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Mitteldeutschland Anschlag in Halle: So lief die Festnahme von Stephan B.
Region Mitteldeutschland Anschlag in Halle: So lief die Festnahme von Stephan B.
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11:41 10.10.2019
Festnahme auf der B91 zwischen Deuben und Werschen: Polizisten untersuchen das Taxi, mit dem der Attentäter von Halle flüchtete. Quelle: Bernd März
Halle/Leipzig

Mehrere Stunden der Angst enden am Mittwochnachmittag auf der Bundesstraße 91 im Burgenlandkreis mit einer Lkw-Blockade. Schwerbewaffnete Einsatzkräfte der Polizei stürmen aus dem Straßengraben und umstellen ein gestohlenes Taxi. Der mutmaßliche Attentäter von Halle sitzt in der Falle: Stephan B. wird von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) festgenommen.

Der Festnahme geht eine fast 80 Kilometer lange Verfolgungsjagd von der Saalestadt über Landsberg (Saalekreis) bis in den Burgenlandkreis im südlichen Sachsen-Anhalt voraus. Stephan B., der in Halle zwei Menschen mit einem Gewehr tötete und vergeblich versuchte, in eine Synagoge einzudringen, flüchtet zunächst mit einem silbergrauen Kombi einer Autovermietung. (Hier geht es zum Liveticker)

Stephan B. schießt auf Werkstatt-Mitarbeiter

In Wiedersdorf bei Landsberg steuert der mit Kampfmontur, Helm und schweren Waffen ausgerüstete 27-Jährige eine Werkstatt an und verlangt dort nach einem neuen Wagen, ein abgestelltes Taxi. Doch der Mitarbeiter weigert sich. Auch ein hinzukommender Elektriker weist den Täter laut Bild-Zeitung ab. Stephan B. eröffnet daraufhin das Feuer, trifft den Elektriker. Dieser wird schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt, muss in eine Klinik geflogen werden. B. setzt sich in das Taxi und rast davon.

Stundenlang wurde er von der Polizei gejagt: Hier nahm die Polizei den Attentäter von Halle fest.

Über die A9 geht die Flucht weiter nach Süden, westlich an Leipzig vorbei. Bei Weißenfels fährt der mutmaßliche Doppelmörder von der Autobahn ab und biegt auf die B91 in Richtung Zeitz. Bei Werschen, einem Stadtteil von Hohenmölsen, schlägt die Polizei zu.

Auffahrunfall stoppt Attentäter

In einer einspurigen Baustelle wird der 27-Jährige von einem roten Lkw in einen Auffahrunfall verwickelt. B. rammt offenbar den Lastwagen und rechnet nicht damit, was kurz darauf passiert. Dutzende Polizeibeamte, darunter auch SEK-Kräfte, kommen plötzlich aus dem Gebüsch. Weitere Einsatzfahrzeuge blockieren das Taxi. So berichtet es ein Jugendlicher, der die Szene zufällig beobachtet. Bei Stephan B. klicken die Handschellen.

Der Attentäter, der zuvor in Halle bei einem Schusswechsel mit der Polizei verletzt wurde und aus der Nähe von Eisleben stammen soll, wird verhaftet und abtransportiert. Ein Hubschrauber kreist über der Einsatzstelle. Die Landstraße ist noch bis zum Abend gesperrt, Ermittler sichern vor Ort Spuren. Zu Details will sich weder die Polizei noch die Bundesanwaltschaft äußern, die die Ermittlungen übernommen hat. Das Taxi wird beschlagnahmt.

Kein zweiter Täter

Erst Stunden nach der spektakulären Festnahme gibt die Polizei in Halle Entwarnung. Zwischenzeitlich hieß es, es gebe einen weiteren, flüchtigen Täter. Dies stellt sich am Abend als Fehlinformation heraus. B. soll als Einzeltäter gehandelt haben. Seinen Anschlag und die anschließende Flucht hatte er teilweise live ins Netz gestreamt.Als Hintergrund für die Bluttat werden rechtsextreme und antisemitische Motive vermutet.

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