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Mitteldeutschland Der Mann, der Schabowski ins Schwitzen brachte
Region Mitteldeutschland Der Mann, der Schabowski ins Schwitzen brachte
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21:05 09.10.2019
Der Niedersachse Peter Brinkmann berichtet beim Mittelständischen Unternehmertag in Leipzig von seinen Erlebnissen im Wendeherbst 1989 in Leipzig und Berlin. Er war damals DDR-Korrespondent der „Bild“-Zeitung. Quelle: Christian Modla
Leipzig

An den 9. Oktober 1989 in Leipzig erinnert sich Peter Brinkmann (74) noch genau. Der gebürtige Niedersachse war damals DDR-Korrespondent der „Bild“- Zeitung und in der bewegten Zeit des Wendeherbstes regelmäßig in Leipzig. An jenem Montag fand er sich dann plötzlich in vorderster Front wieder: auf dem Augustusplatz, der damals noch Karl-Marx-Platz hieß, bei der bis dahin größten Montagsdemo mit 70.000 Demonstranten. Genau 30 Jahre später berichtete er am Mittwoch auf dem Mittelständischen Unternehmertag (MUT) in Leipzig über die Wendezeit und die Rolle, die er am Ende selbst dabei spielte.

Bei der Montagsdemo in Leipzig am 9. Oktober mittendrin

„Ich hatte einfach nur Angst“, erinnert sich Brinkmann an die entscheidende Montagsdemo in Leipzig. „Da dachte ich mir: Wenn ich mich hinter die Volkspolizisten stelle, tun die mir nichts. Wenn die nach vorne stürmen, auf die Demonstranten zu, bin ich hinter ihnen sicher.“ Doch weit gefehlt: Plötzlich drehten sich die Sicherheitskräfte um, stürmten genau auf Brinkmann zu – und an ihm vorbei. „Die verschwanden einfach in den Nebenstraßen.“ Für Brinkmann war das das Signal: „Die Staatsmacht ist vor der Volksmacht gewichen. Damit war das Ende der DDR besiegelt, das war der Anfang vom Ende.“

Wie schnell es gehen sollte, merkte er genau einen Monat später, am 9. November in Ost-Berlin. SED-Mann Günter Schabowski hatte zur internationalen Pressekonferenz eingeladen, zur zweiten überhaupt, die es in der DDR gab. Die erste war am 8. November noch unspektakulär verlaufen. Doch früh um 9 Uhr bekam Brinkmann aus der Westberliner Senatsverwaltung den Tipp, er solle doch dieses Mal unbedingt dabei sein.

Der Journalist, der sein Büro damals noch in Hamburg hatte, setzte sich sofort ins Auto – und war kurz nach Mittag in Ost-Berlin. Früh genug, um sich im Pressezentrum den besten Platz zu sichern. Denn die Pressekonferenz, von der da noch niemand ahnte, dass sie zur Öffnung der Berliner Mauer führen würde, sollte erst um 18 Uhr beginnen.

Platz in der ersten Reihe ermöglicht Zwischenrufe

Brinkmann besetzte den besten Platz im Raum: ganz vorn in der ersten Reihe gleich links vom Mittelgang, nur wenige Meter entfernt von der Stelle, an der Schabowski sitzen sollte. „Ich dachte mir: Wenn ich nicht drangenommen werde, muss ich meine Frage dazwischenrufen. Und das geht nur, wenn ich nah genug dran bin.“ Und genau das setze er dann auch sechs Stunden später in die Tat um – und brachte Schabowski mit seiner Frage derart ins Schlingern, dass dieser die Öffnung der Grenze versehentlich auf sofort vorzog.

Dabei hatte Schabowski die fast 400 Journalisten im Saal vorher fast eine Stunde lang mit seinen Ausführungen zur 10. Tagung des Zentralkomitees der SED gelangweilt. „Das war so langweilig, dass die meisten ihre Kameras ausgemacht hatten – und den eigentlichen Knüller dann verpassten“, erinnert sich Brinkmann.

Denn kurz vor 19 Uhr meldete sich der italienische Journalist Riccardo Ehrman zu Wort und fragte nach dem geplanten neuen Reisegesetz. Schabowski kramte in seinen Unterlagen, holte einen Zettel hervor, den ihm SED-Chef Egon Krenz kurz vor dem Pressetermin zugesteckt hatte – und verlas die erste Sensation: DDR-Bürger sollen auch ohne Prüfung der Reisegründe in den Westen dürfen.

Mobiltelefon hilft nichts: Kein Netz in Ost-Berlin

Ein Raunen ging durch den Saal. Ab wann das denn gelten soll, hakte Ehrman nach. Doch Schabowski blieb ungerührt. Erst als Brinkmann dazwischenrief, ändert sich das. „Wenn die Frage, ab wann das gilt, nicht zieht, muss ich halt anders fragen“, sagte sich Brinkmann. „Also fragte ich: Ab sofort?“ Und plötzlich fing Schabowski an, in seinen Zetteln zu blättern – und stammelte dann die entscheidenden Worte in die Kamera: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“

Die Journalisten trauten ihren Ohren nicht. „Wir haben gar nicht verstanden, was das bedeutet“, erinnert sich Brinkmann. Dass es eine Sensation ist, ahnte er aber – und wollte die Meldung per Funktelefon sofort an die Redaktion in Hamburg durchgeben. „Ich hatte damals schon ein C-Netz-Telefon im Auto. Doch in Ost-Berlin gab es noch gar keine Funkmasten. Da nützte mir das nichts.“ Und auch in der Hauptpost bekam er keine Leitung in den Westen.

Frustriert, die Sensation nicht als erster melden zu können, fuhr Brinkmann zurück ins Hotel – und schnappte sich dann dort ein Taxi, um die Grenzübergänge abzufahren. Kurz vor 22 Uhr wurde er dann Zeuge, wie sich in der Bornholmer Straße unter dem Ansturm der Massen tatsächlich die Schlagbäume öffneten – zunächst nur für ausgesuchte Reisewillige, ab 23.30 Uhr dann für alle.

Eigentliche Reiseregelung hätte noch sechs Wochen gedauert

Geplant war es eigentlich anders. Inkrafttreten sollte die Regelung erst am nächsten Morgen um 4 Uhr. Doch den Hinweis auf die Sperrfrist übersah Schabowski auf dem Zettel, den Krenz zuvor noch handschriftlich geändert hatte. Und völlig unbürokratisch sollte die Ausreise auch nicht laufen: Erst sollte jeder einen Reisepass beantragen und mit dem dann bei der Volkspolizei ein Ausreisevisum. „Das hätte noch einmal sechs Wochen gedauert“, sagt Brinkmann. „Kurz vor Weihnachten wären dann die ersten DDR-Bürger in West-Berlin gewesen.“ Durch seinen Zwischenruf und Schabowskis wirre Antwort öffnete die Mauer stattdessen noch in derselben Nacht.

Von Frank Johannsen

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