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Mitteldeutschland Kita-Studie sieht Personalmangel in Sachsen – Kultusminister wehrt sich
Region Mitteldeutschland

Bertelsmann-Studie sieht Personalmangel in Sachsens Kitas

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09:58 26.08.2020
Christian Piwarz (CDU), Kultusminister von Sachsen Quelle: dpa/Sebastian Kahnert
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Dresden/Gütersloh

Sehr gut ausgebildet, aber zu wenig Fachkräfte in den Kitas – das ist die Bilanz einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung. Kita-Erzieherinnen und -Erzieher in Sachsen müssen sich um zu viele Kinder zugleich kümmern. Für 96 Prozent der Kinder in den Kita-Gruppen stand laut „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ zuletzt nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung. Damit bildet Sachsen neben Mecklenburg-Vorpommern bundesweit das Schlusslicht.

Mehr Betreuung für Jüngere

Die Kritik wollte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) nicht so stehen lassen. Er warf der Studie vor, ostdeutsche Verhältnisse mit westdeutschen Maßstäben zu messen. „Das ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen und wird der besonderen Situation in Ostdeutschland in keiner Weise gerecht.“ Es sei falsch, nur den Personalschlüssel in den Blick zu nehmen und die deutlich höheren Betreuungsquoten außer Acht zu lassen. Er verwies darauf, dass im Osten deutlich mehr unter Dreijährige betreut werden. So liegt die Quote in Krippen bundesweit bei 33,6 Prozent, in Sachsen bei knapp 51 Prozent.

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Die „nicht kindgerechte Personalausstattung“ betrifft laut der Auswertung der Bertelsmann-Stiftung sowohl die unter Dreijährigen als auch die älteren Kita-Kinder im Freistaat. Laut Studie kommt eine Fachkraft in Krippen rechnerisch auf durchschnittlich 5,8 Kinder – die Experten der Bertelsmann-Stiftung empfehlen hingegen einen Schlüssel von 1 zu 3. Die meisten über Dreijährigen besuchen in Sachsen Gruppen mit einem Personalschlüssel von 1 zu 12,2. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt eine Erzieherin für durchschnittlich 7,5 Kinder.

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Insgesamt habe sich der Personalschlüssel in den sächsischen Krippen und Kitas seit dem Jahr 2013 zwar verbessert, hieß es. Dennoch müsse eine Fachkraft in Sachsen rechnerisch gut fünf Kinder mehr betreuen als in Baden-Württemberg – dem Bundesland mit der besten Personalausstattung.

Sachsen wolle die 269 Millionen Euro aus dem Gute-Kita-Gesetz allein zur Qualitätsverbesserung einsetzen, kündigte Kultusminister Piwarz an. Sachsen zahlt den Angaben zufolge allein in diesem Jahr rund 840 Millionen Euro für die Finanzierung von Krippen, Kitas und Horteinrichtungen. Allein die schrittweise Verbesserung des Betreuungsschlüssels in Krippe und Kita kosteten den Freistaat insgesamt rund 180 Millionen Euro.

Viele Erzieherinnen und Erzieher wünschten sich mehr Zeit für die individuelle Betreuung der ‎Kinder, betonte auch der sächsische Erzieherverband. Zumal im Personalschlüssel Krankheits- oder Urlaubstage nicht berücksichtigt werden. Oft seien die Fachkräfte für mehr Kinder zuständig, als es der Schlüssel vermuten lasse. Der Verband befürwortet daher die Einführung einer Obergrenze für die Größe einer Kita-Gruppe.

Hohes Qualifikationsniveau

Die Personalkapazitäten müssten in Sachsen „erheblich ausgebaut“ werden, damit jedes Kind individuell gefördert werden könne, heißt es auch in der Studie. Was die Qualifikation des Personals betrifft, ist Sachsen hingegen auf einem hohen Niveau. 82 Prozent des pädagogischen Personals sind als Erzieherin oder Erzieher ausgebildet. Bundesweit trifft das laut Stiftung nur auf etwa zwei Drittel des Personals zu. Grundlage des jährlich aktualisierten Monitorings sind Auswertungen von Daten der Statistischen Ämter und weiteren amtlichen Statistiken.

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Von Christiane Ratz, dpa