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Mitteldeutschland Ansturm auf Gymnasien in Leipzig und Dresden – Eltern ignorieren Empfehlung
Region Mitteldeutschland Ansturm auf Gymnasien in Leipzig und Dresden – Eltern ignorieren Empfehlung
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16:46 31.05.2019
Gymnasien in Sachsen verzeichnen einen immer größeren Zulauf – weil mehr Eltern wollen, dass ihr Kind Abitur macht, selbst wenn die Viertklässler eine Bildungsempfehlung für die Oberschule erhalten haben.Foto: Marijan Murat/dpa
Dresden

In den sächsischen Großstädten wollen immer mehr Eltern, dass ihr Kind auf ein Gymnasium geht: Im neuen Schuljahr werden in Dresden 60 Prozent und in Leipzig 52,4 Prozent der aktuellen Viertklässler den Weg zum Abitur einschlagen. Auffällig ist, dass sich Eltern in Leipzig besonders häufig über die Bildungsempfehlung der Grundschule hinwegsetzen: Von den insgesamt 2217 Neuanmeldungen haben 241 Kinder keine Bildungsempfehlung für das Gymnasium (10,9 Prozent). Sachsenweit sind es 8,6 Prozent der Eltern, die die Oberschule für ihr Kind abwählen und stattdessen das Abitur wollen.

Gelockerte Bildungsempfehlung sorgt für Zulauf

Das geht aus der Antwort von Kultusminister Christian Piwarz (CDU) auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bildungsexpertin Petra Zais hervor. „In vielerlei Hinsicht ticken die kreisfreien Städte anders als die Landkreise. Insbesondere in Dresden und Leipzig gibt es einen klaren Trend zum Gymnasium“, sagt Petra Zais. Damit schlägt die gelockerte Bildungsempfehlung, die nicht mehr verbindlich ist, durch. Seit zwei Jahren sind nicht allein die Noten für den weiteren Bildungsweg ausschlaggebend, sondern entscheiden die Eltern maßgeblich über die Schulart.

Deutlich mehr Wechsel an Gymnasien als im Schuljahr 2016/17

Demnach sollen im August 12 895 Viertklässler an ein Gymnasium (43,9 Prozent) und 16 448 an eine Oberschule (56,1 Prozent) gehen. Für das Schuljahr 2016/17 – also vor der neuen Bildungsempfehlung – lag das Verhältnis bei 10 500 (39,6 Prozent) zu 16 000 (60,4 Prozent). „Es war zu erwarten, dass mehr Schüler auf ein Gymnasium wechseln sollen“, sagt der Kultusminister der LVZ. Überdurchschnittlich viele Schüler ohne entsprechende Bildungsempfehlung kommen an das Reclam- und das Goethe-Gymnasium in Leipzig, an das Brecht- und das Von-Tschirnhaus-Gymnasium in Dresden sowie an die Gymnasien in Hoyerswerda und Weißwasser.

Kultusminister: Häufig sind Kinder an Oberschulen viel besser aufgehoben

Aufgrund dieser Entwicklung mahnt Piwarz: „Eltern sollten gut und auch besser auf die Grundschullehrer hören, die tagtäglich ihre Kinder unterrichten. Es muss damit Schluss sein zu glauben, dass nur ein Abitur das Allheilmittel und Glückseligmachende ist.“ Sein Appell richte sich „an uns alle“, der Oberschule zu einem besseren Image zu verhelfen. „Wir müssen von einem vermeintlichen Stigma der Oberschule wegkommen: Es heißt immer ’zu mehr hat es nicht gereicht’ – das ist aber völliger Unsinn. Häufig sind die Kinder an Oberschulen viel besser als an Gymnasien aufgehoben“, fügt der Kultusminister hinzu.

Im ländlichen Raum haben Oberschulen bessern Ruf als in Großstädten

Regional betrachtet, gibt es deutliche Unterschiede: Während in Leipzig und Dresden – sowie mit Abstrichen auch im Kreis Leipzig – das Abitur immer weiter im Kurs steigt und mehr Viertklässler an Gymnasien als zu Oberschulen wechseln, legen in allen Landkreisen die Oberschulen zu. So beträgt die Gymnasiumsquote beispielsweise in der Region Görlitz noch 40 Prozent und im Erzgebirge 32 Prozent. Hier werden auch prozentual weniger Kinder an Gymnasien angemeldet als es die Bildungsempfehlung zulassen würde. „Im ländlichen Bereich haben Oberschulen einen wesentlich besseren Ruf als in den Großstädten, wo sie Image- und Akzeptanzprobleme haben. Deshalb ist es unsere vordringlichste Aufgabe, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen“, macht Piwarz klar.

Freistaat Sachsen will Oberschul-Qualität weiter verbessern

Laut Kultusministerium liegt die Vermittlungsquote mit einem Hauptschulabschluss in Sachsen inzwischen bei über 75 Prozent. „Realschüler werden längst mit Kusshand genommen“, erklärt Piwarz. Zudem würden 20 Prozent der Oberschüler im Anschluss ein berufliches Abitur machen oder eine Fachoberschule besuchen. Deshalb sei die Entscheidung zur Bildungsempfehlung keine Einbahnstraße, sagt der Kultusminister: „Die Oberschule bietet heute so viele Möglichkeiten auch im Anschluss, dass wir darüber wesentlich positiver reden müssen.“ Natürlich seien die Schwierigkeiten auch bekannt – „doch darauf reagieren wir unter anderem mit Sozialarbeitern und Schulassistenten, hinzu kommt die Berufsorientierung, die wir mit Praxisberatern weiter ausbauen“.

Grünen-Bildungspolitikerin: Bedenkliches Gefälle zwischen Stadt und Land

Für Petra Zais lautet das Fazit: „Die Motive für die Elternentscheidung bei der Schulwahl sind zwar vielfältig – für mich liegt jedoch auf der Hand, dass das Schulangebot vor Ort maßgeblichen Einfluss hat.“ Deshalb plädiere sie dafür, „das Schulangebot dort zu erweitern und Gemeinschaftsschulen zu ermöglichen, wo es vor Ort gewollt ist“. Mit Verweis auf den sächsischen Bildungsbericht, der im Januar erschienen ist, fügt die Grünen-Bildungspolitikerin hinzu: „Der Bericht konstatiert ein zunehmendes Stadt-Land-Gefälle bei Bildungsangeboten, -beteiligungen und -ergebnissen. Mit Blick auf die Bildungsgerechtigkeit halte ich ein solches Gefälle für bedenklich.“

Von Andreas Debski

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