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Mitteldeutschland Sachsens Lebensretter am Limit
Region Mitteldeutschland Sachsens Lebensretter am Limit
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17:09 15.08.2019
Der DLRG seit zehn Jahren treu: Marten Pätzold macht gerade seinen Bundesfreiwilligendienst bei den Wasserrettern. Noch vor vier Jahren, so erinnert er sich, war die Wachstation am Kulkwitzer See in Leipzig immer besetzt in den Ferien. Heute ist er froh, wenn die Dienstzeiten mit einem Helfer abgedeckt werden können. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

In der oberen Etage ein schmaler Tisch vor breiter Fensterfront. Dahinter eine gemütliche Sitzecke. Zu ebener Erde eine gut ausgestattete Küche. Was klingt wie die Beschreibung eines beschaulichen Einfamilienhauses, ist seit einigen Wochen der Dienstort von Marten Pätzold. Der 18-Jährige ist Rettungsschwimmer bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Sachsen und hat von seiner Wachstation aus das Badegeschehen am Kulkwitzer See in Leipzig-Grünau im Blick. Mit acht Jahren bekam er erstmalig Wind von den Wasserrettern, seitdem ist er geblieben.

Der gebürtige Berliner gehört zu einer Generation DLRGlern, in der die Nachwuchsfrage noch kein Reizthema war. Inzwischen ist das anders. In den Dienstplänen des Landesverbandes klaffen mehr und mehr Lücken. Die Rettungsschwimmer können nicht einmal die Hälfte aller Badeseen in Sachsen besetzen. Umso wichtiger, findet Pätzold, dass die Menschen verantwortungsvoll mit sich und anderen umgehen.

2400 DLRG-Rettungsschwimmer fehlen in Sachsen

10.45 Uhr beginnt sein Tagwerk. Flagge hissen, Rettungsmittel raus schaffen. Bis zum frühen Abend wacht er über den See. Beobachtet durchs Fernglas Stand-Up-Paddler, Taucher und Schwimmer. In regelmäßigen Abständen läuft er seine Strandstreife – um Präsenz zu zeigen und um den Überblick zu behalten. Schließlich hat er aus seinem Wachturm heraus keine 360 Grad Sicht aufs Geschehen.

Pätzold macht gerade seinen Bundesfreiwilligendienst bei der DLRG. Das heißt, er bekommt immerhin ein monatliches Taschengeld von 200 Euro. Die Jahre zuvor hat er als Ehrenamtlicher gearbeitet, so wie eigentlich alle anderen DLRG-Rettungsschwimmer. 2400 von ihnen fehlen in Sachsen, beklagte die Nothilfeorganisation jüngst. Nicht zuletzt deshalb kann der DLRG von 34 Badegewässern im Freistaat aktuell gerade einmal 15 betreuen.

Wachdienst in Minimalbesetzung oder gar nicht

In Leipzig sind die Rettungsschwimmer lediglich am Kulkwitzer See stationiert. Woanders im Freistaat sehe es nicht viel besser aus, was die Besetzung angeht, ergänzt Pätzold. Den Badesee überwachen er und seine Kollegen vor allem in den Ferienzeiten. An guten Tagen sind sie zu zweit. An noch besseren haben sie Praktikanten da. Potenziellen Nachwuchs.

„Wenn mal nicht so viel los ist, dann machen wir Rettungsübungen, zeigen ein paar Tricks und Kniffe.“ Auch wenn er selbst gerade erst volljährig geworden ist – der junge Mann übernimmt viel Verantwortung indem er quasi mit ausbildet. Bald soll er geschult werden, um an Kindergärten über wichtige Schwimmregeln aufzuklären, samt Puppentheater im Gepäck. Ein Präventionsprogramm, das im gesamten Freistaat läuft und die Badeunfälle von morgen verhindern soll.

Meiste Badeunfälle an unbewachten Badestellen

Jeden Morgen schafft Marten Pätzold die Rettungsmittel nach draußen, damit sie im Ernstfall einsatzbereit sind. Zum Equipment gehört auch das schmale DLRG-Board. Quelle: Foto: Kempner

2018 sind laut DLRG-Statistik in Sachsen mindestens 24 Personen ertrunken. In den ersten sieben Monaten diesen Jahres starben zehn Menschen durch Ertrinken, fünf weniger als im Rekordsommer-Jahr 2018. Für die DLRG bei weitem kein Grund durchzuatmen. Denn die meisten Unfälle passieren eben dort, wo sie nicht sind oder nicht sein können. Am Kulkwitzer See in Leipzig war das anders. Erst vor wenigen Wochen gab es dort gleich zwei Badetote in kurzer Zeit. In einem der Fälle war die Wachstation besetzt, die Rettungsschwimmer wurden jedoch erst alarmiert, als es zu spät war.

Ertrinkende winken nicht oder rufen nach Hilfe

„Selbstüberschätzung ist das zentrale Problem“, so Pätzold. Die Menschen schwimmen zu weit oder zu schnell, sind fahrlässig. Wie er Ertrinkende erkenne? Auf jeden Fall nicht an wedelnden Armen und nach Hilfe rufend, wie viele Menschen es sich vorstellen. „Wenn jemand häufig seine Schwimmlage ändert, also von Brust auf Kraulen wechselt und zurück, ist das ein Zeichen.“ Und genau das sei falsch. Ruhe bewahren und Kräfte sparen – so banal es auch klingt, wie der 18-Jährige zugibt. „Hilfreich wäre auch, in das Badewannenschwimmen überzugehen.“ Den Körper möglichst flach entlang der Wasseroberfläche positionieren und nur mit den Armen fortbewegen.

Sachsens und Thüringens Grundschüler besser als der Bundesdurchschnitt

In einer aktuellen Studie hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) über die Schwimmfertigkeit deutscher Grundschulkinder berichtet. Fast 60 Prozent der Zehnjährigen können nicht schwimmen, so das ernüchternde Ergebnis. Die Gründe für die Wasserretter: fehlender oder unregelmäßiger Schwimmunterricht an deutschen Schulen sowie das anhaltende Bädersterben.

Sachsen fällt an dieser Stelle positiv aus dem Rahmen. Das Land ist das einzige im Bund, das Schulschwimmen schon in Klasse 2 auf dem Plan hat. Organisiert wird der Unterricht in Zusammenarbeit mit den Schulschwimmzentren (SSZ) und der läuft, nach Angaben des Kultusministeriums, in der Regel lückenlos. Genaue Zahlen zur Schwimmfähigkeit sächsischer Grundschüler führt das Ministerium nicht.

Auch in Thüringen lassen sich die Zahlen der DLRG nicht bestätigen. Harry Sloksnat, Fachberater Schulschwimmen im Thüringer Institut für Lehrerbildung, Lehrplanentwicklung und Medien, legt seit geraumer Zeit genaue Schwimmstatistiken an. Das Ergebnis: 80 Prozent der Thüringer Grundschüler sind schwimmfähig – können also, gemäß der Vorgaben, 15 Minuten Dauerschwimmen. „Es existiert jedoch eine gewisse Heterogenität im Hinblick auf den Stundenumfang“, räumt er ein. Manche Schulen bieten 15 Stunden an, manche 30. „Das macht natürlich einen Unterschied im Lernerfolg aus.“ Die Schwimmhallensituation in Thüringen ist angespannt, aber noch handhabbar für den Fachberater. „Bisher wurde immer ein Ausweichquartier gefunden.“

Selbst helfen: „Das kann sehr gefährlich werden für den Retter“

Im besten Fall ist ein Rettungsschwimmer vor Ort. Doch die meisten der in der DLRG-Statistik geführten Unfälle ereigneten sich an ungesicherten Flüssen, Seen oder Kanälen. Dort, wo lediglich andere Badegäste Soforthilfe leisten könnten. „Das kann sehr gefährlich werden für den Retter.“ Menschen in Not denken nicht rational, betont Pätzold. „Sobald sie jemanden vor sich haben, fangen sie an zu klammern oder teilweise zu würgen. Das macht es für den Helfer fast unmöglich.“ Der junge Leipziger rät vor dem Sprung ins Wasser, Rettungskräfte zu alarmieren und sich ein Auftriebmittel zu suchen. „Irgendetwas woran sich der Ertrinkende festhalten kann und gegebenenfalls auch man selbst.“

Von Lisa Schliep

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