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Region Mitteldeutschland

Betreuungsquoten in sächsischen Kitas mangelhaft

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13:49 24.08.2021
Die Betreuungsquoten in sächsischen Kitas sind mangelhaft.
Die Betreuungsquoten in sächsischen Kitas sind mangelhaft. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Gütersloh/Dresden

In Sachsens Kitas mangelt es an Personal. Eine Erzieherin oder ein Erzieher muss viel mehr Kinder betreuen als von Experten empfohlen und im bundesdeutschen Durchschnitt praktiziert. Nach einer am Dienstag von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Analyse kommen in sächsischen Kinderkrippen auf eine Erzieherin 5,5 Kinder (bundesweit im Schnitt: 4,1). Die Empfehlung liegt bei einem Verhältnis von 1 zu 3. In Kindergärten beträgt in Sachsen die Quote 1 zu 11,7 (bundesweit: 8,7). Hier empfehlen die Fachleute ein Betreuungsverhältnis von 1 zu 7,5.

Nach der Analyse stand 2020 in Sachsen für 95 Prozent der Kinder in amtlich erfassten Kita-Gruppen nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung. „Dies ist bundesweit neben Mecklenburg-Vorpommern der höchste Anteil unter allen Bundesländern. Die nicht kindgerechte Personalausstattung betreffe die unter und ab Dreijährigen zu fast gleichen Teilen (98 Prozent und 94 Prozent)“, hieß es. Allerdings wird dem pädagogischen Personal in Sachsen im bundesweiten Vergleich ein hohes Qualifikationsniveau bescheinigt.

Attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen schaffen

„Für den weiteren qualitativen Ausbau braucht Sachsen eine Gesamtstrategie. Vor dem Hintergrund der erheblichen Personalkapazitäten, die zusätzlich erforderlich sind, empfiehlt sich ein Stufenplan, der auf verbindliche Ausbauziele ausgerichtet ist“, empfehlen die Autorinnen. Damit in allen Kitas eine kindgerechte und landesweit einheitliche Personalausstattung sichergestellt werden könne, bedürfe es verbindlicher Regelungen zur Personalbemessung - vorzugsweise durch Landesrecht.

„Um dem Personalmangel zu begegnen, ist es darüber hinaus dringend erforderlich, attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, eine angemessene Bezahlung durchzusetzen und berufsbegleitend Unterstützungs- und Beratungsstrukturen anzubieten“, lautet eine weitere Empfehlung.

Mit Blick auf die Gesamtsituation in Deutschland kommt die Analyse zu folgendem Fazit: „Im Westen gibt es zu wenig Plätze und im Osten betreut eine Fachkraft zu viele Kinder.“ Von gleichwertigen Lebensverhältnissen in der frühkindlichen Bildung sei Deutschland nach wie vor weit entfernt. Während im Osten 53 Prozent der Kinder unter drei Jahren eine Kita oder Kindertagespflege besuchen, sind es im Westen nur 31 Prozent. Kitas im Westen würden gemessen am Personalschlüssel dagegen eine höhere Qualität bieten.

Schnelle Besserung nicht in Sicht

Eine schnelle Besserung scheint nicht in Sicht. Für eine kindgerechte Personalausstattung fehlen der Studie zufolge bis 2030 bundesweit mehr als 230 000 Erzieherinnen und Erzieher. Die Lücke zwischen voraussichtlichem Angebot an Fachkräften und dem prognostizierten Bedarf lasse sich dieses Jahrzehnt nicht vollständig schließen, hieß es.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sah durch die Studie ihre Forderungen bestätigt. Das Ländermonitoring der Stiftung mache deutlich, dass der Personalschlüssel in sächsischen Kitas nach wie vor zu schlecht sei, um eine gute frühkindliche Bildung zu gewährleisten, teilte die GEW mit. Damit verbunden seien auch negative Auswirkungen auf die pädagogischen Fachkräfte. An die sächsische Politik ging der dringende Appell, die Weichen für einen besseren Personalschlüssel zu stellen. Er sei schon vor der Pandemie einer der schlechtesten aller Bundesländer gewesen.

Gerade angesichts der Corona-Folgenbekämpfung sei es dringend geboten, den Personalschlüssel zu verbessern“, erklärte Astrid Axmann, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW. Nur in kleineren Gruppen gelinge eine qualitativ hochwertige Bildung, die das einzelne Kind in den Blick nehme. „Vielerorts arbeiten die Kolleginnen und Kollegen an ihrer Belastungsgrenze und darüber hinaus. Es wird Zeit, dass im Personalschlüssel endlich Fehlzeiten wie Urlaub, Krankheit und Weiterbildung berücksichtigt werden.“

Von RND/dpa