfall da?

Leckermäulchen

Den Leckermäulchen-Quark dürften vielen Ostdeutsche kennen. Seit Ende der 1970er-Jahre gab es die Nachspeise aus Weißenfels in der DDR. Nach der Wende verschwand der Klassiker zu- nächst aus den Verkaufsregalen. 1995 nahm der Betrieb, der drei Jahre zuvor von Frischli aus Nordrhein-Westfalen übernommen worden war, das Ostprodukt wieder ins Sortiment. Ohne größere Werbeaufwendungen fand das Produkt in den neuen Ländern schnell wieder Käufer.

Zwar sei Nostalgie nach wie vor ein Kaufgrund, aber sie spiele deutlich weniger eine Rolle, erklärt Frischli-Marketingleiter Curd Kießler: „Es wird nicht gekauft, weil man sagt, ich muss jetzt was aus dem Osten haben.“ Heutzutage seien Qualität und Preis wichtiger.

Gerade für ältere Generationen sei die Tradition aber noch ein Kaufgrund. Was vor allem daran liege, dass der Quark zu DDR-Zeiten nur selten verfügbar gewesen sei. „Durch diese erlebte Knappheit haben diese Produkte von früher, die es heute noch gibt, einen Nimbus“, sagt Kießler. In den neuen Bundesländern setzt das Unternehmen deshalb auch mehr ab. Von den 40 Millionen Stück im vergangenen Jahr seien etwa 65 Prozent im Osten verkauft worden.

Berliner Luft

Schon seit 1932 stellt die Firma Schilkin Spirituosen in Berlin her. Bekannt ist das Unternehmen mittlerweile bundesweit auch durch den Pfefferminzlikör „Berliner Luft“. Zu DDR-Zeiten gab es den nur für Ostdeutsche. Geschäftsführer Erlfried Baatz kann mit dem Begriff „Ostmarke“ nicht viel anfangen: „Das ist nicht ein Thema „Ostmarke“, das ist ein Thema Berliner Traditionsmarke.“ Von einer „Ostalgie“ sei keine Rede mehr. Seit der Wende sei es bergauf gegangen für den Likör. Als er vor fünf Jahren antrat, verkaufte Schilkin 150 000 der 0,7-Liter-Flaschen im Jahr, sagt Baatz. 2018 seien es sechs Millionen gewesen.

Rabe Spreewälder Gurken

Mit Spreewald-Gurken können auch Westdeutsche etwas anfangen. Die Firma Rabe Spreewälder Konserven verkauft seit Ende des 19. Jahrhunderts das Gemüse. „Es gibt viele Leute, die sich auf verschiedene DDR-Produkte besinnen“, weiß Vertriebsleiterin Heidemarie Belaschk. Bei der Spreewald-Gurke stecke noch Nostalgie dahinter.

Auch deshalb bringt das Unternehmen Gurken – eingelegt nach altem DDR-Rezept – wieder auf den Markt. Diese würden weniger Zucker enthalten. Von der klassischen Spreewald-Gurke verkaufte das Unternehmen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben etwa eine halbe Million Gläser: „Spreewald-Gurken haben sich bundesweit etabliert“, ist sich Belaschk sicher.

Echter Nordhäuser

Schon vor der Gründung der DDR stellte der Betrieb Nordbrand Nordhausen Schnäpse unter der Marke „Echter Nordhäuser“ in Thüringen her. Ab 1960 wurden die Spirituosen auch im Westen verkauft. Für den Chef der Brennerei, die seit 2006 zum Sektriesen Rotkäppchen-Mumm aus Freyburg in Sachsen-Anhalt gehört, sind die Wurzeln der Marke wichtig. Heute seien die Produkte aber bundesweit vertreten, sagt Robert Becke: „Deshalb wäre der Begriff Ostmarke aktuell keine ausreichende Beschreibung ...“

Der Absatz der Nordhäuser ging den Angaben zufolge von rund 15 Millionen Flaschen pro Jahr zur Wendezeit auf weniger als 10 Millionen im Jahr 2018 zurück. Dies sei aber auf den sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch an Spirituosen bundesweit zurückzuführen. Die Wurzeln der Marke seien beim Absatz von Korn und Doppelkorn durchaus bemerkbar, sagt Becke. Diese würden sich besonders gut in Ostdeutschland verkaufen.

Inzwischen wurde das Sortiment aber deutlich erweitert: Seit 2015 kommen auch die Kräuterliköre „Fläminger Jagd“ und „Jagdhütte“, die bis dahin in Zahna bei Wittenberg in Sachsen-Anhalt gebrannt wurden, aus Nordhausen. Rotkäppchen-Mumm hatte den „Ost-Jägermeister“ zusammen mit weiteren Marken vom bisherigen Hersteller übernommen und die Produktion nach Nordhausen verlagert. Dadurch kam die Brennerei auch zu drei Rum-Marken, die eigentlich gar keine Ostmarken sind: „Asmussen“, „Boddel“ und „Balle“ kamen eigentlich aus der Rum-Hochburg Flensburg und waren erst 2002 in den Osten geholt worden.

Rotkäppchen

Konzernmutter Rotkäppchen macht dagegen schon seit Jahren einen Bogen um Messen wie die Ostpro. Man sei längst keine Ostmarke mehr und sehe sich als gesamtdeutsches Produkt, sagte der scheidende Produktionsvorstand Ulrich Wiegel am Dienstag in Leipzig. Schließlich ist Rotkäppchen inzwischen auch in den alten Ländern Marktführer; der größte Produktionsstandort seit der Übernahme von Mumm nicht mehr Freyburg, sondern Eltville in Hessen. Das, so ist sich Firmenchef Christof Queisser sicher, hätte man als reines Ostprodukt nie geschafft.

Von Sven Braun und Frank Johannsen

Zum Abschluss der dreitägigen CDU-Fraktionsklausur, die seit Mittwoch in der Leipziger Kongreßhalle am Zoo stattgefunden hat, gibt es heftige Kritik am Koalitionspartner SPD vor allem zum Thema Straßenbau.

05.04.2019
Mitteldeutschland Novellierung des Polizeirechts - Sächsische Ärzte machen mobil

Im Sächsischen Landtag wird in der kommenden Woche die Novellierung des umstrittenen Polizeirechts diskutiert. Im Vorfeld regt sich Widerstand bei den sächsischen Ärzten.

05.04.2019

Nach der Germania-Pleite war Laudamition in Dresden und Erfurt eingesprungen – und übernimmt ab Mitte Juni die Mallorca-Flüge der Pleite-Airline. Jetzt kam die Ankündigung: Das soll auch im Winter weitergehen – zumindest in Dresden.

05.04.2019