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Mitteldeutschland EU-Austritt der Briten bedroht in Mitteldeutschland fast 10.000 Jobs
Region Mitteldeutschland EU-Austritt der Briten bedroht in Mitteldeutschland fast 10.000 Jobs
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21:51 13.03.2019
Die Autoindustrie in Sachsen – hier ein Blick ins Leipziger BMW-Werk – wird die Konsequenzen des Brexit spüren. Quelle: dpa
Halle/Leipzig

Das britische Unterhaus hat am Mittwoch einen Austritt aus der EU ohne Abkommen abgelehnt, also gegen den sogenannten No-Deal-Brexit votiert. Bei zwei Abstimmungen am Mittwochabend sprachen sich die Parlamentarier dafür aus, einen solchen Schritt auf jeden Fall verhindern zu wollen. Am Tag zuvor hatten sie aber auch gegen das Austrittsabkommen gestimmt, das Premierministerin Theresa May und Brüssel in Last-Minute-Gesprächen nachgebessert hatten. Damit geht das Gerangel um den Brexit in die nächste Runde: Am Donnerstag entscheiden die Parlamentarier, ob London eine Verschiebung des EU-Austritts beantragen soll.

10.000 Jobs in Sachsen gefährdet

Wird keine Verlängerung gewünscht, steht der 29. März als Austrittsdatum fest. Dass bis dahin noch eine Regelung zustand kommt, ist unwahrscheinlich. Dieses Szenario liefe dann doch auf einen ungeregelten Brexit hinaus, der für den hiesigen Arbeitsmarkt enorme Konsequenzen hätte: In Mitteldeutschland wären fast 10.000 Jobs gefährdet, die Hälfte davon allein in Sachsen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erstellten Simulation.

Am stärksten betroffen wären dabei die Großstädte Leipzig und Dresden, wo jeweils mehr als 500 Jobs auf dem Spiel stehen. „Ein harter Brexit würde die globalen Wertschöpfungsketten durcheinanderwirbeln“, warnt der IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller. Das werde vor allem die deutsche Autoindustrie zu spüren bekommen. „Die Automobilstandorte werden am stärksten betroffen sein.“

Große Auswirkungen in Leipzigs Automobilbranche

Die größten Auswirkungen gäbe es daher auch in Leipzig, dank BMW und Porsche inzwischen größter Automobilstandort in Mitteldeutschland noch vor Zwickau. Allein 660 Jobs seien in Leipzig in Gefahr. Das wären sogar mehr als am VW-Stammsitz Wolfsburg, wo die Wissenschaftler mit 500 betroffenen Stellen rechnen. Fast ebenso hart wie Leipzig würde es auch Dresden treffen, wo 647 Stellen auf der Kippe sind. Hart treffen würde es laut IWH auch den Landkreis Zwickau mit seinem VW-Werk in Mosel. 421 Jobs sehen die Forscher dort in Gefahr. Sogar 424 sind es im Erzgebirgskreis, wo zahlreiche Zulieferer ihren Sitz haben. In Thüringen sind am Opel-Standort Eisenach und im Wartburgkreis 242 Jobs in Gefahr.

Insgesamt rechnen die Forscher in Sachsen mit 4800 betroffenen Jobs, in Thüringen mit 2600 und in Sachsen-Anhalt mit knapp 2400. Damit wären in Mitteldeutschland fast 9800 Stellen in Gefahr. In ganz Deutschland sind es sogar knapp 103.000 Stellen. Damit wäre Deutschland so stark betroffen wie kein anderes Land der Welt: In Großbritannien selbst sehen die Forscher aus Halle nur 12.300 Jobs in Gefahr.

Sachsens Landtag debattiert über Brexit-Übergangsgesetz

Großbritannien ist bisher der drittwichtigste Auslandsmarkt für Waren aus Sachsen – vor allem für Autos. Für das Leipziger BMW-Werk ist das Land sogar der wichtigste Auslandsmarkt überhaupt: Zudem bezieht das Leipziger Werk Motoren aus Großbritannien. Porsche und VW liefern im Gegenzug aus den Werken in Leipzig und Zwickau Karosserien an die britische VW-Tochter Bentley. Und Opel baut in seinem Werk in Eisenach auch die Modelle Corsa und Adam für die britische Schwestermarke Vauxhall.

„Klar ist, dass sich ein No-Deal-Brexit nachteilig auf unsere Geschäftstätigkeit auswirken wird“, sagte BMW-Einkaufsvorstand Andreas Wendt der „Automobilwoche“. BMW habe sich längst auf den Brexit vorbereitet und in Großbritannien die Werksferien von Juli auf April vorgezogen. Das Leipziger Werk das bisher Motoren aus Großbritannien bezieht, hat bereits die Lagerbestände hochgefahren, um auch ohne Nachschub weiter zu produzieren. Wendt: „Das gibt uns Spielraum für einen geordneten Übergang.“

Auch Sachsens Landtag debattierte am Mittwoch über den Brexit. Staatskanzleichef Oliver Schenk (CDU) erklärte, das Brexit-Übergangsgesetz werde Rechtssicherheit für Unternehmen und Bürger schaffen. Man habe alle Vorkehrungen für einen geordneten Austritt getroffen.

Von Frank Johannsen

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