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Mitteldeutschland Erneuter Einstieg ins Grüne Gewölbe – diesmal waren Polizisten dran
Region Mitteldeutschland Erneuter Einstieg ins Grüne Gewölbe – diesmal waren Polizisten dran
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11:15 03.12.2019
Die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste gehört zu dem Diebesgut aus dem Grünen Gewölbe. Quelle: Grünes Gewölbe/Polizeidirektion Dresden/dpa
Dresden

Das Dresdner Residenzschloss kommt nicht zur Ruhe. Genau eine Woche nach dem Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe haben Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag den Tathergang nachgestellt. Zur gleichen Uhrzeit wie am Tattag – morgens um fünf Uhr – überwanden Fahnder die äußere Sicherung. Die Ermittler wollten so herausfinden, wie die Einbrecher ungesehen an das Fenster zu dem Museum gelangen konnten. Gleichzeitig prüften Staatsanwaltschaft und Polizei die Abläufe in der Sicherheitszentrale sowie die technischen Abläufe innerhalb des Museums bei dem nachgestellten Einbruch.

Vergitterung erneut durchtrennt

Das von den Einbrechern gewaltsam durchtrennte und am vergangenen Mittwoch von Handwerkern wiederhergestellte Gitter wurde zur Rekonstruktion des Tatablaufes von den Ordnungshütern erneut aufgeschnitten. „Der Durchstieg war extrem eng, aber unsere Testperson hat durchgepasst“, versicherte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt. Auf die Frage, ob bei der Rekonstruktion des Einbruchs drinnen auch mit einer Axt auf die Vitrinen des Grünen Gewölbes eingedroschen wurde, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden: „Auf die Wiederholung dieses Details konnte mit Rücksicht auf die verbliebenen Ausstellungsstücke durchaus verzichtet werden.“

In das Grüne Gewölbe in Dresden ist ein Einbruch verübt worden. In den Ausstellungen lagern mehr als 4000 zum Teil einzigartige Exponate.

„Noch kein rauchender Colt“

Bislang seien über 500 Hinweise eingegangen, davon 160 über das geschaltete Hinweisportal der MDR-Sendung „Kripo Live“. „Die Qualität der Hinweise ist noch nicht abschließend bewertet, da stehen wir noch ziemlich am Anfang“, sagte der Sprecher. „Einen rauchenden Colt haben wir bisher nicht dabei. Aber das kann sich im Laufe der Ermittlungen durchaus noch ergeben.“

»Neue Hinweise können mitunter eine sehr schnelle Reaktion der Ermittler erfordern. Plötzliche Exekutivmaßnahmen wie Durchsuchungen und Vernehmungen sind daher jederzeit möglich“, erklärte der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa. Bislang bestehe aber noch kein dringender Tatverdacht gegen eine konkrete Person. „Die Ermittlungen dauern an und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.“

Suche nach den Tätern und ihrer Beute

Digitale Forensiker nutzen Künstliche Intelligenz

Für die Aufklärung des Falles nutzt die Sonderkommission auch externen Sachverstand der Hochschule Mittweida. Experten des dortigen Studienganges Allgemeine und digitale Forensik sollen das umfangreiche Videomaterial analysieren und dessen Qualität verbessern. Auf einem Überwachungsvideo sind laut Polizei zwei Täter zu sehen. Sie zerschlugen eine Vitrine mit einer Axt und stahlen mehrere Juwelen. Die Kriminalpolizei geht jedoch von mindestens vier Tätern aus.

„Wir haben heute das komplette Material übernommen und werden es so schnell wie möglich bearbeiten“, sagte der Leiter des Studienganges Allgemeine und Digitale Forensik Prof. Dirk Labudde der LVZ. Er sei „voller Hoffnung, dass sich dabei neue Fahndungsansätze ergeben“. Ein Kernteam von drei Wissenschaftlern werde die Aufzeichnungen der Überwachungskameras aus der Schatzsammlung bearbeiten, bei Bedarf könne Verstärkung hinzugezogen werden. „Dabei kommen verschiedene Programme, Filtertechniken und auch künstliche Intelligenz zum Einsatz, um alle verfügbaren Spuren und Hinweise verarbeiten zu können“, sagte der Wissenschaftler. Im Extremfalle könne die Auswertung aber einige Monate dauern.

Zurückgelassenen Juwelen werden rekonstruiert

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten das Videomaterial aus den Staatlichen Kunstsammlungen als „eher mangelhaft“ bezeichnet. „Für Kriminaltechniker und Ermittler wäre höchstmögliche Videoqualität von möglichst vielen Kameras immer hilfreich“, sagte Labudde. „Datenschützer fänden das wiederum nicht so gut.“ Die Digitalisierung schreite in allen Bereichen voran. „Aber Absicherung ist auch eine Frage des Geldes. Da müssen Aussteller Aufwand und Nutzen abwägen“, so der Mittweidaer Wissenschaftler.

Für die von den Juwelendieben im Grünen Gewölbe mit Pulver besprühten Schmuckstücke gibt es Hoffnung. „Nach der gegenwärtigen Einschätzung werden die verbliebenen Werke rückstandslos gereinigt werden können“, sagte ein Sprecher der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD). „Damit sind die Restauratoren derzeit befasst.“

Halbe Million Euro für Hinweise zu den Tätern

Die Einbrecher hatten am Montag vor einer Woche aus einer Vitrine gut zwei Dutzend der insgesamt rund 100 Teile umfassenden Juwelengarnituren mit Diamanten und Brillanten gestohlen. Sie waren am frühen Morgen gewaltsam in das Museum eingedrungen und hatten im Juwelenzimmer mit einer Axt drei Löcher ins Vitrinenglas geschlagen. Die Stücke, die sie in der Kürze der Zeit darin nicht zu fassen bekamen, besprühten sie offenkundig mit Feuerlöschpulver, um Spuren zu verwischen.

Das barocke Schatzkammermuseum August des Starken (1670-1733) ist seitdem geschlossen. An einer Übergangslösung für den Bereich der zerstörten Vitrine im Juwelenzimmer wird nach Angaben der SKD gearbeitet. „Wir möchten das Historische Grüne Gewölbe möglichst zeitnah wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagte der Sprecher. Gemeinsam mit der Bauverwaltung des Freistaates, Polizei und Landeskriminalamt werde derzeit das Sicherheitskonzept überprüft. Die Polizei hat eine Belohnung in Höhe von 500 000 Euro für Hinweise zur Straftat und zu den Tätern ausgelobt.

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Von Winfried Mahr

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