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Mitteldeutschland Ab 30 Metern wird jetzt geschossen: Sachsen ändert seine Strategie zum Wolf
Region Mitteldeutschland Ab 30 Metern wird jetzt geschossen: Sachsen ändert seine Strategie zum Wolf
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19:27 16.04.2019
Polarisieren: Während die einen die Rückkehr der Wölfe begrüßen, sehen Schäfer in ihnen eine Existenzbedrohung.  Quelle: dpa
Dresden

Sachsen zeigt renitenten Wölfen die Rote Karte. Die Staatsregierung unter Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) beschloss am Dienstag eine Sächsische Wolfsmanagementverordnung (SächsWolfMVO), die eine klare Regelung im Umgang mit dem Raubtier schaffen soll. Die Verordnung wird Ende Mai in Kraft treten.

Kreise und kreisfreie Städte treffen Abschuss-Entscheidung

Neu ist, dass Problemwölfe künftig schneller „entnommen“ werden können, wie es im Amtsdeutsch heißt. Sprich: Die auf Entscheid der Landkreise und Kreisfreien Städte geschossen werden können. Das ist laut der SächsWolfMVO dann möglich, wenn sich ein Wolf einem Menschen auf weniger als 30 Meter nähert und eine Vergrämung (sprich: Vertreibung) erfolglos geblieben ist. Vergrämt werden dürfen Wölfe, wenn sie sich an einem Wohngebäude aufhalten oder sich einem Menschen auf weniger als einhundert Meter nähern, sich nicht verscheuchen lassen und dadurch das öffentliche Leben gestört wird.

Aber auch zur Vermeidung erheblicher wirtschaftlicher Schäden ist ein Abschuss künftig möglich. Überwindet ein Wolf beispielsweise die in der Verordnung genannten Schutzmaßnahmen innerhalb von zwei Wochen zweimal, droht auch hier der Abschuss. Dies war in der Vergangenheit beispielsweise immer wieder durch das Rosenthaler Rudel der Fall gewesen. Sachsens Ministerpräsident hatte daraufhin betroffene Schafszüchter besucht und Hilfe versprochen.

Sachsen war erstes Bundesland, in dem sich Wölfe wieder ansiedelten

Sachsen sei das erste Bundesland gewesen, in dem sich vor mehr als 20 Jahren Wölfe angesiedelt haben, nachdem sie mehr als hundert Jahre ausgerottet waren, sagte Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) in Dresden. „Was aus Sicht des Naturschutzes erfreulich erscheint, führt auf der anderen Seite aber zu Konflikten. So beklagen Schäfer in steigender Zahl teils erhebliche Schäden durch Wolfsrisse in ihren Herden.“ Die Verordnung ergänze den bisher bestehenden Wolfsmanagementplan. Sie schaffe aber auch eine höhere Rechtssicherheit für die zuständigen Behörden.

Anlocken, Füttern und Annähern an Wölfe künftig verboten

Verboten wird künftig das Anlocken, Füttern und die zielgerichtete Annäherung an Wölfe. Dabei drohen Strafen bis zu 1000 Euro. „Diese Regelung soll dazu beitragen, dass Wölfe ihre Scheu vor dem Menschen behalten“, so der Minister. Die Verordnung enthält darüber hinaus ein landesweites Programm zur Besenderung von Wölfen. Um möglichst genaue Erkenntnisse über den Aufenthaltsort und die Bewegungsmuster der Wolfsrudel im Freistaat Sachsen zu erhalten, sollen einzelne Wölfe mit einem speziellen Halsband ausgestattet werden.

Neue Fachstelle Wolf im Landesamt für Umwelt

Neu ist auch die Fachstelle Wolf im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Sie soll die Rissbegutachtung, die Beratung der Nutztierhalter, die Förderung präventiver Maßnahmen sowie wesentliche Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit bündeln. Dazu wird sie mit sechs Mitarbeitern besetzt und im Mai ihre Arbeit aufnehmen.

CDU freut sich über mehr Rechtssicherheit und mehr Weidetierschutz

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Andreas Heinz, lobte das Paket: „Damit ist eine mutige Lösung gefunden, die alle Spielräume auslotet und den Umgang mit dem Wolf in Sachsen auf eine neue Grundlage stellt. Ziel ist es, mehr Rechtssicherheit zu schaffen und den Schutz von Mensch und Weidetieren zu verbessern.“

Kritik der Grünen: Wolf steht faktisch auf der Abschussliste

Dagegen kritisierten die Grünen, der Umweltminister „schieße über das Ziel hinaus“. Fraktionschef Wolfram Günther monierte: „Solange nach einem Wolfsriss der auffällige Wolf nicht aufgefunden wird, kann nach dieser Verordnung ein beliebiger Wolf des Rudels erschossen werden. Der Bestand des unter Schutz stehenden Wolfes steht in Sachsen damit faktisch auf der Abschussliste.“

Zuletzt wurden im Kreis Leipzig Schafe attackiert

Erst am Dienstagmorgen waren in der Muldenaue im Kreis Leipzig fünf tote und zwei verletzte Schafe gefunden worden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie Wölfen zum Opfer fielen, teilte der Landkreis mit. Drei weitere Schafe werden demnach vermisst. Unter Verdacht steht das Dahlener Wolfsrudel. Bis Anfang April wurden bisher 28 Schafe, Ziegen, allerdings auch Wild in Sachsen vom Wolf gerissen. Im Vorjahr waren es insgesamt mehr als 200 Tiere.

Von Roland Herold

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