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Mitteldeutschland Köpping warnt vor Abzocke in Corona-Krise
Region Mitteldeutschland Köpping warnt vor Abzocke in Corona-Krise
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21:34 26.03.2020
Petra Köpping (SPD), Gesundheitsministerin von Sachsen, spricht während der Sitzung im Landtag zu den Abgeordneten. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil
Sachsen

Angesichts einer weiter ansteigenden Corona-Infektionskurve in Sachsen haben Innenminister Roland Wöller (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) dringend zur Einhaltung der Allgemeinverfügung aufgefordert. „Bitte beachten Sie das, es wird mit Augenmaß und konsequent kontrolliert werden“, sagte Wöller am Donnerstag, auch mit Blick auf das nächste Wochenende. Nach Angaben von Köpping wurde das Virus bei mittlerweile 1275 Menschen nachgewiesen, das sind 147 mehr als am Mittwoch.

Bisher sind acht Covid-19-Patienten in Sachsen gestorben. Laut Köpping sind drei Menschen schwerwiegend erkrankt und sechs befinden sich mit Lungenentzündung im Krankenhaus. Der Zustand der beiden Corona-Patienten aus Italien, die seit Montag in Leipzig behandelt werden, sei inzwischen stabil. Am Donnerstag sind zwei weitere Covid-19-Patienten in einer italienischen Militärmaschine in Dresden eingetroffen.

„Regeln machen nur Sinn, wenn sie eingehalten werden“

Sie sollen im Universitätsklinikum Dresden und dem auf Beatmungsmedizin spezialisierten Fachkrankenhaus in Coswig behandelt werden. Damit hat Sachsen nun sechs Schwerkranke aus dem besonders von der Corona-Krise heimgesuchten Land aufgenommen, vier davon waren nach Leipzig gebracht worden.

Köpping kritisierte, dass noch immer Einzelne die Vorgaben der Allgemeinverfügung mit dem Verbot von Menschenansammlungen und Abstandsregeln zum Schutz aller nicht befolgten. „Aber die reichen zur Verbreitung des Virus“, warnte sie. „Regeln machen nur Sinn, wenn sie eingehalten werden“, mahnte auch Wöller. Physische Kontakte müssten auf ein Minimum reduziert werden, um Infektionsketten zu unterbrechen und die dynamische Verbreitung von Corona zu bremsen.

Fast 100 Verstöße in Sachsen gegen Infektionsschutzgesetz

Spaziergang, Wandern, Sport im privaten Wohnumfeld sei mit Mitgliedern der Familie oder des Haushalts sowie Mindestabstand 1,5 Meter erlaubt, sagte der Minister. Das gelte auch, wenn man sich im Park hinlege. „Das private Wohnumfeld ist auf jeden Fall verlassen, wenn man als Dresdner in die Sächsische Schweiz zum Wandern oder Klettern geht oder als Görlitzer ins Vogtland fährt“, sagte er mit Blick auf das kommende Wochenende.

Lesen Sie auch: Dresdner dürfen nicht in der Sächsischen Schweiz wandern

Laut Wöller wurden seit Mittwoch 103 Straftaten im Zuge mit der Corona-Pandemie registriert, darunter waren 94 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Es wurden Wochenmärkte oder eine widerrechtlich geöffnete Spielothek und Nutzungsverbote auf Spielplätzen durchgesetzt. „Noch immer finden zu häufig Feierlichkeiten im privaten Rahmen statt, das ist eine Gesundheitsgefahr“, kritisierte der Innenminister. Der Krisenstab erarbeite einen Bußgeldkatalog, falls es weiterhin Verstöße gegen die Regeln gibt. „Es hängt davon ab, wie wir uns alle verhalten.“

Polen sollen Unterstützung vom Freistaat bekommen

Unterdessen hält die Regierung trotz positiver Entscheidung der tschechischen Regierung für ihre Berufspendler ins Ausland an den zugesagten Hilfen für bestimmte Arbeitnehmer aus dem Nachbarland fest. Auch Polen, die weiter in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen in Sachsen arbeiten, sollen pro Tag und Person 40 Euro erhalten, Angehörige und Lebenspartner, die mitkommen, je 20 Euro, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Die Vergünstigungen müssten beim Arbeitgeber beantragt werden.

Köpping warnt vor Abzocke in Corona-Krise

Im Zuge des Programms „Sachsen hilft sofort“ haben nach seinen Angaben seit Montag 5519 Selbstständige und Freiberufler Anträge auf Hilfe gestellt. Die 67, die vollständig waren, seien alle bewilligt und die ersten Gelder ausgezahlt. „Das Landesprogramm ist kombinierbar mit Bundesprogramm“, stellte er in dem Zusammenhang klar.

Köpping warnte vor „Abzocke und Betrug“ in der Corona-Krise. Älteren Menschen werde über Telefon, zum Teil aber auch an der Haus- und Wohnungstür etwas zum Verkauf angeboten. „Sind Sie bitte sehr vorsichtig!“, sagte sie. Das gelte auch für das Internet. „Machen Sie nie etwas mit Vorkasse.“

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Von RND/dpa

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