Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Dürre: Hunderte Liter zu wenig Niederschlag in Sachsen
Region Mitteldeutschland

Dürre in Sachsen: Umweltminister Günther besorgt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:04 27.07.2020
Sachsen, Ballendorf: Eine Kuh versucht, auf einer vertrockneten Weide noch etwas Futter zu finden. Quelle: Jan Woitas/dpa
Anzeige
Dresden

Sachsens Umweltminister Wolfram Günther sieht die Dürre und ihre Auswirkungen als große Herausforderung, die systematisch gelöst werden muss. „Ich sehe die Trockenheit nicht als Sorge, sondern als Aufgabe“, sagte der Grünen-Politiker im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe darum, in allen Sparten mit allen Akteuren gemeinsam systematisch diese Probleme lösen, weil es die neue Realität sei.

Sachsen leidet wie andere Bundesländer auch an der langanhaltenden Trockenheit. Laut Wetterdaten fehlten in Sachsen von November 2017 bis Dezember 2019 rund 335 Liter Niederschlag ‎pro Quadratmeter. Vor allem in Nord- und Ostsachsen ist es besonders trocken. Laut Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie betrug 2018 das Niederschlagsdefizit 33 Prozent und im vorigen Jahr 14 Prozent.

Anzeige

„Es regnet signifikant weniger, es verdunstet immer mehr“

Der mittlere Grundwasserspiegel in Sachsen lag Ende vergangenen Jahres 40 Zentimeter unter dem Mittel der Jahre 1989 bis 2019. Ende Januar 2020 wurde bereits an 30 Prozent aller Flusspegel Niedrigwasser registriert. „Es regnet signifikant weniger, es verdunstet immer mehr. Da haben wir ein strukturelles Problem“, konstatierte Günther.

Das seinem Hause unterstellte Landesamt macht auch beim Blick in die Zukunft wenig Hoffnung auf Besserung. „Wir haben eine durchgreifende Erwärmung festgestellt und für die Zukunft ist eine Fortsetzung dieser Entwicklung zu erwarten. Wir leben seit Herbst 2013 in einer Phase, in der sämtliche Jahreszeiten wärmer waren als der Durchschnitt“, sagt Referatsleiterin Andrea Hausmann der dpa.

Die Klimaprojektionen reichen bis in das Jahr 2100. „Die Erwärmung wird weitergehen. Man rechnet mit einer Erwärmung um ein bis fünf Kelvin bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Bei den Jahresniederschlägen wird von einem Rückgang um fünf bis 30 Prozent ausgegangen“, sagt die Expertin.

Günther will die Ärmel hochkrempeln

Günther, seit Dezember in der Koalition aus CDU, Grünen und SPD der erste grüne Minister im Land für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, will die Ärmel hochkrempeln. Der von Trockenheit und Borkenkäferbefall angegriffene Wald als natürlicher Wasserspeicher soll umgebaut werden. Für den Umweltrechtler heißt das: keine Kahlschläge mehr, keine Monokultur und keine Altersreinbestände.

Weil das nicht von Heute auf Morgen „mit einem Fingerschnippen“ gehe, sondern Jahrzehnte in Anspruch nehme, müsse jetzt jeder Schritt stimmen. Sowohl beim Staatsbetrieb Sachsenforst als auch bei privaten Waldbesitzern soll die Arbeit mit verschiedenen Waldstadien gefördert werden. „Wir fördern jetzt neuerdings die Naturverjüngung.“

In Städten geht es um Beschattung und Wasserspeicherung. Freiflächen wie alte Bahnstrecken sollen als Windschneisen dienen, Fassaden und Dächer begrünt werden. Gießaktionen für Bäume, die bei Hitze als Schattenspender gesucht würden, müssten Normalität werden. „Grün ist kein ‚nice to have’, Stadtgrün ist überlebensnotwendig“, sagt der Umweltminister.

Städte brauchen mehr Grün

Darin ist er sich mit dem Präsidenten der Architektenkammer Sachsen, Andreas Wohlfahrt, einig: Städte brauchten vor allem mehr Grün. „Es bringt Abkühlung durch Schatten und Verdunstung, zudem erhöht es das Wohlbefinden allgemein. Parks sind deshalb genauso wichtig wie möglichst viele Bäume und die Begrünung von Fassaden“, sagt er.

Die Landwirtschaft müsse sich umstellen, sagt Günther. „Wir merken, dass Dürre und Wassermangel für unsere sächsischen Verhältnisse keine Ausnahme mehr sind, sondern das ist die neue Normalität“, stellt er fest. Nach seiner Meinung müssen die Betriebe deswegen auch für Sachsen neue Pflanzenarten anbauen wie Hirse oder Soja. Um mit weniger Wasser auszukommen, sei Streifenwirtschaft eine Maßnahme. Dabei würden laut Günther zwei Drittel des Bodens nicht mehr umgebrochen und so besser vor Austrocknung geschützt.

„Jeder Tropfen Wasser, den ich im Boden habe, ist kostbar“

„Jeder Tropfen Wasser, den ich im Boden habe, ist kostbar. Wir müssen das Schwammverhalten der Landschaft erhöhen“, betont Günther. Vom Land gefördert werden soll daher auch das Anpflanzen von Hecken, die sowohl den Wind brechen als auch dem Artenschutz dienen. „Wir haben sehr gute Hecken-Programme. Man kann auch als Landwirt mit einer Hecke ganz normal sein Geld verdienen“, so der Landwirtschaftsminister.

Entwarnung gibt Günther beim Blick auf die Trinkwasser-Talsperren. Aktuell sei der Füllstand insgesamt in Ordnung, sagt er. „Im Moment muss keiner Angst haben um das Trinkwasser“, versichert Sachsens Umweltminister. Mit Stand vom 20. Juni waren die 21 Staubecken im Schnitt zu fast 87 Prozent gefüllt. Allerdings ist die Spanne gewaltig: Während die zu Chemnitz gehörende Talsperre Einsiedel zu 100 Prozent gefüllt war, waren es bei der Talsperre Lehnmühle (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) nicht einmal 30 Prozent.

Von RND/dpa