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Mitteldeutschland Zu schwer: Mitteldeutsche Abiturienten kritisieren Aufgaben der Mathe-Prüfung
Region Mitteldeutschland Zu schwer: Mitteldeutsche Abiturienten kritisieren Aufgaben der Mathe-Prüfung
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17:41 06.05.2019
Archivfoto Quelle: Felix Kästle/dpa
Leipzig

Tausende Schüler in der gesamten Bundesrepublik beschweren sich über ihre schriftlichen Abiturprüfungen im Fach Mathematik, die in der vergangenen Woche stattfanden. Mit Online-Petitionen haben sie sich an die Kultusministerien der jeweiligen Länder gewandt und klagen über zu schwere Aufgabenstellungen. Auch aus Mitteldeutschland gibt es Kritik. Wie der Vorsitzende des Sächsischen Landesschülerrates Noah Wehn gestern gegenüber der LVZ sagte, habe der Verband inzwischen Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) um Überprüfung der Aufgaben gebeten. Wehn warnte allerdings auch vor übertriebener Hysterie.

„Tatsächlich ist es so, dass wir eine Reihe von Meldungen von Eltern und Schülern bekommen haben, dass die Mathe-Prüfung in diesem Jahr nicht zu 100 Prozent in Ordnung war. Diese Beschwerden müssen auf jeden Fall ernst genommen werden“, so Wehn. Kultusminister Piwarz soll die Aufgabenstellungen nun von einer Expertenkommission noch einmal „fachlich objektiv beurteilen lassen“. In Thüringen und Sachsen-Anhalt baten Lernende die dort zuständigen Behörden angesichts von „Aufgabenstellungen in bisher unbekannter Art und Weise“ um eine Senkung der Bewertungsmaßstäbe.

Ministerien wollen Beschwerden nachgehen

Im Kultusministerium in Dresden waren die Bedenken gestern noch nicht bekannt. Insofern habe es bisher keinen Grund gegeben, tätig zu werden, sagte Sprecher Dirk Reelfs. „Sollten Beschwerden aber in Größenordnungen eingehen, werden wir den Hinweisen natürlich nachgehen“, so Reelfs weiter.

Sein Amtskollege aus Thüringen, Frank Schenker, sagte auf Anfrage der LVZ: „Grundsätzlich nehmen wir die Hinweise von Schülerinnen und Schülern ernst. Es gab allerdings auch in den vergangenen Jahren bereits intensive Debatten um den Schwierigkeitsgrad des Mathe-Abiturs. Bei der Betrachtung des Notendurchschnitts hat sich dann im Nachhinein immer gezeigt, dass es nur minimale Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren gab und die Sorgen unbegründet waren.“ Schenker riet den Abiturienten zunächst, ihren erworbenen Fähigkeiten zu vertrauen. „Sollte es tatsächlich Unregelmäßigkeiten gegeben haben, werden diese selbstverständlich überprüft. Bisher gibt es dafür jedoch keine Anzeichen“, so Schenker weiter. In Sachsen-Anhalt wollte das Kultusministerium am Montag erst eine Überprüfung durch die Lehrerkommission abwarten.

Pilotprojekt mit gemeinsamen Aufgaben

Bildung ist Ländersache und deshalb sind Abiturprüfungen je nach Region unterschiedlich. Allerdings gibt es seit 2014 auch ein Pilotprojekt für gemeinsame Aufgabenteile im Mathe-Abitur, an dem sich neben Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg auch Sachsen und Thüringen beteiligen. Eine Expertengruppe stellt Aufgaben bereit, die dann nach Bedarf von allen eingesetzt werden. Einige Teile bleiben aber auch weiterhin länderspezifisch. In Sachsen waren in diesem Jahr vor allem Aufgaben im Bereich Analytische Geometrie und Stochastik aus dem gemeinsamen Pool verwendet worden, sagte Dirk Reelfs. „Die Aufgabenstellungen wurden dabei sorgsam ausgewählt und bei Erfordernis angepasst“, so der Ministeriumssprecher weiter.

Eine aktuelle Petition der Schüler in Bayern wendet sich konkret gegen Prüfungsfragen in eben jenen Bereichen Geometrie und Stochastik. Der Vorsitzende des Sächsischen Landesschülerrates warnte allerdings vor allzu eiligen Schlüssen. „Man muss auch bedenken: Die Abiturprüfungen sollten als letzte, abschließende Prüfungen die schwersten sein. Jetzt müssen Experten bewerten, ob diese nur schwerer als sonst waren oder ob sie tatsächlich zu schwer waren“, sagte Noah Wehn.

Bundesweit mehr als 80.000 Unterschriften

Gerade aus Bundesländer im Pilotprojekt mit gemeinsamen Aufgaben kommen aktuell zumindest die meisten Klagen. Am häufigsten wurden entsprechende Petitionen in Niedersachsen (10.000 Unterschriften) und in Bayern (55.000 Unterschriften) gezeichnet. Die Schüler-Petition in Sachsen unterstützten bisher etwa 500 Menschen, in Thüringen waren es am Montag etwa 3000 Unterschriften, in Sachsen-Anhalt 300. In Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und im Saarland hatten jeweils mehr als 3000 Menschen die Kritik am Mathe-Abi unterzeichnet.

Angesichts der Vielzahl der Unterzeichner in Bayern erklärte der dortige Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), auch er werde den Ärger der Schüler ernst nehmen. Am Montag wollte Piazolo mit Experten über die Aufgabenstellungen sprechen. Unterstützung bekamen die Schüler vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Verbandspräsidentin Simone Fleischmann sagte, in einem Teil der Prüfung habe es sehr viel – auch unnötigen – Text gegeben. „Eklatant viele“ Schüler seien deswegen nicht rechtzeitig fertig geworden.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands sieht dagegen bisher keine Anzeichen, dass die Aufgaben zu schwierig waren. In Niedersachsen sagte ein Sprecher des Kultusministeriums: „Wir werden uns die Petition anschauen und dann die Aufgaben fachlich prüfen lassen.“ In Hamburg wies der Sprecher der Schulbehörde darauf hin, dass die Prüfung erst Freitag war. Seine Behörde habe noch keine Rückmeldung bekommen.

Sächsisches Mathe-Abitur besteht aus zwei Teilen

In Sachsen bestehen die schriftlichen Abiturprüfungen aus zwei Teilen. Im ersten Abschnitt, dem sogenannten hilfsmittelfreien Teil, sind mehrere Pflichtaufgaben zu grundlegenden Problemen der Analysis, Geometrie, Algebra und Stochastik zu bearbeiten. Im zweiten Teil geht es um die Vernetzung unterschiedlicher Gebiete, die Anwendung von mathematischen Kenntnissen und um praxisorientierte Sachverhalte.

Die Aufgaben aus dem Pilotprojekt mit den anderen Bundesländern können sowohl im ersten als auch im zweiten Teil auftreten. Die Entscheidung liege jeweils bei den Länderkommissionen.

Von Matthias Puppe

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