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Mitteldeutschland Debatte um Logo im SEK-Panzer: "Weder gesetzeswidrig noch rechtsradikal"
Region Mitteldeutschland Debatte um Logo im SEK-Panzer: "Weder gesetzeswidrig noch rechtsradikal"
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13:03 18.12.2017
Stickerei auf den Sitzen der neuen Panzerwagen der sächsischen Polizei. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Nach der Präsentation der neuen Panzerwagen für die sächsische Polizei haben Stickereien im Inneren der Fahrzeuge heftige Diskussionen im Netz ausgelöst. Die Stickereien auf den gepolsterten Sitzen der Panzer zeigen offenbar das Logo des sächsischen Spezialeinsatzkommandos (SEK). Verwendete Schriftart und Form des Logos haben bei einigen Betrachtern Assoziationen in die Zeit des Nationalsozialismus ausgelöst. Zudem monieren User, dass das Wappen innerhalb der stilisierten Adlerschwingen nicht aktuell zum Freistaat, sondern eher in die Zeit des sächsischen Königreichs gehört.

Zwei "Survivor" stehen dem Landeskriminalamtes ab sofort zur Verfügung. Sie sollen bei Amok- oder Terrorlagen zum Einsatz kommen. Das nach Angaben des Herstellers 17 Tonnen schwere Fahrzeug ist gegen Beschuss und Sprengfallen gesichert. Bis zu elf Menschen sollen darin Platz haben.

Beim Landeskriminalamt (LKA), zu dessen Fuhrpark die beiden gepanzerten Fahrzeuge gehören, kann man die Aufregung überhaupt nicht verstehen. „Das ist weder gesetzeswidrig noch hat das Logo etwas mit Rechtsradikalismus zu tun. Dieses Logo des SEK gibt es bereits seit 1991. Es wurde damals quasi als Aufbauhilfe von den Kollegen aus Baden-Württemberg mitgebracht“, sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt am Montag gegenüber LVZ.de. In ähnlicher Form werde diese vor allem für den internen Gebrauch genutzte Abbildung mit den stilisierten Adlerschwingen auch von Einheiten in anderen Bundesländern verwendet.

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Zu Kritik am verwendeten Wappen sagte Bernhard: „Das ist eine Eigenkreation und nichts aus der Vergangenheit. Die Krone über dem sächsischen Wappen bezieht sich auf den internen Funkruf-Namen des SEK: ‚Krone‘. Die beiden Löwen gehören zur Stadt, in der das sächsische SEK beheimatet ist: nach Leipzig“, so Bernhardt weiter.

LKA: Nach Kritik Logo neu bewerten

Nicht zuletzt habe auch die verwendete Frakturschrift keinen nationalsozialistischen Bezug: „Die Nazis haben die Frakturschrift doch verbieten lassen, weil sie ihnen zu jüdisch war“, sagte der LKA-Sprecher. Bernhardt stellte auch klar, dass der Panzerwagen-Hersteller Rheinmetall die Stickerei auf Wunsch der sächsischen Besteller auf die Sitze gestickt habe: „Rheinmetall bietet an, die Sitze spezifisch für alle Kunden zu gestaltet. Das wurde auch mit Wissen der Amtsleitung so beauftragt.“ Mit Blick auf die umfangreiche Debatte im Netz soll die Stickerei im sächsischen Panzerwagen allerdings noch einmal überdacht werden: "Hier ist nichts Schlechtes passiert, gleichwohl werden wir angesichts der Kritik daran die Sache noch einmal neu bewerten", so Bernhardt gegenüber LVZ.de.

Hersteller Rheinmetall wollte sich am Montag nicht zu den Details der Bestellung aus Sachsen äußern: "Wir können das nicht weiter kommentieren, das ist allein Sache des Kunden", so Sprecher Oliver Hoffmann gegenüber LVZ.de. Das für die Bestellung verantwortliche Sächsische Innenministerium verwies am Montag bei Presse-Anfragen an das Landeskriminalamt.

Am Sonntag teilte das SMI via Twitter noch mit: "Das Fahrzeug wurde mit dieser Bestickung der Sitze vom Hersteller so ausgeliefert. Auch wenn die vom Hersteller gewählte Schriftart nicht dem Markenhandbuch entspricht: Darin ein Indiz für rechte Attitüde zu sehen, weisen wir entschieden zurück." Daraufhin schrieb unter anderem der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne): „Also das sollte man schon klären und der Öffentlichkeit die Bestelldokumente diesbezüglich zur Verfügung stellen.“

Die neuen Panzerwagen der Polizei werden vom Rüstungshersteller Rheinmetall MAN Military Vehicles produziert. Am Freitag wurde das erste von zwei bestellten Fahrzeugen bei der Leipziger Bereitschaftspolizei in Empfang genommen. Am Montag soll das zweite kommen. Dem Rüstungshersteller zufolge sind die geländegängigen Fahrzeuge gegen Beschuss und Sprengmittel gesichert. Die Kabine soll auch Angriffen durch Sturmgewehre des Typs AK-47 standhalten. „Der Survivor R basiert auf einem leistungsstarken Allrad-Lkw-Fahrgestell von MAN und einer Sicherheitszelle aus Panzerstahl. So verbindet das hochmobile und schnelle Fahrzeug Großserientechnik mit modernster Schutztechnologie“, sagte Rheinmetall-Geschäftsführer Michael Wittlinger.

Matthias Puppe