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Mitteldeutschland Airport-Streik droht auch in Dresden und Leipzig
Region Mitteldeutschland Airport-Streik droht auch in Dresden und Leipzig
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16:04 08.01.2019
Streikendes Sicherheitspersonal steht am Flughafen Schönefeld vor der Sicherheitskontrolle für alle Abflüge. Quelle: dpa/Bernd Settnik
Dresden/Leipzig

Gut möglich, dass es nur eine laue Vorahnung war von dem, was da noch kommen kann. Nach dem Streikauftakt der Sicherheitskräfte an den Berliner Airports könnte es in den kommenden Tagen auch in Leipzig/Halle und Dresden zum Ausstand kommen. Dann dürfte es auch Sachsen treffen. „Berlin hat mit den Streiks begonnen und sie werden auch an anderen Flughäfen stattfinden, so auch hier“, sagte die für Mitteldeutschland zuständige Gewerkschaftssekretärin Christel Tempel der DNN.

Denn erstmals will Verdi für die Sicherheitskräfte, die an den Flughäfen Passagiere, Gepäck und Fracht kontrollieren, einen bundeseinheitlichen Abschluss durchsetzen. Und von dem würden gerade die knapp 400 Mitarbeiter in Mitteldeutschland, bisher beim Verdienst bundesweit Schlusslichter, am stärksten profitieren. Wann es hier zum Ausstand kommen könnte, ließ die Verdi-Frau aber noch offen. Man werde das aber rechtzeitig ankündigen.

Verdi will deutliche Anhebung des Gehalts

Den Auftakt machten am Montag die Kollegen in Berlin: An den Flughäfen Tegel und Schönefeld legten laut Verdi 500 Sicherheitsleute am Morgen von 5 Uhr an für vier Stunden die Arbeit nieder. Knapp 50 Verbindungen seien ausgefallen, sagte ein Sprecher der Flughafengesellschaft. In Schönefeld seien zudem rund 25 Flüge hinter das Warnstreik-Ende verschoben worden. Von 10 Uhr an lief der Betrieb wieder weitgehend normal. Anders als beim Ausstand des Bodenpersonals vor zwei Jahren wurden aber keine Flüge nach Sachsen umgeleitet. Damals hatten Ryanair und Easyjet zahlreiche Landungen nach Leipzig/Halle und Dresden verlegt und die Passagiere dann per Bus nach Berlin gebracht.

Verdi sieht den Ausstand als eine Art Warnschuss. „Wir hoffen jetzt, dass von Arbeitgeberseite die Signale verstanden werden“, sagte ein Sprecher. Sollten die Arbeitgeber weiter nicht reagieren, dann seien weitere Arbeitsniederlegungen auch an anderen Airports nicht auszuschließen. Neben Leipzig und Dresden könnte es dann auch das wichtige Drehkreuz in Frankfurt treffen. Die Folgen wären dann bundesweit zu spüren.

Die Gewerkschaft will die aktuell günstige Lage nutzen, um für die 23.000 Beschäftigten, die Fluggäste, Personal und Fracht kontrollieren, eine deutliche Anhebung der Gehälter durchzusetzen – derzeit gibt es in der Branche rund 2000 offene Stellen. 20 Euro Stundenlohn soll es künftig bundesweit für alle geben, fordert Verdi. Für die Passagierkontrolleure in Berlin, die bisher mit 17,15 Euro schon zu den Spitzenverdienern bundesweit gehören, würde das ein Plus von knapp 17 Prozent bedeuten. In Dresden, Leipzig/Halle und Erfurt-Weimar erhalten die Passagierkontrolleure dagegen nur 14,70 Euro pro Stunde, die Anhebung auf 20 Euro würde hier 36 Prozent Plus bedeuten. Bei den reinen Gepäckkontrolleuren, die 11,30 bis 12,90 Euro erhalten, wäre das Plus sogar noch größer.

Nächste Verhandlungsrunde am 23. Januar

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) spricht von „völlig utopischen Forderungen“. Und die Gewerkschafter seien noch keinen Cent davon abgewichen. Eine Angleichung der Bezahlung in Ost und West erfordere aber auch die Solidarität der bereits jetzt höher Entlohnten, so BDLS-Geschäftsführerin Cornelia Okpara. Der Verband bietet bisher im Westen zwei bis 4,7 Prozent an, verteilt auf zwei Jahre. Im Osten sollen es bis zu 8,1 Prozent werden. Wobei eine Angleichung an das Westniveau aber über fünf Jahre gestreckt werden soll. Verdi hat das als „völlig unzureichend“ abgelehnt. Ziel der Gewerkschaft ist es, „mehr Lohngerechtigkeit“ zu erreichen und durch eine „einheitliche Bezahlung der Tätigkeiten in den Kontrollbereichen“ die Sicherheit an den Flughäfen zu erhöhen.

Der frühe Streik und die große Diskrepanz zwischen Angeboten und Forderungen deuten darauf hin, dass sich beide Seiten auch in der nächsten Verhandlungsrunde am 23. Januar nicht einigen dürften. Es sieht deshalb ganz danach aus, dass der erste wirklich harte Tarifkonflikt in diesem Jahr mit weiteren Ausständen bevorsteht. Verdi hat schon einmal angekündigt, dass die jeweiligen Ferienzeiten in den Bundesländern bei den Arbeitskämpfen ausgeklammert werden.

Bereits das jetzige Lohnniveau an den mitteldeutschen Flughäfen hatte Verdi vor zwei Jahren per Streikdrohung erkämpft: Um einen Ausstand zu vermeiden, hatten die Arbeitgeber am Ende 13 Prozent Plus akzeptiert. Zum Streik war es in Leipzig und Dresden zuletzt 2013 gekommen. Damals konnte Verdi sogar noch stärkere Lohnerhöhungen durchsetzen.

Betroffen sind rund 350 Kontrolleure an den beiden sächsischen Airports und 40 in Erfurt-Weimar. Sie sind nicht direkt bei den Flughäfen angestellt, sondern bei einer der privaten Sicherheitsfirmen, die im Auftrag der Bundespolizei die Kontrollen durchführen. In Sachsen teilen sich den Auftrag die beiden Firmen Securitas (Passagierabfertigung und Handgepäck) sowie Klüh Security (Waren, Mitarbeiter und Crew-Mitglieder).

Von Frank Johannsen und Frank-Thomas Wenzel

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