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Mitteldeutschland Bauern tagen in Sachsen – Hitze bereitet Landwirten Probleme
Region Mitteldeutschland Bauern tagen in Sachsen – Hitze bereitet Landwirten Probleme
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15:51 25.06.2019
Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert zum Deutschen Bauerntag in Schkeuditz mehr Verständnis für die Landwirte. Quelle: Annette Riedl/dpa
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Schkeuditz

Gluthitze knallt auf die Erntemaschinen und Zelte, die zum Deutschen Bauerntag im nordsächsischen Schkeuditz aufgebaut wurden. Womit sich eines der Topthemen quasi in die Tagesordnung einbrennt. „Immer länger anhaltende Trockenheit, aber auch zunehmende Extremwetterereignisse machen den deutschen Bauern mächtig zu schaffen", sagte Joachim Rukwied vor dem am Mittwoch beginnenden Treffen mit rund 1000 Landwirten, Politikern und Gästen aus dem ganzen Bundesgebiet. Den Schaden des vergangenen Jahres schätzte er auf rund drei Milliarden Euro. Die meisten Betriebe litten noch immer unter den Folgen der Dürre und den damit verbundenen Ertragsausfällen.

Gentechnik soll stärker genutzt werden

Angesichts der Klimaveränderungen forderte der Verbandschef: „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Auch die Bundesregierung nicht.“ In Europa sei in den zurückliegenden Jahren zu wenig geforscht werden, um Pflanzen widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Pilzkrankheiteen zu machen. Um diese Fähigkeiten in die Pflanzen einzüchten zu können, forderte Rukwied vor dem erstmals in Sachsen stattfindenden Verbandstreffen eine rasche Änderung des EU-Gentechnik-Gesetzes, damit die nachhaltige Landwirtschaft der vielen Familienbetriebe auch künftig international konkurrenzfähig bleibe.

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„Bräuchten 200 Tage Landregen“

Ohne Unterstützung der Politik und der Verbraucher werde die nachhaltige Landwirtschaft aufs Spiel gesetzt. Als Beispiel nannte der Präsident des gastgebenden Landesbauernverbandes Wolfgang Vogel die Düngeverordnung, wonach auf jeden dritten Hektar in Sachsen nur noch eingeschränkt gedüngt werden dürfe, obwohl die bisherigen Anstrengungen der Bauern für sauberes Grundwasser erst in einigen Jahren sichtbar würden. Angesprochen auf die zu DDR-Zeiten übliche künstliche Bewässerung wandte Vogel ein, dass sich das heute nur noch bei wenigen Kulturen wie Obst, Wein und Kartofffeln lohne. "Zum einen bräuchten wir Tiefbrunnen, denen das Wasserrecht große Hürden entgegenstellt." Zudem seien die Grundwasserreserven nach dem Dürrejahr 2018 bedenklich zurückgegangen. "Was uns jetzt am besten täte, wären 200 Tage Landregen", wünschte sich der Landesverbandschef, der zugleich Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes ist.

Ökonomie an erster Stelle

Scharfe Kritik übte Vogel am anhaltenden Raubbau an Ackerflächen und ungleichen Standards beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. "Wir Bauern wollen ökologisch und ökonomisch produzieren - aber die Ökonomie muss an erster Stelle stehen, sonst stirbt die Landwirtschaft als Ganzes", sagte Vogel. Dieses Signal wolle die bei Leipzig versammelte Bauernschaft an die Politik senden. Dafür stehe auch das Motto des Schkeuditzer Treffens: „Wandel braucht Verlässlichkeit." Zu den Gesprächsrunden und Foren werden auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (alle CDU) erwartet.

NABU fordert mehr Geld für Naturschutz

Der NABU fordert anlässlich des Deutschen Bauerntages in Sachsen, endlich die Chancen für einen sozial und umweltverträglichen Wandel der Landwirtschaft zu nutzen. „Viele Branchen müssen sich in Zeiten von Klimakrise und Artensterben neu aufstellen", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Statt in Lösungen für den Wandel zu investieren, verhindere der Bauernverband eine Umverteilung der derzeit knapp 60 Milliarden Euro EU-Subventionen.

Etwa ein Viertel davon müsse in konkrete Naturschutzmaßnahmen fließen, damit sich der Erhalt der Artenvielfalt für Landwirte auch lohne. „Der DBV hat jetzt die Möglichkeit zu zeigen, dass er die Erwartungen und Wünsche der Gesellschaft verstanden hat und sich auf den Weg hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft machen will." Steuerzahler könnten für ihr Geld mehr Umweltleistungen erwarten,"nicht der Agrarsektor noch mehr Geld frei Haus vom Staat.“

Faire Preise nötig

Bauernpräsident Rukwied betonte, das die Bauern schon viel für die Umwelt tun. So seien Blühstreifen zur Eindämmung des Artensterbens angelegt worden, deren Gesamtlänge bereits dem sechsfachen Äquatorumfangs entspreche. Auch andere Puffer- und Randstreifen, beispielsweise zu Gewässern, würden berücksichtigt. "Aber bei allem guten Willen müssen wir auch in einem zunehmend globalen Markt wettbewerbsfähig bleiben", so Rukwied.

Die deutschen Bauern seien bereit, ihren Beitrag zu einer langfristig auf Klimaneutralität ausgerichteten Produktion zu leisten. "Aber höhere ökologische Standards bedeuten auch höhere Produktionskosten. Das muss sich am Ende auch in fairen Verkaufspreisen niederschlagen."

Von Winfried Mahr