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Mitteldeutschland Dolmetscher in Sachsen mit guten Berufschancen
Region Mitteldeutschland Dolmetscher in Sachsen mit guten Berufschancen
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10:10 22.09.2018
Dolmetscher werden vor allem in Behörden gebraucht. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Dresden

Arabisch, Persisch, Paschtu oder Tigrinya – die Berufschancen für Sprachmittler sind aktuell gut. Sie sind vor allem in den Behörden gefragt, wie eine dpa-Umfrage ergab. Laut der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz gab es 2017 im Freistaat 291 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Dolmetscher, zehn mehr als im Jahr 2016 und 90 mehr als im Jahr 2013. Allerdings seien Dolmetscher und Übersetzer oft Freiberufler. Deshalb sei das Bild unvollständig.

Der Anteil ausländischer Gefangener in den sächsischen Haftanstalten ist laut Justizministerium in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Aktuell ist fast jeder dritte (28,9 Prozent) der mehr als 3400 Gefangenen Ausländer. Der größte Teil von ihnen (15,4 Prozent) kommt aus Polen, gefolgt von Tunesiern (10,9 Prozent), Libyern (10,8 Prozent), Georgiern (6,6 Prozent) sowie Marokkanern (6,3 Prozent) und Tschechen (6,1 Prozent). Die Haftanstalten haben aktuell acht Dolmetscher eingestellt: vier für Arabisch und je einen für Russisch, Tschechisch, Polnisch, Englisch/Französisch. Außerhalb von deren Dienstzeiten helfen Honorarkräfte. Die Ausgaben dafür sind den Angaben zufolge von 2015 bis 2017 von 104 000 Euro auf 445 000 Euro gestiegen. Für dieses Jahr werden 534 000 Euro prognostiziert.

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Über eine Hotline vermittelt der Verein beeidigter Dolmetscher und Übersetzer Sachsen rund um die Uhr Dolmetscher für Justiz, Polizei, Kliniken und Krankenhäuser, soziale Dienste, Jugend- und Ordnungsämter. Das seien in der Regel alles gut ausgebildete Kollegen, sagt die stellvertretende Vereinschefin Edina Weidemann. Es gebe aber viele, die Dolmetscherdienste anböten, obwohl sie gar nicht qualifiziert seien.

Wiedemann zufolge ist Arabisch aktuell am meisten gefragt. „Sehr oft, fast täglich.“ Aber auch für Urdu (Pakistan), Dari und Farsi (Iran), Paschtu (Afghanistan), Somali (Somalia), Tigrinya (Eritrea) und Kurdisch in allen Dialekten sowie Georgisch und Tadschikisch würden oft Dolmetscher angefordert, immer weniger hingegen für Tschechisch und Polnisch.

Der Kostendruck sei erheblich, sagt Weidemann. Zwar sei die Vergütung im Justizbereich mit 70 bis 75 Euro je Stunde gesetzlich geregelt. Die Behörden versuchten jedoch mit Rahmenverträgen günstiger zu kommen. Einige Auftraggeber zahlten nur 20 Euro.

Eine Ehrenamtsentschädigung von gerade mal 18 Euro zahlt die Stadt Dresden für einen Dolmetschereinsatz von bis zu zwei Stunden. Die Behörden nutzen den sogenannten Gemeindedolmetscherdienst, der vom „Dresdner Verein für soziale Integration von Ausländern und Aussiedlern“ ehrenamtlich bestritten wird. Der Verein bietet den Angaben zufolge 25 Sprachen an. Die 62 ehrenamtlichen Dolmetscher erhalten Jahresausweise. Sie können von Behörden, Einrichtungen des Gesundheitswesens, Vereinen, Schulen, Kindergärten und Privatpersonen gegen eine geringe Aufwandsentschädigung angefordert werden.

Im Amt für Jugend und Familie der Stadt Chemnitz ist der Bedarf an Dolmetscherleistungen wegen der steigenden Zahl ausländischer Kinder und Jugendlichen deutlich größer geworden. Betroffen seien vor allem die Kindertagesstätten, der Allgemeine Sozialdienst und die Sonderdienste und die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Ausländer. Gebraucht würden vor allem Arabisch und Persisch, aber auch Paschtu und Tigrinya. Im Standesamt seien bei der Beurkundung von Geburten mit Migrationshintergrund grundsätzlich Dolmetscher erforderlich. Dort seien meist Arabisch, Persisch, Russisch, Tschechisch, Punjabi, Albanisch, Dari, Vietnamesisch, Englisch und Bulgarisch gefragt.

Am Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) der Universität Leipzig werden Dolmetscher und Übersetzer für Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch, aber auch Katalanisch ausgebildet. Hinzu kommen am Orientalischen Institut Übersetzer für Arabisch. Englisch und Französisch seien besonders begehrt, sagt Carsten Sinner vom IALT. „Die Nachfrage ist gut.“ Im ersten Studienjahr gebe es aktuell 150 Studierende. „Wir können nicht alle Bewerber berücksichtigen.“ Es gebe Einstellungsprüfungen.

Sinner zufolge ist die Ausbildung für viele Fremdsprachen eingestellt worden, weil die Uni Stellen für Lehrkräfte gestrichen hat. Aktuell kämpfe das Institut um den Erhalt der Dolmetscher- und Übersetzerausbildung für Russisch. 

dpa