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Mitteldeutschland CDU trifft sich zum Gottesdienst in Leipziger Nikolaikirche – „C“ darf nicht rein
Region Mitteldeutschland CDU trifft sich zum Gottesdienst in Leipziger Nikolaikirche – „C“ darf nicht rein
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11:38 22.11.2019
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer in der Leipziger Nikolaikirche. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es ist ein schlohweißer Freitag im November. Rings um die Leipziger Nikolaikirche wird der Budenzauber für den bevorstehenden Weihnachtsmarkt entfaltet. Umweltschützer vom BUND demonstrieren vor der Kirche für Kohleausstieg und Klimaschutz, Lieferdienste schimpfen, weil alles abgesperrt ist. „Sicherheit geht vor“, sagen die Beamten und schicken sie weg.

Gemeint ist die Sicherheit der Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und anderer hochrangiger CDU-Politiker, die sich mit Delegierten und Gästen des 32. Bundesparteitages in Leipzig zur ökumenischen Morgenandacht in Leipzigs berühmter Revolutionskirche einfinden. Mit diesem Gottesdienst betonen die Christdemokraten bewusst das überkonfessionelle „C“ in ihrem Kürzel, das ihnen einen Tag zuvor bei einer Greenpeace-Aktion in der Berliner Parteizentrale abhanden gekommen war. In Leipzig taucht es wieder auf, tänzelt frech auf zwei Beinen vorm Kircheneingang und will rein. Die Sicherheitsdienste und Polizisten drängen den Mann darin zur Seite. „Aber ich gehöre doch dazu!“, ruft der. Ältere Delegierte schimpfen, Worte wie „Dreistigkeit“ und „Diebstahl“ fallen.

Am Donnerstag hatten es Greenpeace-Aktivisten entwendet, am Freitag tauchte das C der CDU beim Parteitag in Leipzig wieder auf.

Bischof: Dankbarkeit ohne Schulterklopfen

Drinnen geht es dann friedlich zu, rund 700 Menschen singen alte Verse wie „Lobe den Herren, der alles so herrlich regiert“. Ein spöttisches Raunen geht durch die heiligen Hallen, als Pfarrer Bernhard Stief versehentlich Angelika Merkel begrüßt, sich aber sogleich berichtigt und entschuldigt. Dann erinnert er an die Bedeutung der Nikolaikirche vor 30 Jahren und heute, spricht von einem Raum des offenen Wortes, einem Schutzraum und Hoffnungsraum für die Menschen.

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers wünscht den Delegierten für den bevorstehenden Parteitag eine staunende Perspektive der Dankbarkeit, die sich vom selbstzufriedenen Schulterklopfen unterscheide. Er rät, offen zu sein für neue Wege und sich vom Panzer aus Vorurteilen zu befreien.

Und Ex-Innenminister Thomas de Maiziere, der mit Beinorthese humpelt, spricht seine Fürbitte: „Jesus, bewahre uns davor, dass wir uns selbst wichtiger nehmen als die Menschen, denen wir täglich begegnen und deren Anliegen uns anvertraut sind.“

Merkel und AKK in der ersten Bankreihe nicken gelegentlich, schließen bei Musikstücken immer wieder die Augen. Zum Abschluss singen alle „Großer Gott, wir loben dich ... auf dich hoffen wir allein, lass uns nicht verloren sein.“

Mit Bussen zur Neuen Messe

Beseelt von der feierlichen Stimmung, sputen sich die Delegierten und Gäste anschließend, um in den Bus zur Neuen Messe zu steigen. Um 10.30 Uhr beginnt dort der Parteitag mit mehreren Grußworten, darunter von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU).

Vor dem Bundesparteitag in Leipzig besuchten die CDU-Spitzen einen Gottesdienst in der Nikolaikirche.

Kretschmer, der dem Parteitag als Tagungsleiter führen wird, hat schon im Vorfeld klare Worte gefunden. „Die CDU müsse die Probleme der Gegenwart endlich anpacken“, forderte der am Sonnabend in Markneukirchen (Vogtland) frisch gewählte Sachsen-Chef der Union. Es ist schon das vierte Mal seit 1990, dass sich die CDU in der Messestadt trifft – nach 1997, 2003 und 2011.

Schaulaufen der Partei-Granden

Gegen Mittag wird Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer ihren mit Spannung erwarteten Bericht zur Lage der Union geben. Der Redewettbewerb zwischen AKK und Ex-Fraktionschef Friedrich Merz wird den weiteren CDU-Kurs maßgeblich bestimmen. Die Parteichefin hatte zuletzt Fehler im ersten Amtsjahr eingeräumt. Wer das öffentliche Schaulaufen der CDU-Granden für sich entscheidet, wird sich im Laufe des Parteitages zeigen.

Leipzigs älteste und größte Kirche St. Nikolai bleibt davon unberührt. Sie hat schon ganz andere Stürme erlebt. Erbaut vor über 850 Jahren, war sie Herbst 1989 Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR, mit der vor 30 Jahren der Mauerfall und die deutsche Wiedervereinigung eingeleitet wurden.

Von Winfried Mahr

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