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Mitteldeutschland Brennende Windräder: Feuerwehr kann meist nur tatenlos zusehen
Region Mitteldeutschland Brennende Windräder: Feuerwehr kann meist nur tatenlos zusehen
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08:14 27.02.2019
Ein ausgebranntes Windrad einer Windkraftanlage im sachsen-anhaltischen Köthen. Quelle: Foto: Jan Woitas/dpa
Berlin/Frohburg

Erst quillt schwarzer Qualm hervor, dann schlagen Flammen aus dem Gehäuse, schließlich stürzen meterlange angesengte Trümmerteile zu Boden: Wenn eine Windkraftanlage oben in Brand gerät, wird es unten ringsherum lebensgefährlich. Für die Feuerwehr bleibt dann meist nur die Zuschauerrolle. Kontrolliert abbrennen lassen, abgefallene Teile löschen und die Umgebung 500 Meter weit absperren – mehr können die Wehrleute oft nicht ausrichten.

In knapp 180 Metern Höhe befinden sich inzwischen die Naben der höchsten Windkraftanlagen. „An Brandherde in derart großen Höhen kommen wir nicht heran“, sagt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband in Berlin. Mit Standard-Drehleitern wären nur gut 20 Meter zu schaffen. Letztlich verhindert aber die Gefahr durch abbrechende Bauteile Löscheinsätze in der Nähe.

Ähnlicher Vorfall in Frohburg

Dieses Problem bestätigte Einsatzleiter Christopher Martin, Leiter der Frankenhainer Wehr und zugleich stellvertretender Stadtwehrleiter von Frohburg (Landkreis Leipzig). Er und zahlreiche Helfer waren im April des Vorjahres alarmiert worden, als ein Blitzeinschlag das Motorhaus einer Windkraftanlage zwischen Tautenhain und Ebersbach in Brand setzte. Und sie mussten ebenso tatenlos zusehen, bis sich die drei Rotorblätter nach einiger Zeit gelöst hätten und brennend in die Tiefe gestürzt seien. Dort wurden die Flammen erstickt. Stadtwehrleiter Heiko Mühling hatte erläutert, dass man mithilfe einer 30 Meter langen ausfahrbaren Drehleiter nicht einmal die Hälfte der Distanz bis zur brennenden Gondel überbrücken hätte können, ganz abgesehen von der Gefahr durch die sich lösenden Rotorblätter.

Fest installierte Löschanlagen könnten da helfen, sind aber längst nicht die Regel. Die gebe es „etwa als Auflage für Windkraftanlagen in Waldnähe“, sagt Felix Rehwald vom Windanlagenhersteller Enercon im ostfriesischen Aurich. Betreiber entscheiden sich manchmal auch freiwillig für den Einbau von Löschanlagen, denn Feuer kann schnell zu Schäden im Millionenbereich führen.

Spektakulär verlaufen auch andere Havarien, wenn etwa ein Rotorblatt abfliegt oder eine Anlage komplett umstürzt. „Das kommt allerdings sehr selten vor“, sagt Wolfram Axthelm vom Bundesverband WindEnergie (BWE) in Berlin. 79 Havarien an deutschen Windkraftanlagen von den Alpen bis zur Nordsee hat der Verband seit dem Jahr 2005 gezählt. Darunter waren meist Brände – verursacht durch Monteure, durch Blitzeinschläge oder Kupferdiebe. Gelegentlich stürzt auch eine ganze Gondel ab oder Bruchstücke eines abgerissenen Flügels verteilen sich im Gelände.

Ein gesetzliches Register für derartige Schadensfälle gibt es nicht. Der Verband geht von bundesweit etwa zehn Fällen pro Jahr aus. „Eine verschwindend geringe Anzahl bei einer installierten Kapazität von 30 000 Anlagen“, findet Axthelm. Dabei gebe es keine genauen Erkenntnisse, ob ältere Anlagen auch besonders schadensanfällig sind. Die aktuellen Sicherheitsstandards seien jedenfalls etabliert und ausreichend, die Prüfverfahren qualitativ hochwertig.

Das sieht der Tüv-Verband ganz anders und zählt nach eigenen Recherchen bis zu 50 gravierende Schäden an Windkraftanlagen pro Jahr. Windkraftkritische Bürgerinitiativen kommen auf mehr als 160 Ereignisse, vom Ölaustritt bis zum tödlichen Arbeitsunfall.

Keine einheitlichen Kriterien

„Unfälle sind ein Sicherheitsrisiko für Menschen und Umwelt, zumal Windparks immer näher an Straßen und Siedlungen heranrücken“, sagt Geschäftsführer Joachim Bühler vom Tüv-Verband. Für etwa die Hälfte aller deutschen Windräder seien keine Prüfungen nach einheitlichen Kriterien von unabhängigen Stellen vorgeschrieben. Der Verband fordert daher häufigere Sicherheitskontrollen wie bei Tankstellen, Aufzügen oder Druckbehältern.

Kritiker halten diese Forderung dagegen für übertrieben und wittern, dass es dem Tüv um ein neues Geschäftsmodell gehe. „Gemessen an den Millionen von Betriebsstunden der Anlagen sind große Havarien äußerst selten und liegen im Promillebereich“, sagt Enercon-Sprecher Rehwald. Bei guter Wartung seien daher keine zusätzlichen Prüfungen nötig. Ein letztes Risiko bleibe aber bei jeder Technik: „Bei einem Auto kann trotz einer Tüv-Prüfung auch immer mal ein Bauteil ausfallen.“

Von Hans-Christian Wöste

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