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Mitteldeutschland Alarmstufe Rot: „Die dritte Welle ist da“
Region Mitteldeutschland

Corona-Hotspot im sächsisch-thüringischen Vogtland - Alarmstufe Rot: „Die dritte Welle ist da“

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18:59 19.03.2021
Wenige Menschen sind auf den Straßen der Stadt Greiz unterwegs.
Wenige Menschen sind auf den Straßen der Stadt Greiz unterwegs. Quelle: Bodo Schackow/dpa
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Beim Blick auf die Infektionszahlen im Vogtland ist man sich in Thüringen und Sachsen einig: Die Lage ist ernst. Wie die in dem Ländereck besonders heftig wütende Corona-Pandemie eingedämmt werden soll, darüber gibt es jedoch in Thüringen Streit. Während die rot-rot-grüne Landesregierung auf harte Einschränkungen besteht, will die CDU-Landrätin des Kreises Greiz, Martina Schweinsburg, gezielte Lockerungen und – wie im benachbarten sächsischen Vogtlandkreis – eine Impffreigabe für über 18-Jährige.

Inzidenzwert über 500

Der Kreis Greiz im östlichen Zipfel ist schon seit Längerem der Corona-Brennpunkt in dem ohnehin Hotspot-Land Thüringen. Mit einem Wert von zuletzt mehr als 500 weist die Region auch die höchste Anzahl an Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von einer Woche in ganz Deutschland auf. Im benachbarten Vogtlandkreis, dem sächsischen Corona-Brennpunkt, ist die Lage nicht minder dramatisch. Dort schwankt die Sieben-Tage-Inzidenz um die 300. „Die dritte Welle ist da“, sagt Landrat Rolf Keil (CDU).

Einen Grund für die steigenden Infektionszahlen sehen sowohl Keil als auch seine Amtskollegin Schweinsburg in vermehrten Tests. Beide verweisen zudem auf überdurchschnittlich hohe Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen. „Wir haben von Mitte Februar bis Mitte März 935 Kontaktpersonen von Infizierten ohne Symptome getestet, davon war ein Drittel positiv“, so Landrätin Schweinsburg. Von diesen positiv Getesteten seien wiederum 151 Kinder und Jugendliche gewesen.

Viele Einpendler aus Tschechien

Im Vogtlandkreis, mit vielen Einpendlern aus dem massiv von Corona betroffenen Tschechien, werden laut dem Landrat täglich über 4000 Menschen getestet. An etwa 30 Schulen und 25 Kitas gebe es derzeit Infektionsherde. Und das, obwohl Kitas und Grundschulen seit Anfang März wieder geschlossen seien und nur Notbetreuung anböten, berichtet Keil. Sorge bereitet dem Landrat vor allem die rasante Ausbreitung der deutlich infektiöseren Virus-Varianten. „Wir beobachten jetzt, das sich Erwachsene bei Kindern anstecken, das hatten wir in der ersten Welle kaum“, sagt auch der Jenaer Infektiologe Mathias Pletz. Er ist alarmiert. Das Virus habe sich fortlaufend weiterentwickelt, die neuen Varianten seien schneller übertragbar und hätten eine höhere Viruslast. „Wir sehen ein verändertes Infektionsgeschehen, das nicht nur mit der Pandemiemüdigkeit zusammenhängt“, ist der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Jenaer Uni-Klinikum überzeugt.

Impffreigabe für Einwohner ab 18 Jahren?

Die Greizer Landrätin zieht daraus vor allem einen Schluss: „Wir müssen jetzt die mobilen Altersgruppen impfen.“ Sie fordert eine Impffreigabe für Einwohner ab 18 Jahren, wie sie die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) noch vor dem zeitweiligen Impfstopp für das Präparat von Astrazeneca für den Vogtlandkreis angekündigt hatte. Im Thüringer Gesundheitsministerium herrscht indes Verärgerung über die Greizer Landrätin. „Es reicht nicht allein der Ruf nach Impfungen für alle. Denn es gibt nicht genügend Impfstoffe“, redet Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) Klartext. „Dieser Ruf muss auch mit entsprechenden Maßnahmen untersetzt werden.“

Martina Schweinsburg (CDU), Landrätin des Landkreises Greiz. Quelle: Bodo Schackow/dpa

Landrätin Schweinsburg hatte erst auf Druck und unter Androhung dienstrechtlicher Konsequenzen diese Woche schärfere Corona-Regeln erlassen. Es sei schwer zu vermitteln, wieso es zusätzliche Impfstoffe für Hotspots wie Greiz brauche, wenn vorher nicht alles getan werde, um die Infektionszahlen vor Ort zu verringern, argumentiert Werner. So gebe es nach wie vor auch private Feiern und es halte sich ein gewisser Teil der Menschen nicht an die notwendigen Schutzmaßnahmen.

Von Annett Gehler/dpa