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Mitteldeutschland Corona-Tests für Abschlussklassen in Sachsen: Nur ein Drittel der Schüler macht mit
Region Mitteldeutschland

Corona-Schnelltests für Abschlussklassen in Sachsen: Nur ein Drittel der Schüler macht mit

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09:26 20.01.2021
Eine Schülerin wird in Dresden von einem Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf Corona getestet.
Eine Schülerin wird in Dresden von einem Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf Corona getestet. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Dresden

Seit Montag können rund 50.800 Schülerinnen und Schüler der Abschluss- und Vorabschlussklassen an 643 sächsischen Schulen wieder den Unterricht besuchen. Ihnen allen wurde ein freiwilliger und kostenloser Antigen-Schnelltest auf Covid-19 angeboten. Allerdings zeigt die Statistik schon jetzt: Den Gesundheitsservice nimmt nur ein gutes Drittel der Berechtigten an. Bisher liegen die Daten von 403 Schulen mit 32.106 Schülern vor. Danach haben sich bislang 12.190 Schüler und damit knapp 38 Prozent testen lassen.

23 Schüler positiv getestet

Bei 23 Schülern fiel der Antigen-Schnelltest auf Corona positiv aus. Das sind 0,19 Prozent der überprüften Schüler. Darüber hinaus ließen sich bislang 3745 Lehrkräfte und weitere pädagogische Angestellte testen. In diese Gruppe fiel der Befund bei acht Personen positiv aus. Das entspricht einer Infektionsrate von 0,21 Prozent.

Piwarz: Hätte mir höhere Teilnahme gewünscht

„Natürlich hätte ich mir eine höhere Teilnahme am freiwilligen Testangebot gewünscht. Aber die hohe Zahl von fast 16.000 getesteten Personen liefert dennoch ein gutes Bild für die Schulen. Die festgestellte Infektionsrate ist erfreulich niedrig. Nicht zuletzt auch deshalb ist es gerechtfertigt, dass sich die Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht unter Beachtung strenger Hygieneregeln an den Schulen auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten können“, kommentierte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) die vorläufigen Ergebnisse des Massentests.

Stärkere Beteiligung erhofft

Enttäuscht von der hohen Zahl der Nicht-Teilnehmer zeigte sich auch Roman Schulz, der Sprecher des Sächsischen Landesamtes für Schule und Bildung. „Wir waren logistisch und organisatorisch so vorbereitet, dass wir alle hätten testen können“, sagte der LVZ. „Ich hätte mir eine stärkere Beteiligung gewünscht. Eine größere Testbereitschaft hätte die Akzeptanz der Schulöffnung bestärkt und das Sicherheitsgefühl erhöht“, bedauerte Schulz. „Aber nun schauen wir nach vorn.“ Eine Pflichttestung, wie verschiedentlich gefordert, würde auch er begrüßen, so der Sprecher. Das wäre „aus Sicht der Prävention ideal und wünschenswert gewesen. Aber es war klar, dass es nur auf Freiwilligkeit beruhen konnte.“

Größter Massentest in Sachsen bisher

„Dieser freiwillige Schnelltest ist der größte Massentest in Sachsen. Schon dieses einmalige Testangebot bedeutet einen Riesenaufwand“, erklärte Dirks Reelfs, der Sprecher des Kultusministeriums gegenüber der LVZ. Tägliche Tests schon vor Unterrichtsbeginn, wie von mehreren Seiten vorgeschlagen, „wären schön, sind aber praktisch unmöglich“. Das übersteige die derzeitigen Möglichkeiten an Testkapazitäten und Personal.

Das Kultusministerium habe als Vertragspartner für die Tests das DRK gewonnen, das wiederum auch Partner einbezieht. Um das Testangebot weiter auszudehnen, müsste es andere Verfahren geben, wie die Selbsttests. Darüber werde im Kultusministerium nachgedacht, versicherte Reelfs, man sei auch schon in Gesprächen. „Wir suchen noch nach Wegen, um mehr Tests durchzuführen.“

Natürlich sei man auch im Kultusministerium besorgt über die noch immer hohen Infektionszahlen in Sachsen. Allerdings zeige die relativ geringe Zahl der infizierten Schüler unter den freiwillig Getesteten, dass es möglich sei, unter Einhaltung aller Vorschriften Unterricht durchzuführen, bestätigte auch er.

Unterricht nicht wieder aussetzen

Reelfs widerspricht auch Forderungen, den Unterricht der Abschlussklassen während des Lockdowns wieder abzusetzen, wie es Eltern-, Schüler- und Lehrervertreter ins Spiel brachten. „Wir sehen uns im Kultusministerium in der Verantwortung, für das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und soziale Teilhabe einzutreten“, sagte Reelfs.

Ähnlich äußerte sich Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) am Montagabend in der MDR-Talkrunde „Fakt ist!“. Bildung habe neben der Wirtschaft für ihn höchste Priorität. Die Schnelltests sollen dabei helfen, damit die Jugendlichen ihre Prüfungen und Abschlüsse machen können. „Ich bin davon überzeugt, dass wir mehr für diese jungen Menschen und ihre berufliche Zukunft tun, wenn wir ihnen das ermöglichen“, so Kretschmer.

Kritik von der GEW

Kritik kam auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen, die sich angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen gegen die Teilöffnung der Schulen ausspricht. „Laut Corona-Verordnung darf man sich nur noch mit einer haushaltsfremden Person treffen: Aber in der Schule soll das nicht gelten“, empörte sich Sachsens GEW-Chefin Uschi Kruse. Ihr sei völlig fremd, warum Sachsen in der Frage einen Sonderweg gehe.

„Natürlich sind wir bei den Inzidenzzahlen noch nicht da, wo wir sein wollen“, räumte Reelfs ein. „Aber wir hoffen, dass wir bald mehr Unterricht anbieten können“, unterstrich der Ministeriumssprecher. Am Mittwoch werde sich das Kabinett in Sachsen auch mit dieser Frage befassen.

Die Schnell-Testungen werden am Dienstagabend abgeschlossen, das endgültige Ergebnis liegt dann am Mittwochabend vor.

Was passiert mit positiv getesteten Schülern?

Positiv getestete Schülerinnen und Schüler werden laut Kultusministerium isoliert, und müssen, wenn sie noch nicht volljährig sind, von ihren Eltern vom Ort der Testung abgeholt werden und in häusliche Quarantäne gehen. Über das positive Testergebnis wird das zuständige Gesundheitsamt informiert. Eine Teilnahme am Präsenzunterricht ist nicht möglich. Die positiv getesteten Personen sollen Kontakt mit ihrem Hausarzt oder mit dem zuständigen Gesundheitsamt aufnehmen, um das weitere Vorgehen abzuklären.

Von Anita Kecke